Predigten in der Osterzeit - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

7. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr A (Joh 17,1-11a mit 1 Petr 4,13-16) - Zum Kindergartenjubiläum

Brüder (und Schwestern)! Freut euch, dass ihr Anteil an den Leiden Christi habt; denn so könnt ihr auch bei der Offenbarung seiner Herrlichkeit voll Freude jubeln. Wenn ihr wegen des Namens Christi beschimpft werdet, seid ihr selig zu preisen; denn der Geist der Herrlichkeit, der Geist Gottes, ruht auf euch. Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt. Wenn er aber leidet, weil er Christ ist, dann soll er sich nicht schämen, sondern Gott verherrlichen, indem er sich zu diesem Namen bekennt. (1 Petr 4,13-16)

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht. Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten. Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen. Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir. (Joh 17,1-11a)

Es könnte ja auch einmal anders sein. Es könnte zu solch einem Anlass ja auch einmal einen schönen Text geben.

Da feiert unser Kindergarten St. Anton sein 60jähriges Bestehen und man hofft auf ein schönes Evangelium - so mit Kindern und den Kleinen, die er zu sich kommen lässt -, und dann handelt der Text nur vom Abschiednehmen und in der Lesung geht es um das Leiden.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Texte der Liturgie kommen daher wie ein Gratulant, der, während er seine Glückwünsche ausspricht, gleichzeitig den Zeigefinger erhebt. Als wollten sie unserem Kindergarten und allem voran den Kindern dort wieder einmal ganz deutlich sagen: Ihr feiert an diesem Sonntag zwar ein Fest, aber das ist nicht alles im Leben. Spielen und Feiern ist schön, aber es gibt ja auch noch ernste Tage und je älter ihr werdet, desto häufiger werden die.

Das ist weder nett, noch trägt es zur Feierlaune bei.

Aber es ist wenigstens ehrlich.

Und eine ehrliche Haut wollen unsere Kindereinrichtungen ja auch sein. Nichts weniger dürfen Eltern von ihnen erwarten. Es wäre ja schlimm, wenn es da nur um Friede, Freude und Eierkuchen ginge. Dort soll es ja gerade nicht darum gehen, Kinder nett zu beschäftigen, einfach zu betreuen, und zwar im Sinne von verwahren, wie es in früheren Verwahranstalten der Fall war.

Hier soll es darum gehen, Kinder zu begleiten, sie vorzubereiten - und allem voran auf den Ernstfall des Lebens. Denn Leben ist nun einmal in vielen Fällen nur allzu ernst. Und das gilt es ganz offen und ehrlich in den Blick zu nehmen. Alles andere wäre nämlich nicht hilfreich.

Aber genau das sollen wir sein: Kirche soll hilfreich sein, den Menschen hilfreich. - Nichts anderes erwartet Jesus Christus von uns. "Wenn die Kirche nicht dient, dient sie zu nichts!" hat Bischof Galliot formuliert. Und damit sind keine festlichen Gottesdienste gemeint. Um solch einen Dienst geht es nicht - nicht um den Dienst im Kirchengebäude. Eine Kirche, die sich im barocken Ornat hinter prunkvoll geschmückten Altären versteckt und die Not der Menschen nicht mehr im Blick hat, könnte nicht Kirche Jesu Christi sein.

Kirche hat den Menschen, hat dem Leben zu dienen. Nur dann wird sie Jesu Auftrag gerecht.

Unsere Kindergärten sind nur ein Teil dieses Auftrags. Es geht um weit mehr. Es geht um alles, was Menschen in ihrem Leben Not tut. Dazu gehört natürlich das Feiern, die Gemeinschaft, genauso wie die Stärkung im Alltag und in der ganz persönlichen Not.

Die aber hört nicht an den Grenzen unserer Gemeinden auf. Die Not aller Menschen muss im Blick sein. Sie muss unseren Gemeinden im Blick sein. Und sie muss es unserer Gesellschaft sein, die immer noch davon spricht, dass sie im christlichen Glauben wurzelt.

Und das gilt selbstverständlich auch für die Not derjenigen, die an den Stammtischen meist nicht gut gelitten sind. Da war so manche Parole von so mancher Partei, wie man sie vor wenigen Tagen noch auf den Wahlplakaten in unseren Straßen hat lesen können, schon mehr als peinlich. Und es ist schlimm, dass Menschen auf solche Parolen und auf solche Parteien abfahren.

Und es ist nicht besser, wenn sich solche Parteien dann als Wolf im Schafspelz tarnen - oder soll man sagen Wolf in Nadelstreifen? - Es ist nicht besser, wenn man solche Gruppierungen dann verharmlosend mit dem euphemistischen Ausdruck Euroskeptiker bezeichnet. Fremdenfeindliche Parolen sind beschämend, sind unwürdig und vor allem, sie stehen in völligem Gegensatz zur Botschaft Jesu.

Sie aber allein kann Maßstab für uns sein, Richtschnur für unser Handeln - Wohlgemerkt: unser Handeln! Denn Worte allein reichen nicht aus.

Jesu Auftrag wird man noch nicht dadurch gerecht, dass man von großartigen Zeichen spricht, die der neue Papst setzten würde, und Beifall klatscht, wenn er sich auf Lampedusa mit den Flüchtlingen solidarisiert. Beifall klatschen nützt nichts, wenn unsere Politik genau diese Flüchtlingsproblematik weiter schürt und nichts, aber auch gar nichts daran ändert.

Um Jesu Auftrag gerecht zu werden, muss sich hier nämlich vieles, muss sich sehr viel ändern. Damit das geschieht, müssen Menschen voran gehen, den Anfang machen. Wir Christen haben den Auftrag dazu.

Und wenn wir ihn nicht aus dem Blick verlieren, wenn wir uns stets darüber im Klaren sind, wo wir zu stehen haben, auf welcher Seite Christus steht, und was es anzupacken gilt, und wenn wir das dann auch unseren Kräften entsprechend ehrlichen Herzens tun, dann können wir auf der anderen Seite auch getrost miteinander feiern, so wie wir das an diesem Sonntag vorhaben. Dann dürfen wir feiern, und das auch solange wir können.

Amen.

(gehalten am 31. Mai / 1. Juni 2014 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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