Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

8. Sonntag im Jahreskreis (Fasnachtssonntag) - Lesejahr A (Mt 6,24-34)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Niemand kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, dass ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, dass ihr etwas anzuziehen habt. Ist nicht das Leben wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie? Wer von euch kann mit all seiner Sorge sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern? Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht. Doch ich sage euch: Selbst Salomo war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie eine von ihnen. Wenn aber Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen! Macht euch also keine Sorgen und fragt nicht: Was sollen wir essen? Was sollen wir trinken? Was sollen wir anziehen? Denn um all das geht es den Heiden. Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben. Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug eigene Plage. (Mt 6,24-34)

Haben Sie schon ein Kostüm? Als was gehen Sie dieses Jahr? Für Kinder ist das ja jedes Mal aufs Neue eine ganz spannende Frage.

Und für Erwachsene nicht minder. Vor jedem Faschingsball steht die Frage nach dem Kostüm. Was soll es dieses Jahr sein? Was zieh ich bloß an!

Liebe Schwestern und Brüder,

"Gehen Sie doch als Streichholz!" hat mir vor einiger Zeit einmal jemand geraten. Ich solle mich einfach als Streichholz verkleiden. Das sei ganz einfach. Man zieht letztlich gar nichts an und beim ersten, der einem dann begegnet, bekommt man vor lauter Scham einen knallroten Kopf und das Kostüm ist perfekt.

Habe ich natürlich nicht getan. Ich fühlte mich irgendwie auch nicht richtig ernst genommen bei dem Ratschlag, auf die Fasnacht als Streichholz zu gehen.

So, wie Jesus unser Problem, etwas Passendes zum Anziehen zu finden, eigentlich auch nicht wirklich ernst nimmt. Was soll das: Macht euch keine Sorgen. Und die Lilien des Feldes sehen sowieso weit besser aus als ihr!

Sagt Jesus etwa auch, eigentlich bräuchten wir gar nichts anzuziehen, weil uns die Feldblumen sowieso ausstechen würden? Mit Sicherheit doch nicht. Aber unsere Garderobenprobleme sind ihm offenbar fremd. Vor allem, wenn es um das Verkleiden geht. Genau genommen, hat er es nämlich nicht so wirklich mit dem Verkleiden.

Insbesondere dann, wenn es um das Verkleiden jenseits der Fasnacht geht - das ganze Jahr über. Denn dass wir uns tagtäglich verkleiden, Rollen spielen, das tun, was man von uns erwartet oder was wir glauben, dass andere es von uns erwarten würden, damit kann Jesus gar nicht so recht. Dass wir Masken tragen und uns dahinter verstecken, unsere Gefühle nicht wirklich zeigen und da und dort auch noch welche heucheln, die gar nicht da sind, das ist nicht sein Ding. Damit, dass wir anderen immer wieder und eigentlich tagtäglich etwas vorspielen, etwas, was wir letztlich gar nicht sind, damit kann Jesus nicht.

Er ist für den geraden Weg, dafür, dass unser "Ja" ein "Ja" und unser "Nein" kein "Vielleicht" oder "na, schaun wir mal!" ist.

Und wie viel an unserem Leben wäre tatsächlich einfacher, wenn wir anderen offen und ehrlich begegnen würden, wenn andere immer gleich wüssten, wo sie mit uns dran sind. Und wie leicht wäre das für uns, wenn wir uns nicht fragen müssten, ob es die andere wirklich ehrlichen meint oder er uns nicht über den Tisch ziehen möchte und ich höchstens die Hälfte von dem, was er zu sein scheint, wirklich glauben kann. Jesus von Nazareth lebte uns einen authentischen Menschen vor, einen, der sich nicht verstellte, der gradlinig und der genau deshalb so glaubwürdig war.

So könnten auch wir sein. Wie selten ist das der Fall.

Vielleicht versuchen wir es ja gerade mal in diesen Tagen. Was meinen Sie, wie das wäre, wenn wir dem Rat Jesu einfach mal an Fasnacht folgen würden. Wenn wir uns in diesen Tagen einfach einmal gar nicht verkleiden würden. Das heißt nicht, als Streichholz zu gehen, sondern einfach so, wie wir wirklich sind, ohne irgendeine Rolle zu spielen, einfach als ich selbst. Das wäre möglicherweise die beste Verkleidung, die es gibt.

Es könnte möglich sein, dass einige da sogar regelrecht erschrecken. Wenn wir uns einmal so geben, wie wir wirklich sind, es könnte direkt möglich sein, dass uns einige dann gar nicht erkennen.

(gehalten am 1./2. März 2014 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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