Predigten in der Österl. Bußzeit - Lesejahr B

(Dr. Jörg Sieger)

      

4. Sonntag der Fastenzeit - Lesejahr B (Eph 2,4-10)

Brüder! Gott, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht. Aus Gnade seid ihr gerettet. Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben. Dadurch, dass er in Christus Jesus gütig an uns handelte, wollte er den kommenden Zeiten den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen. Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -‚ nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann. Seine Geschöpfe sind wir, in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im voraus bereitet hat. (Eph 2,4-10)

Haben Sie heute eigentlich schon gelebt?

Das mag nach einer blöden Frage klingen - ist aber keine! Es ist sogar eine sehr wichtige Frage, eine entscheidende gar.

Liebe Schwestern und Brüder,

Sorgen gemacht, das haben Sie sich heute wahrscheinlich über irgendetwas schon ganz sicher. Und vermutlich haben Sie bereits wenigstens eine Pflicht erfüllt. Damit sind unzählige unserer Tage bis zum Anschlag gefüllt.

Wir machen uns Sorgen, erledigen Aufgaben, gehen unseren Verpflichtungen nach, befürchten so manches und haben vor ungezählten Dingen Angst. Und manche haben sich bereits so daran gewöhnt, dass sie sich sagen - so ist das halt, so ist das Leben.

Aber das stimmt doch gar nicht!

Gut, es ist ein Teil unseres Lebens, so wie das Sterben zum Leben gehört. Wer aber aus dem Blick verliert, dass nicht minder das Geboren werden, Teil dieses Lebens ist, der geht an der Wirklichkeit unserer Welt völlig vorbei.

Leben ist nicht nur Mühsal, Leben ist genauso Erfüllung, ist Freude und Erleben von Gemeinschaft, ist immer wieder neu, ein Abenteuer, überraschend und hoffnungsvoll.

Haben Sie heute schon gelebt? So wirklich? Mit einem wachen Blick für die Schönheit der Schöpfung?

Eigentlich müsste uns das als Christen nämlich auszeichnen. Nichts liegt dem Christsein ferner als Griesgrämigkeit und Tristesse. Wenn Christen zum Lachen in den Keller gehen, dann haben sie die Botschaft des Evangeliums nicht verstanden; denn das Neue Testament verkündet uns die Botschaft der Erlösung, einer Erlösung, die uns zu leben ermöglicht.

Zugegeben, die christliche Verkündigung macht es uns da nicht immer leicht. Fast immer wird da von Umkehr, von Schuld und Buße gehandelt. Es geht um Gebote und Verbote. Und immer wieder entsteht der Eindruck, dass Freude wohl geduldet, aber der Verzicht auf alles Angenehme doch wohl das weit bessere sei. Für wie viele Menschen in der Vergangenheit, war der Pfarrer so etwas wie das personifizierte schlechte Gewissen. Und Kirche wurde eher mit Spaßbremse als mit pulsierendem Leben in Verbindung gebracht.

Dabei ist genau dieses Leben Gottes eigentliches Geschenk - zumindest wenn wir die blumigen Worte des Epheserbriefes, aus dem wir heute einen Abschnitt gehört haben, wirklich ernst nehmen, wenn wir die Botschaft Jesu ernst nehmen: "Gott, der voll Erbarmen ist, hat uns, die wir infolge unserer Sünden tot waren, in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht."

Das ist die Erlösung: Wir haben den Tod schon überwunden, wir haben keinen Grund mehr, den Kopf hängen zu lassen, wir sind für das Leben bestimmt und wir dürfen leben in einer Welt, deren Schönheit, deren Annehmlichkeit, und deren Fülle von Wunder direkt auf Gott zurückzuführen sind.

Die Welt ist nicht gottlos und das Leben ist kein Jammertal. Das Leben ist lebenswert - trotz mancher Beschwernis und trotz vieler Traurigkeit. Bei allem was uns ängstigt, was Grund zu Befürchtungen sein mag, wir dürfen die Zuversicht haben, dass Christus immer das letzte Wort haben wird. Denn mit ihm sind wir lebendig gemacht. Wir sind erlöst, sind für das Leben bestimmt - nicht erst in irgendeiner fernen Ewigkeit; schon jetzt, schon hier und heute.

Gott hat uns das Leben geschenkt, er hat uns für das Leben bestimmt, wir müssen es jetzt schlicht und ergreifend ganz einfach nur noch leben.

Haben Sie es heute schon getan?

(gehalten am 17./18. März 2012 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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