Predigten in der Osterzeit - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

7. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr C (Offb 22,12-14. 16-17. 20)

Ich, Johannes, hörte eine Stimme, die zu mir sprach: Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können. Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern. Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen. Komm, Herr Jesus! (Offb 22,12-14. 16-17. 20)

Das waren noch Zeiten, als man noch guten Gewissens etwas gewinnen konnte.

In jeder Zeitschrift gab es doch ein Rätsel zum Mitmachen. Und immer wieder gab es Preisausschreiben, bei denen tolle Preise lockten. Und wenn dann eine Gewinnmitteilung kam, dann konnte man sich richtig freuen.

Liebe Schwestern und Brüder,

das waren noch Zeiten.

Wenn heute eine Karte ins Haus flattert, mit der Nachricht "Sie haben gewonnen!", dann ist größte Vorsicht angesagt. Und am Besten wirft man so ein Schreiben gleich in den Mülleimer. Denn um Preisausschreiben macht man mittlerweile besser einen ganz großen Bogen.

Letzthin bekam meine Mutter zum Beispiel, auf ein arglos ausgefülltes Rätsel gleich einen Telefonvertrag, denn im Kleingedruckten stand irgendwo ganz winzig, dass es sich eigentlich gar nicht um ein Preisausschreiben, sondern einen Vertrag mit einem Telefonanbieter handelte.

Und noch schlimmer ist es, wenn das Telefon klingelt und einem alles Mögliche versprochen wird, alles, was man sich eigentlich nie leisten könnte und im Grunde auch gar nicht braucht. Und das schönste ist immer, dass man das alles ganz umsonst bekommen würde!

Das riecht doch schon meilenweit gegen den Wind!

Wer einem heute etwas umsonst anbietet, der will einen in aller Regel aufs Kreuz legen. Zum Glück weiß das langsam jedes Kind.

Schlechte Zeiten, für alle, die es ehrlich meinen! Schlechte Zeiten für die Offenbarung des Johannes etwa, aus der wir eben einen Abschnitt gehört haben. Keine guten Aussichten für solch einen Text, der davon spricht, dass man gar nichts tun brauche, einfach nur kommen müsse, wenn man durstig wäre. Das Wasser des Lebens gäbe es umsonst!

Da schrillen heutzutage doch gleich sämtliche Alarmglocken. Da sucht man doch sofort nach dem Haken und dem Pferdefuß. Nichts ist umsonst auf dieser Welt. Alles will erarbeitet und verdient sein. Und in Sachen Religion hat man es ja auch lange genug so eingetrichtert bekommen.

Da ging es doch immer um etwas, was man tun musste: Seine Sonntagspflicht erfüllen, die Gebote befolgen, regelmäßig die Beichte ablegen, dieses tun, jenes nicht lassen, das war zu meiden und davon musste man unter allen Umständen die Finger lassen.

Und jetzt kommt da die Bibel und spricht davon, dass es etwas umsonst gäbe. Und das wird dann auch noch als Lesung im Gottesdienst vorgetragen! Gott schenkt uns das Heil, und er tut es, völlig umsonst, ohne Gegenleistung, allein, weil er uns liebt.

Darf man das wirklich glauben?

So unglaublich es klingen mag, es ist so. Alles, was wir tun können, kann sowieso nur Antwort auf diese Liebe sein. Um das Heil zu verdienen wären wir viel zu schwach. Wir können es uns von Gott allein schenken lassen. Genauso, wie wir uns das Leben nicht verdient haben, es uns nur schenken lassen konnten.

Da ist kein Trick dabei. Das ist kein Gewinnspiel mit doppeltem Boden. Es ist echt, es ist gute Nachricht, Evangelium.

Bei Gott ist es tatsächlich so, wie man es von früher her noch gewohnt ist. Da gibt es noch einen Hauptgewinn: das Leben, schon hier und dann in Ewigkeit. Es gibt ihn ganz umsonst und völlig ohne Hintergedanken. Und in Jesus Christus haben wir alle diesen Hauptgewinn bereits erhalten.

Amen.

(gehalten am 19./20. Mai 2007
in den Kirchen der Seelsorgeeinheit St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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