Predigten im Jahreskreis - Lesejahr B

(Dr. Jörg Sieger)

      

6. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr B (Mk 1,40-45)

In jener Zeit kam ein Aussätziger zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde. Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein! Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz, und der Mann war rein. Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein: Nimm dich in acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein. Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, so dass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm. (Mk 1,40-45)

Es gibt Wünsche, die erfülle ich liebend gern! Wenn mir jemand zum Beispiel sagt, dass er gerne wieder einmal mit mir Essen gehen möchte, dann ist das so ein Wunsch, bei dem ich mich in aller Regel nicht zweimal bitten lasse.

Wenn ich dann aber gebeten werde, irgendwelche Erhebungsbögen über die prozentualen Grundflächenanteile der Wohn- und Büroräume des Pfarrhauses auszufüllen, dann ist das etwas, was ich äußerst ätzend finde. Und solch einem Begehren, dem komme ich demnach auch nur mehr als ungern nach.

Liebe Schwestern und Brüder,

es kommt eben immer darauf an!

Einen Wunsch zu erfüllen, einer Bitte zu entsprechen, das kann durchaus etwas angenehmes sein; ja selbst einer Anordnung Folge zu leisten, kann Vergnügen bereiten. Es kommt eben immer darauf an - darauf nämlich, was von einem verlangt wird.

Wenn ich weiß, dass der andere etwas angenehmes von mir möchte, wenn ich mir sicher sein kann, dass der nichts unmögliches von mir will, dann sind Wünsche, Anordnungen, ja selbst die Einforderung von Gehorsam absolut kein Problem.

Aber genau das ist ja das Problem: Ich weiß es im voraus meistens eben nicht!

Wahrscheinlich ist genau das auch das große Problem Gott gegenüber. Wenn ich wüsste, was der will, wenn ich mir sicher sein könnte, dass auch er das möchte, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, dann wäre alles kein Problem, dann könnte ich ganz leicht: "Dein Wille geschehe!" sagen. So aber stocke ich meist, wenn mir dieses Wort über die Lippen gehen soll. Weiß ich's denn, auf was für einen Willen ich mich da einlassen soll?

Zum Glück bin ich mit diesen Fragen nicht allein. Der Aussätzige aus dem heutigen Evangelium, hatte offenbar genau das gleiche Problem mit Jesus. Er war krank, er wollte geheilt werden. Und glücklicherweise hatte er Jesus gefunden. Er wusste genau, der hatte es jetzt in der Hand, der konnte ihn gesund machen - Wenn er wollte!

Aber wollte er denn? Woher sollte dieser Kranke wissen, dass Jesus wirklich das gleiche wollte, wie er selbst. Wollte Gott denn überhaupt, dass er gesund würde? Ja vielleicht war es ja sogar Gottes Wille, dass er jetzt in dieser Situation war. Vielleicht war seine Krankheit ja sogar gottgewollt.

Das ist der Hintergrund für die vielleicht eigentümlichste Frage im Zusammenhang mit einer Wundererzählung im ganzen Evangelium. Ganz unsicher fragt der Aussätzige: "Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde!" Wenn du willst!

"Ich will es!" antwortete Jesus!

Da steht es ganz deutlich. Diesem Aussätzigen sagt Jesus in aller Deutlichkeit: "Ich will, dass Du gesund bist, dass es Dir gut geht, dass Du leben kannst und dass Dein Leben gelingt. Ich will es - werde rein!"

Ich glaube, deutlicher hat es Jesus nie einem Menschen gesagt. Direkter und unmittelbarer hat er nie jemandem auf den Kopf zugesagt, dass er nichts anderes möchte, als dass es ihm gut geht.

Und wenn das im Evangelium aufgeschrieben ist, wenn das aufgeschrieben wurde, damit es im Gottesdienst vorgelesen wird, dann einzig und allein aus einem Grund: das, was Jesus damals gesagt hat, das, was er hier diesem Aussätzigen sagt, das sagt er nämlich nicht nur diesem einen Kranken in Israel. Offensichtlich will der Evangelist uns heute mitgeben, dass Jesus diesen Satz zu jedem von uns sagt.

Er sagt es zu Ihnen und zu mir: "Ich will, dass es Dir gut geht, ich will es, werde rein!"

Dieses Evangelium ist wichtig! Denn heute sagt Gott zu mir, dass er nichts anderes von mir möchte als dass es mir gut geht. Das was Gott möchte, das soll mir gut tun, das soll gut für mich sein, und es wird mir am Ende auch gefallen.

Ein wichtiges Evangelium. Es nimmt mir nicht alle Bedenken, ich weiß dadurch immer noch nicht genau, was denn Gott eigentlich mit mir vor hat und was genau er jetzt von mir will. Aber es nimmt ein wenig Druck von mir. Gott selbst sagt mir, dass er das beste für mich möchte und nichts anderes. Und das ist Evangelium. Kein Evangelium, das mich in Jubelgeschrei ausbrechen lässt, aber eine Botschaft, die mich zumindest - wenn auch etwas kleinlaut und ganz verhalten - aber trotzdem um einiges leichter sagen lässt: "Wenn das so ist! Dann geschehe eben Dein Wille!"

Amen.

(gehalten am 13. Februar 2000 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

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