Predigten in der Weihnachtszeit - Lesejahr B

(Dr. Jörg Sieger)

      

Fest der Heiligen Familie - Lesejahr B (Gen 15,1-6; 21,1-3)

In jenen Tagen erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein. Abram antwortete: Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe doch kinderlos dahin, und Erbe meines Hauses ist Elieser aus Damaskus. Und Abram sagte: Du hast mir ja keine Nachkommen gegeben; also wird mich mein Haussklave beerben. Da erging das Wort des Herrn an ihn: Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein. Er führte ihn hinaus und sprach: Sieh doch zum Himmel hinauf, und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst. Und er sprach zu ihm: So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Abram glaubte dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an. Der Herr nahm sich Saras an, wie er gesagt hatte, und er tat Sara so, wie er versprochen hatte. Sara wurde schwanger und gebar dem Abraham noch in seinem Alter einen Sohn zu der Zeit, die Gott angegeben hatte. Abraham nannte den Sohn, den ihm Sara gebar, Isaak. (Gen 15,1-6; 21,1-3)

"Herr, mein Herr, was willst Du mir schon geben?"

Liebe Schwestern und Brüder,

an diesem Satz aus der heutigen Lesung hänge ich immer noch. Und ich tu das seit Tagen!

Da steht Abraham vor seinem Gott und sagt ihm ins Gesicht: "Was willst Du mir schon geben?" Deutlicher kann man nicht zum Ausdruck bringen, was man von diesem Gott hält. Als ob Du mir noch helfen könntest!

Diese Hoffnung hatte Abraham offenbar schon lange aufgegeben. Gott hin, Gott her, ändern würde sich für ihn kaum noch etwas.

Abraham wird wohl, wie alle Menschen seiner Zeit, seine Opfer dargebracht haben, er wird wohl seine Gebete verrichtet haben - dass sie wirklich etwas bewirken, daran aber hat er offenbar schon nicht mehr geglaubt. 

Was will Gott mir schon geben!

An diesem Satz bin ich hängen geblieben und ich hänge immer noch an ihm, denn er spricht so offen aus, was menschliche Frömmigkeit seit Abrahams Zeiten bis auf den heutigen Tag kennzeichnet.

Da gehen Menschen regelmäßig zum Gottesdienst, da verrichten Menschen brav ihre täglichen Gebete, und da halten wir Sonntag für Sonntag Fürbitte in allen Anliegen der Welt und trotzdem fühlt sich so vieles an, als würde dieser Satz des Abraham wie eine dunkle Folie alle fromme Glaubenspraxis überdecken.

Was kann Gott uns schon geben.

Ich muss da immer wieder an eine Geschichte denken, die mir vor einiger Zeit erzählt wurde: Da gehen nach langer Trockenheit Christen zum Gebet um den Regen zu einem Feldgottesdienst - und keiner von ihnen hat einen Regenschirm dabei. Da beten Menschen um Regen, aber keiner hat Angst, tatsächlich nass zu werden.

Wir beten zwar, wir sprechen mit Gott, aber dass er unsere Anliegen wirklich erhört - glauben wir wirklich daran?

Da beten wir in den Fürbitten für unsere Kranken. Und wenn wir es tun, dann macht das deutlich, dass sie uns nicht egal sind und wir denken an sie; und das ist wichtig! Glauben wir aber wirklich daran, dass ihnen auf unser Gebet hin von Gott Linderung, ja Heilung zukommen könnte?

Da beten wir um den Frieden in der Welt und erinnern an die Menschen in den Krisengebieten; und das ist gut. Aber glauben wir wirklich daran, dass Gott daraufhin tatsächlich etwas ändert?

Ach Gott, was könntest Du mir schon geben.

Abraham wurde heute eines besseren belehrt. Gott hat den alten, hoffnungslosen Mann ganz gewaltig überrascht.

Und wer weiß, vielleicht überrascht er ja auch uns - und vielleicht sogar schon heute; anders möglicherweise, als wir es uns vorstellen, anders, als wir es uns ausrechnen, vielleicht sogar ganz anders, als wir es ursprünglich wollten - auf seine Art eben.

Deshalb: Geben wir ihm eine Chance! Geben wir Gott eine Chance!

Wenn die Geschichte nämlich eines lehrt, wenn all die Geschichten, die Menschen mit diesem Gott hatten und immer wieder haben, wenn sie uns eines lehren, dann dies: Er ist immer wieder, dieser Gott ist immer wieder aufs Neue für eine Überraschung gut!

Amen.

(gehalten am 27./28. Dezember 2008 in der Paulus- und Peterskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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