Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

28. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr A (Mt 22,1-10)

In jener Zeit erzählte Jesus den Hohenpriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen, Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit, Kommt zur Hochzeit! Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen. Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert, eingeladen zu werden. Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft zur Hochzeit ein. Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen. (Mt 22,1-10)

U. A. w. g.

Liebe Schwestern und Brüder,

diese vier Buchstaben haben mir vor einiger Zeit ganz schön Kopfzerbrechen bereitet. Ich hab da so ein nettes Kärtchen bekommen, wie man es eben zugeschickt bekommt, wenn man zu einem Fest eingeladen wird. Und unter dieser Einladung standen sie drunter, diese vier Buchstaben: U. A. w. g.

Nun habe ich mich ja langsam daran gewöhnt, dass heute alles und jedes abgekürzt wird, aber so sehr ich mich auch angestrengt habe, die Bedeutung dieser Abkürzung wollte und wollte mir nun einmal nicht einfallen.

Erst die Antwortkarte, die diesem Schreiben beilag, hat mich dann auf die richtige Spur gebracht. U. A. w. g. Natürlich: Um Antwort wird gebeten, das soll diese ominöse Abkürzung bedeuten.

Eigentlich hätte ich ja gleich draufkommen können, denn was interessiert den Absender dieser Karte denn brennender, als die Antwort auf die Frage, ob ich denn auch tatsächlich kommen werde, ob ich an seinem Fest auch wirklich teilnehmen möchte: Um Antwort wird gebeten.

Ich habe den Wunsch gleich erfüllt und die Karte umgehend zurückgesandt; denn das gebietet ja schließlich schon der Anstand. Das erwartet der Absender. Und er erwartet es ja auch zu Recht.

Ich wäre auch sauer, wenn ich jemanden einladen würde, und der würde sich erst abmelden, wenn schon alles vorbereitet ist und die Plätze bestellt sind.

Deshalb verstehe ich ganz gut, wenn man in solch einem Fall recht sauer reagiert. Und deshalb verstehe ich den König aus dem Gleichnis, das wir eben gehört haben, vollkommen. Wer würde da nicht sauer sein, wenn das Hochzeitsmahl für den Sohn schon gerichtet ist und die geladenen Gäste im letzten Augenblick dann doch nicht kommen wollen.

Die ganze Zeit haben sie rumgedruckst; so nach dem Motto: "Wir wollen eigentlich schon; im Grunde genommen..." Aber dann, wenn es drauf und dran ist, dann haben sie plötzlich alles andere zu tun! Da soll man dann nicht aus der Haut fahren! Ich versteh diesen König sehr gut.

Natürlich kann er nicht davon ausgehen, dass alle, die er einladen möchte, auch wirklich kommen werden, aber dass man ihm klar und deutlich sagt, ob man die Einladung annimmt oder nicht, das ist das mindeste, was jeder Gastgeber erwarten kann, egal, ob er nun König, einfacher Bräutigam oder Gott selber ist.

Denn auch Gott ist Gastgeber. Er lädt ein zu einem Fest, zu einem ganz gewaltigen Fest, das dazu noch ewig dauern soll. Wir müssen nur eines tun: Wir müssen Antwort geben. Denn die Gäste, das sind wir.

Und Gott erwartet schlicht und ergreifend unsere Antwort auf seine Einladung, er möchte wissen, ob wir auch tatsächlich wollen, er möchte unser klares "Ja" auf sein Angebot!

Viele von uns werden sich jetzt recht entspannt zurücklehnen und sagen: "Schon lange erledigt! Ich hab' ihm diese Antwort schon vor Jahrzehnten gegeben!" Die meisten von uns sind schließlich schon seit sie denken können dabei. Und keine Frage, dass wir zu diesem Gott gehören wollen und seine Einladung angenommen haben.

Aber gerade wenn es so ist, dann sollte man sehr vorsichtig sein. Ja-Worte, die man vorzeiten gegeben hat, die sollte man ab und an wieder einmal recht gründlich anschauen. Manchmal passiert es sonst nämlich, dass aus einem klaren "Ja", ganz langsam ein verstecktes "Ja, aber" wird. Und das ist der erste Schritt hin zum kleinlauten "Jein.". Mit einem "Jein" aber ist keinem Gastgeber geholfen. Damit kann er nichts anfangen.

Wenn jemand klar und entschieden sagt, dass er nicht will, damit kann man vielleicht leben, wer aber "Ja" sagt und "Nein" meint, oder mal "Ja" und dann wieder "Nein" zum Besten gibt, der gehört wohl überall zu jener Sorte von Gästen, von denen vermutlich jeder Gastgeber denken wird, dass sie es eigentlich nicht wert gewesen sind, überhaupt eingeladen zu werden.

Die meisten von uns haben ihre Antwortkarte schon lange zurückgesandt, haben ihr "Ja" schon vorzeiten gesprochen. Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dieses Ja-Wort wieder einmal ganz gründlich unter die Lupe zu nehmen.

Und dann kann es wahrscheinlich auch gar nichts schaden, dem Gastgeber ab und an wieder zu versichern, dass es bei diesem Ja-Wort bleibt. "Du kannst auf mich zählen, ich bin dabei!" Sagen wir es ihm ruhig, denn: Um Antwort wird gebeten.

Amen.

(gehalten am 10. Oktober 1999 in der Peterskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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