Predigten in der Weihnachtszeit - Lesejahr B

(Dr. Jörg Sieger)

      

Fest der Taufe des Herrn - Lesejahr B (Jes 55,1-11)

So spricht Gott, der Herr: Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung! Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen. Neigt euer Ohr mit zu, und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies. Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. Völker, die du nicht kennst, wirst du rufen; Völker, die dich nicht kennen, eilen zu dir, um des Herrn, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat. Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserm Gott; denn er ist groß im Verzeihen. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie der Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe. (Jes 55,1-11)

Liebe Schwestern und Brüder,

nehmen Sie die Lesung, die wir gerade eben gehört haben, ja nicht wörtlich. Gehen Sie mir nachher ja nicht in eine Wirtschaft und bestellen sich Wein, ohne ihn zu bezahlen. Und sagen Sie erst recht nicht: Sie hätten in der Kirche gehört, es gäbe den Wein jetzt völlig umsonst! Natürlich müssen Sie Ihren Wein bezahlen und das Essen selbstverständlich auch. 

Da kann der Prophet Jesaja noch so oft sagen: "Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!" Prophet hin, Prophet her - nichts gibt es ohne Geld!

Alles, was wir zum Leben brauchen, will bezahlt werden: egal ob die Nahrung oder die Kleidung. Und alles wird von Jahr zu Jahr auch noch teurer; allem voran das Benzin, dessen Preis ja augenblicklich geradezu explodiert.

Allein die Dinge, die man jeden Tag braucht, kosten schon Unsummen. Und das, was dann einfach nur angenehm ist oder auch nur ein klein wenig nach Luxus riecht, all das frisst auch die größten Ersparnisse am Ende ganz schnell auf.

Ohne Moos nix los! Von wegen: kommt und kauft ohne Geld! Nur wer über das nötige Bankkonto verfügt, kann sich im Leben alles leisten.

Und selbst dann noch gibt es Dinge, für die jeder Kaufpreis zu hoch ist. Manches bleibt auch mit dem besten Bankkonto einfach unbezahlbar. Manche Dinge lassen sich nicht einmal kaufen.

Obwohl die Diskussion um die Gesundheitsreform immer deutlicher macht, wie stark eine gute ärztliche Versorgung am Ende wieder vom Geld abhängt, die Gesundheit selber, die kann ich mit allem Geld der Welt nicht kaufen.

Auch wenn die Politik richtig erkannt hat, dass die Ausbildung, Erziehung und das Heranwachsen der Kinder mit Geld gefördert werden muss, die Liebe, die Kinder brauchen, lässt sich nirgendwo kaufen.

Das Leben bleibt unbezahlbar, der Partner, der ja zu mir sagt, ist nicht mit Geld aufzuwiegen, und die Liebe, die ich von meinen Eltern etwa erfahren habe, die gibt es nirgendwo zu erwerben. 

Das tägliche Brot kostet ganz schön, Luxusgüter sind schon fast unerschwinglich, und all das, was wirklich lebensnotwendig ist, das ist sogar unbezahlbar.

Aber genau letzteres, und das ist das Erstaunliche, das bekomme ich geschenkt!

Jesaja mag unrecht haben, wenn es um Milch und Wein geht. Ich denke, dass kaum einmal eine Zeit kommen wird, in der solche Sachen umsonst zu haben sind. Aber die Gesundheit, das Leben, Glück und Zufriedenheit, Hoffnung und Liebe, die gibt's tatsächlich schon heute umsonst.

Kommt und nehmt ohne zu bezahlen, kommt und lasst sie Euch schenken, spricht unser Gott. Die Zufriedenheit nämlich, Genesung und Gesundheit, Überwindung von Krisen, Hoffnung und das kleine und manchmal auch das große Glück, wir bekommen es ganz einfach geschenkt.

Manchmal ist es ganz wichtig, darüber nachzudenken, wie teuer heutzutage alles geworden ist. Dann nämlich fällt einem wieder ein, wie wertvoll es ist, das Wichtigste, das Lebensnotwendige ganz einfach geschenkt zu bekommen. Gott schenkt mir das Leben, und er schenkt mir seine ganze Liebe. Die gibt es für mich und für jeden umsonst.

Wenn ich das recht bedenke, wenn ich mir ausmale, was ich da am Ende tatsächlich geschenkt bekomme, was mir alles in meinem Leben zuteilwird, ohne dass ich irgendetwas dafür tun muss, und was mir von diesem Gott wohl auch in Zukunft noch alles geschenkt werden wird, wenn ich daran denke, dann bezahle ich das bisschen Wein auch weiterhin ganz gerne selber.

Amen.

(gehalten am 8./9. Januar 2000 in der Peters- und Pauluskirche, sowie der Stadtkirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
Tel.: +49 (0721) 82105171, E-Mail: kontakt@joerg-sieger.de.