Predigten in der Osterzeit - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

3. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr A (1 Petr 1,17-21)

Brüder! Wenn ihr den als Vater anruft, der jeden ohne Ansehen der Person nach seinem Tun beurteilt, dann führt auch, solange ihr in der Fremde seid, ein Leben in Gottesfurcht. Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen. Durch ihn seid ihr zum Glauben an Gott gekommen, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, so dass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt. (1 Petr 1,17-21)

"Meinetwegen!" wie oft hört man dieses Wort heutzutage.

"Meinetwegen!"

Und meistens meint man damit so viel wie: "Von mir aus!", "Gerne", oder auch "Ist mir doch egal!"

"Mach' das ruhig, wenn du meinst, mir ist das egal!"

Liebe Schwestern und Brüder,

eigentlich eigenartig, wie es zu dieser Bedeutung kommen konnte. Im Grunde ist das Wort dadurch völlig auf den Kopf gestellt. Mit "egal sein" hatte dieser Ausdruck nämlich ursprünglich absolut nichts zu tun. Ganz im Gegenteil.

"Meinetwegen" heißt letztlich ja nichts anderes als "wegen meiner", um meinetwillen. Etwas geschieht für mich. Für mich ereignet sich etwas, ich bin der Grund dafür, es dreht sich eigentlich nur um mich - und das ist alles andere als "Ist mir doch egal"!

Deshalb ist das "Meinetwegen" auch so bedeutsam. Dieses "Meinetwegen", von dem das Evangelium spricht. Denn meinetwegen ist Christus Mensch geworden, meinetwegen hat er den Tod auf sich genommen und meinetwegen hat ihn Gott von den Toten auferweckt.

Der erste Petrusbrief sagt das auf großartige Art und Weise: "Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen, so dass ihr an Gott glauben und auf ihn hoffen könnt."

Wenn diese Worte des Neuen Testamentes durch all die Jahrhunderte hindurch überliefert wurden, dann nur aus dem einen Grund: Weil diese Worte nicht nur für die Leser damals gedacht waren. Sie gelten zu allen Zeiten und sie gelten allen Menschen, denn um ihretwegen hat Gott all dies getan.

Und dementsprechend hat er es auch für uns, für Sie und für mich getan. Um euretwegen und um meinetwegen. Und zwar genau deswegen, weil Sie und weil ich, weil wir alle ihm absolut nicht egal sind.

Es geschieht unsert-, es geschieht meinetwegen. Und wem von uns wollte das egal sein.

Amen.

(gehalten am 6. April 2005 in der Peterskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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