Predigten in der Osterzeit - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

5. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr C (Apg 14,21b-27)

In jenen Tagen kehrten Paulus und Bárnabas nach Lystra, Ikónion und Antióchia zurück. Sie sprachen den Jüngern Mut zu und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten; sie sagten: Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen. In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn, an den sie nun glaubten. Nachdem sie durch Pisídien gezogen waren, kamen sie nach Pamphýlien, verkündeten in Perge das Wort und gingen dann nach Attália hinab. Von dort fuhren sie mit dem Schiff nach Antióchia, wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten, der Gnade Gottes empfohlen hatte. Als sie dort angekommen waren, riefen sie die Gemeinde zusammen und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte. (Apg 14,21b-27)

Warum sieht da bloß immer alles so einfach aus?

Wenn man die Lesungen dieser Tage so hört, dann war das mit den Gemeindegründungen des Paulus das reinste Schaulaufen. Er kam, predigte, bekehrte ein paar Dutzend Leute, setzte Älteste ein und schwups zur nächsten Gemeinde...

Und die Apostel in Jerusalem bekehrten mal da ein paar Hundert, dort ein paar Tausend, als ob sie nur den Mund aufmachen mussten, und die Massen liefen ihnen nach.

Und als ob das alles nicht schon unglaublich genug wäre, heißt es dann auch noch an einer Stelle, dass die Gemeinden ein Herz und eine Seele gewesen seien.

Liebe Schwestern und Brüder,

ja, da kann man dann schon einmal neidisch werden.

Da schlägt sich unsereiner mit Bergen von Papier herum, quält sich durch Arbeitshilfen zur Konzeptionsentwicklung und Richtlinien für die Zielvereinbarungsgespräche, stolpert über Haushaltspläne, die vorne und hinten nicht deckungsfähig sind, versucht in den abgrundtiefen Löchern des Haushaltes nicht selbst zu versinken und dieselben - nämlich die Löcher - in unserem Kirchendach möglichst schnell zu stopfen, Da erprobt man jetzt schon das vierte Modell zur Firmkatechese, hangelt sich durch den Erstkommunionmarathon und ist schon überglücklich wenn überhaupt einmal ein neues Gesicht Zugang zur Gemeinde findet. - Diese Gemeinde aber ist, ob des täglichen Kleinkrieges, wer jetzt was zu sagen hat und wer wessen Anweisungen folgen muss, wer welche Aufgabe übernehmen darf und wer welchen Raum nicht nutzen kann, ein Herz und eine Seele, nur an jenen seltenen Tagen, an denen es schwarz schneit, oder Weihnachten mal zufällig auf den Ostersonntag fällt.

Da tragen die Texte aus der Apostelgeschichte nicht immer zur Hebung der Stimmung bei.

Es ist ja schon eher frustrierend, wenn man darauf blickt, wie wenig all das Mühen heute zu bewegen, wie leicht aber auf der andren Seite es damals doch gewesen zu sein scheint.

Aber darauf liegt dann auch schon die Betonung: auf dem "gewesen zu sein scheint!" Es scheint nämlich nur so. Wer genauer hinzusehen weiß, der wird recht bald entdecken, dass es damals gar nicht so viel anders zuging, als bei uns heute.

Von wegen ein "Herz und eine Seele". Unmittelbar nachdem dies von den ersten Christen gesagt worden ist, fallen Hananias und Saphira auf, weil sie eben nicht nur an andere sondern in erster Linie - nicht anders als es heute auch der Fall wäre - an sich selbst denken.

Und Paulus schreibt einen Brief nach dem anderen, nicht weil alles so großartig läuft, sondern voller Sorgen, weil es überall brodelt, die einen dies und die anderen jenes und am Ende alle etwas anderes sagen.

Dort gibt es Zoff mit den Autoritäten in Jerusalem, da gibt es Streit innerhalb einer Gemeinde und mitunter muss er sogar feststellen dass die Gottesdienste so unwürdig gehalten werden, dass die einen den Wein fürs Abendmahl schon regelrecht weggesoffen haben und betrunken sind, bevor die anderen überhaupt erst eintreffen.

Von wegen, damals war alles in Ordnung und alles lief wie am Schnürchen. Es war ganz offensichtlich kein bisschen besser als heute.

Aber das will die Apostelgeschichte ja auch nicht sagen. Sie will ja Menschen nicht frustrieren - ganz im Gegenteil.

Hier schreibt jemand für Menschen, denen es schon damals gar nicht anders gegangen ist, als uns heute. Hier schreibt jemand denen, die sich damals genauso vergeblich mühten, wie wir das gemeinhin tun. Und er schildert einen Triumphzug des Evangeliums durch die gesamte Welt.

Die Apostelgeschichte schildert einen Weg beginnend in der unbedeutenden Provinzhauptstadt Jerusalem bis hin in den damaligen Mittelpunkt der Welt, die Hauptstadt des Reiches, die Metropole Rom. Und der Text endet - nein, nicht mit dem Martyrium der Apostel Petrus und Paulus - die Apostelgeschichte endet mit dem Blick darauf, dass die Botschaft vom Auferstandenen in der Weltöffentlichkeit angelangt ist, alle Grenzen gesprengt hat und nicht mehr aufgehalten werden kann.

Der letzte Satz der Apostelgeschichte macht dies überdeutlich. Er lautet:

"Paulus verkündete das Reich Gottes und die Lehre über den Herrn Jesus Christus mit allem Freimut ungehindert."

Und da ist jedes Wort mit bedacht gewählt, ganz besonders das letzte. Das letzte Wort der Apostelgeschichte lautet "ungehindert". Und genau darauf liegt der Akzent.

Es klappt trotzdem! Trotz all der Schwierigkeiten, trotz der Drangsal, von der Paulus in der heutigen Lesung ja spricht, trotz Verfolgung und allen Unzulänglichkeiten: Es klappt trotzdem. Denn das Evangelium ist nicht aufzuhalten.

Genau das will die Apostelgeschichte deutlich machen. Es gibt keinen Grund frustriert auf die Unbillen der Gegenwart zu schauen. Es gibt keinen Grund, mutlos zu werden und die Flinte ins Korn zu werfen.

Den Glauben weiterzugeben, die Nachfolge Christi zu leben, war zu allen Zeiten schwer. Aber das ändert nichts daran, dass es dennoch klappt.

Auch wenn wir den Erfolg unseres Mühens nicht sehen und unsere Kirchenheizungen noch so marode sein mögen, unsere Kassen so leer und unsere Gemeinden so, wie sie nun einmal sind - die Botschaft vom Auferstandenen, das Evangelium Jesu Christi, Jesus Christus selbst ist nicht aufzuhalten.

Das und nichts anderes will uns die Apostelgeschichte wie in einem großartigen Gemälde ganz deutlich vor Augen führen. Jesus Christus ist nicht aufzuhalten. Er erreicht die Herzen der Menschen und seine gute Nachricht bricht sich ihre Bahnen. Denn er selbst sorgt dafür, dass diese gute Nachricht auf immer neue Art und Weise unter die Menschen kommt. Er selbst verkündet und zwar ungehindert.

Amen.

(gehalten am 5. Mai 2007 in der Peterskirche, Bruchsal)

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