Predigten in der Osterzeit - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

4. Sonntag der Osterzeit - Lesejahr C (Joh 10,27-30)

In jener Zeit sprach Jesus: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins. (Joh 10,27-30)

Wenn dem so ist, dann ist der Papst ein Schaf! Und unser Bischof ist dann auch ein Schaf, durchaus ein intelligentes Schaf, aber nichtsdestoweniger ein Schaf!

Liebe Schwestern und Brüder,

Jesus spricht im heutigen Evangelium von seiner Herde, und von seinen Schafen, aber er erwähnt dabei mit keinem Wort irgendwelche Hirten. Er spricht davon, dass die Schafe auf seine Stimme hören und dass sie ihm folgen. Offensichtlich ist er der Hirt, und so wie dieses Bild hier von ihm ausgemalt wird, tauchen da keine anderen Hirten auf. Jesus Christus ist der Hirt, und alle, die auf seine Stimme hören und die ihm folgen, das sind seine Schafe. Sie, ich, unser Bischof und der Papst - alles Schafe in dieser Herde, denn Hirt ist Jesus Christus selbst.

So gefällt mir dieses Bild!

Normalerweise wird es ja etwas anders verwendet. Da sind die Gläubigen die Schafe und die Pfarrer und die Bischöfe die Hirten, die diese Herde dann zu führen haben. Einige wenige also, die das Ziel kennen, die darum wissen, was gut für die Herde ist und was nicht, und viele Hunderte, die halt als Schafe ihren Hirten zu folgen haben.

Kein Wunder, dass dieses Bild immer mehr auf Ablehnung stößt. So dumm, so wenig selbständig, sind die Schafe in dieser Herde schließlich nicht. Kein Wunder, dass der Widerstand immer größer wird, wenn es darum geht, sich einfach von anderen, beinahe bedingungslos führen zu lassen. So gut, so selbstlos und so zielsicher sind die, die man in unserer Kirche Hirten nennt, ja nun auch wieder nicht. Da geht es viel zu oft, um vieles, nur nicht um die Sache Jesu. Da spielen viel zu häufig Karriere und Macht und Einfluss eine Rolle. Es menschelt halt auch in unsrer Kirche viel zu stark. Und was die Medien dann immer wieder an das Tageslicht zerren, das zerstört darüber hinaus noch einmal Stück für Stück das hehre Bild der vielen guten Hirten dieser Kirche.

Da ist das heutige Evangelium richtiggehend wohltuend. Jesu Stimme ist es, ihm gilt es zu folgen, er selbst ist Hirte seiner Herde. Das macht mir dieser Text deutlich.

Ich bin kein Hirte, ich bin Schaf, genau wie sie, genau wie alle anderen. Hirte ist Jesus. Ich bin dann vielleicht so etwas wie ein Leithammel, und unsere Bischöfe dann eben auch. Und vielleicht gehören so manchem von uns, deshalb auch manches Mal die Hammelbeine langgezogen. Das ist bei Hammeln eben so.

Man braucht sie, es gibt keine Herde, die ohne Leithammel auskommt. Leithammel sind unheimlich wichtig. Aber auch der Leithammel braucht den Hirten, gerade er muss auf ihn hören, muss sich von ihm immer wieder auf den richtigen Weg zurückführen lassen, gefallen lassen, dass der Hirte korrigierend eingreift, und gerade den Leithammel so ab und an mit seinem Stab traktiert. Es braucht diese Hammel, aber sie sind nicht die Hirten, und sie dürfen sich deshalb auch nicht als etwas besseres aufspielen. Auch die Hammel sind nur Schafe, Schafe in der einen Herde Jesu Christi.

Und wenn wir alle Schafe sind, dann hab' ich auch kein Problem damit, ein Schaf zu sein, in Jesu Herde, wenn Jesus selbst der Hirte ist, dann bin ich gern ein Schaf, denn menschlichen Hirten, denen trau ich nicht, wenn Jesus selbst der Hirte ist, dann weiß ich aber, dass ich getrost und ohne Frucht ganz einfach sagen kann:

"Dein Wille soll geschehen, denn deiner Führung kann ich traun!"

Amen.

(gehalten am 2./3. Mai 1998 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

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