Predigten in der Österl. Bußzeit - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

3. Sonntag der Fastenzeit - Lesejahr A (Röm 5,1-2. 5-8)

Brüder! Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Christus ist schon zu der Zeit, da wir noch schwach und gottlos waren, für uns gestorben. Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5,1-2. 5-8)

"Ich will 'nen Ball", sagte der Junge.

"Ich habe keinen Ball", meinte der Vater.

"Ich will 'nen Ball!" quengelte der Junge weiter. Der Vater ging in den Keller, suchte einen alten Fußball und gab ihn dem Jungen.

"Ich will 'nen Ball", rief der Junge weiter. Der Vater nahm daraufhin den Ball, suchte eine Luftpumpe und blies ihn neu und prall auf. Und wieder gab er ihn dem Jungen.

"Ich will 'nen Ball!" quakte der Junge immer noch und begann laut loszuheulen.

Liebe Schwestern und Brüder,

entweder hatte er einfach nicht ausgeschlafen oder er war nur undankbar und trotzig. Oder er war einfach begriffsstutzig und merkte gar nicht, wie sich der Vater krummlegte, um seinen Wunsch zu erfüllen.

Auf jeden Fall war es bewundernswert, dass der Vater immer noch nicht explodierte und dem Rotzlöffel den Ball um die Ohren schlug. Aber lange wird er das Spiel wohl nicht mehr mitgemacht haben, jener Vater, irgendwann wird es auch ihm zu dumm geworden sein.

Wann wird es ihm wohl zu dumm werden, unserem Vater, dem im Himmel? Irgendwie erinnert mich dieser Junge schließlich an uns. Wir quengeln schließlich nicht minder. Nein, wir verlangen nicht nach einem Ball, aber unser Bitten ist nicht weniger penetrant: Erlöse uns o Herr, schenk uns Dein Erbarmen, gib uns Deine Gnade… Vor allem in diesen sieben Wochen, geht es in unseren Gebeten und in unseren Kirchen um fast nichts anderes, bis hinein in die Texte des Messbuches.

Begreifen wir es denn nicht oder wollen wir es nicht begreifen? In Jesus Christus hat Gott ein für alle Mal alles für uns getan. Wir brauchen nicht um Erlösung zu bitten, wir sind erlöst. Wir brauchen nicht darum zu betteln, dass Gott uns so annimmt, wie wir sind, wir sind gerecht gemacht aus Glauben, wie Paulus sagt, wir haben Frieden mit Gott und wir haben den Zugang zu seiner Gnade bereits erhalten. Wir stehen nämlich in ihr. Und wir verhalten uns wie der kleine Bub, der immer noch um einen Ball bettelt, obwohl er ihn schon längst in Händen hält.

Gut, früher konnte man das ja vielleicht noch verstehen. Früher wurde das den Menschen ja auch vorenthalten. Kirche hatte offenbar nie ein großes Interesse daran, den Menschen wirklich nahezubringen, dass alles bereits getan ist. Man hat gepredigt, dass man tun müsse, opfern müsse, spenden müsse, möglichst oft und möglichst viel, damit man Vergebung finde und die Seelen gerettet würden.

Klar, dass ein wohlstandsverliebter Klerus sich kaum den Ast absägen wird, auf dem er wohlalimentiert sitzt. Aber mittlerweile kann man es doch überall nachlesen, hat das letzte große Konzil es doch deutlich unterstrichen, dass die Schrift seit jeher ganz klar sagt, Jesus hat alles, aber auch wirklich alles und das ein für alle Mal für uns getan.

Wir brauchen nichts zu opfern, wir brauchen keine Pflicht zu erfüllen, nicht möglichst viel zu leisten, um uns die Seligkeit zu verdienen. Wir können es nicht einmal, weil es nach Jesu Opfer keine weiteren Opfer mehr geben kann. Weil man vor Gott sich nichts verdienen kann. Weil man - wie Paulus sagt -, die Gnade sich nur schenken lassen kann.

Eigentlich bleibt uns Menschen nichts anderes mehr zu tun, als genau das, was diesem Rotzlöffel von Jungen auch ganz gut zu Gesicht gestanden hätte: nämlich einfach nur, Danke zu sagen, von ganzem Herzen zu danken vor Gott für all das, was er bereits an uns getan hat, nein, kein Messopfer, sondern Eucharistie, Danksagung zu feiern.

Amen.

(gehalten am 22./23. März 2014 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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