Predigten an Pfingsten - Lesejahr A-C

(Dr. Jörg Sieger)

      

Pfingstsonntag - Lesejahr A-C

   

Fünfzig Jahre Zweites Vatikanisches Konzil feiern wir in diesen Monaten. Wir stehen ja gerade in der Zeit zwischen zwei Sitzungsperioden: der ersten aus dem Spätjahr 1962 und der zweiten, die dann im September 1963 begann. Das war eine Zeit, in der man förmlich spürte, wie der Geist unsere Kirche regelrecht durcheinanderwirbelte.

Was ist daraus geworden? Nach 50 Jahren macht sich der Eindruck einer regelrechten Erstarrung breit. Und es gibt sogar Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück. Und das ist dickköpfig. So bekommt man törichte und lahme Herzen.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich kann mir gut vorstellen, dass einige jetzt schon drauf und dran sind, für sich zu sagen: 'Jetzt fängt er schon wieder damit an. Nicht einmal an Pfingsten kann er es lassen, über die kirchliche Situation zu lamentieren, Kirche und Papst zu kritisieren und am Ende gar schlecht zu machen!' Bevor sie davon aber regelrecht übermannt werden, gleich der Einwand: Vorsicht, die eben geäußerten Gedanken stammen gar nicht von mir. Es war unser Papst, der vor gut einem Monat genau dies in einer Predigt betonte. Und es ging ihm dabei ganz besonders um den Geist, an den wir heute ja allem voran denken.

Dieser Geist nämlich ist uns immer sehr willkommen, als Tröster, als Beistand, als Stärkung... Aber als Gottes Kraft, die uns vorwärts treibt, ist er für die allermeisten mehr als nur unbequem. Und Papst Franziskus, sagt das noch sehr viel drastischer!

"Um es klar zu sagen:" meint der Papst, "Der Heilige Geist ist für uns eine Belästigung. Er bewegt uns, er lässt uns unterwegs sein, er drängt die Kirche, weiter zu gehen. Aber wir sind wie Petrus bei der Verklärung, 'Ah, wie schön ist es doch, gemeinsam hier zu sein.'..."

Und der Papst fährt fort: "Wir wollen, dass der Heilige Geist sich beruhigt, wir wollen ihn zähmen. Aber das geht nicht. Denn er ist Gott und ist wie der Wind, der weht, wo er will. Er ist die Kraft Gottes, der uns Trost gibt und auch die Kraft, vorwärts zu gehen."

Aber genau dieses "vorwärts gehen", das sei für uns so anstrengend, meint der Papst. Und wie recht er damit hat!

Die Bequemlichkeit - auch die Bequemlichkeit im Glauben, ja nicht groß nachdenken zu müssen, alles so zu belassen, wie wir es von früher her kennen - diese Bequemlichkeit gefällt uns viel besser. Wir glauben schon, dass der Geist unter uns anwesend ist. Aber damit sind wir im Grunde auch schon zufrieden. Mehr erwarten viele von diesem Geist letztlich nicht. Und das macht der Papst gerade am Konzil deutlich, das er als großartiges Werk des Heiligen Geistes bezeichnet.

Und heute, nach 50 Jahren, was ist daraus geworden? Papst Franziskus fragt: "Haben wir all das getan, was uns der Heilige Geist im Konzil gesagt hat? In der Kontinuität und im Wachstum der Kirche, ist da das Konzil zu spüren gewesen?

Nein, im Gegenteil", lautet seine ernüchternde Antwort, "wir feiern dieses Jubiläum und es scheint, dass wir dem Konzil ein Denkmal bauen, aber eines, das nicht unbequem ist, das uns nicht stört. Wir wollen uns nicht verändern und es gibt sogar ... Stimmen, die gar nicht vorwärts wollen, sondern zurück: Das ist dickköpfig, das ist der Versuch, den Heiligen Geist zu zähmen. So bekommt man törichte und lahme Herzen."

Sage nicht ich, sagt unser Papst. Und ich denke, er weiß, wovon er spricht ...

[Quelle: Radio Vatikan, 16.4.2013]

(gehalten am 19. Mai 2013 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

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