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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Spanisch-Button Begleitheft zum Amos-Prozess

Weiter-Button Zurück-Button Montag, 13. Juli (Amos 8,11-14)

Sprich nur ein Wort

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 11 Seht, es kommen Tage - Spruch Gottes, des Herrn -, da schicke ich den Hunger ins Land, nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst nach Wasser, / sondern nach einem Wort des Herrn. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 12 Dann wanken die Menschen von Meer zu Meer, / sie ziehen von Norden nach Osten, um das Wort des Herrn zu suchen; / doch sie finden es nicht. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 13 An jenem Tag werden die schönen jungen Mädchen / und die jungen Männer ohnmächtig vor Durst, Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 14 alle, die beim Götzenbild von Samaria schwören und sagen: So wahr dein Gott lebt, Dan, / so wahr dein Geliebter lebt, Beerscheba!, sie werden zu Boden stürzen / und sich nicht mehr erheben.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Die Einführungsformel "Seht, es kommen Tage", die wir aus dem Jeremiabuch kennen, kommt bei Amos sonst nicht vor, sie ist also vermutlich später hinzugefügt worden.

Das Verlangen nach Gottes Wort wird mit dem Hunger nach den wichtigsten Lebensmitteln - Wasser und Brot - verglichen. In 7,16 wollte Amazja das Wort Gottes nicht hören. Jetzt verachtet man das Prophetenwort offensichtlich nicht mehr wie bei der Ausweisung des Propheten, sondern sucht es als lebensspendendes Wort. Jetzt aber ist es nicht mehr zu finden.

In Amos 5,2 war die Rede davon, dass die Jungfrau Israel fällt und nicht mehr aufsteht. Die Verse 13-14 erklären dieses Bild. Das Verdursten - hier wieder im eigentlichen Sinn - ist als einer der Aspekte der Endkatastrophe herausgegriffen. Als Schuld wird der götzendienliche Kult von Samaria, Dan und Beerscheba angesehen. Die Menschen sind von Jahwe abgefallen. Sie haben bei anderen Göttern geschworen und sich damit zu diesen bekannt. Diese Kritik passt nicht so recht zum sonstigen Amosbuch, sondern ist eher bei Hosea zu finden.

Amos 13-14 wird deshalb ganz allgemein als Text aus dem Kreis der Jünger und Schüler des Propheten betrachtet. Das Neue Testament nimmt die Übertragung von Hunger und Durst auf das sehnsüchtige Verlangen nach Gottes Offenbarungswort wieder auf. So heißt es bei Matthäus 4,4: "Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt."

Vor- und nachgedacht...

Hunger nach Deinem Wort,
das Leben spendet
Wo verbirgst Du Dich?
Wo kann ich Dich finden?

Sprich nur ein Wort
und meine Seele
wird gesund

Gertrud Willy

Lust auf mehr?

Wie viele Lebensmittel in Deutschland weggeworfen werden, ...

... ist von keiner Statistik erfasst. Das Institut für Abfallwirtschaft der Universität für Bodenkultur in Wien hat für Österreich ermittelt, dass Lebensmittel für rund 390 Euro pro Haushalt und Jahr im Müll landen. Darunter sind vor allem originalverpackte Milchprodukte, Eier, Fleisch, Gemüse, Obst, Backwaren und Süßes. Wenn in Deutschland ähnlich viel weggeworfen wird, käme die Summe von 15 Milliarden Euro im Jahr zusammen - rund zehn Prozent des jährlichen Lebensmittel-Umsatzes.

Erika Kerstner

Ein Wort oder ein Wort

Unmittelbar vor der Kommunion sprechen wir in etwas abgewandelter Form die berühmten Worte des Hauptmanns von Kapharnaum: "Herr ich bin nicht würdig, dass Du eingehst unter mein Dach, aber... " - und ich möchte wetten, dass 80% nun fortfahren: - "... aber sprich nur ein Wort..."

Das aber ist falsch. Dem Hauptmann von Kapharnaum war es egal, ob Jesus eins, zwei oder zehn Worte gesagt hätte. Die ausführliche Erklärung, die er selber seiner Bitte folgen lässt, macht deutlich, Jesus soll ein Wort sagen, ein Machtwort, ein Wort, das gleich einem Befehl, dem Leiden seines Knechtes ein Ende macht. Sprich ein Machtwort, du kannst es doch!

Das ist der Sinn dieser Bitte des Hauptmannes und das ist auch der Grund, warum Jesus diesen Mann ausdrücklich lobt. Dieser Hauptmann hat Vertrauen in Jesu Wort, er glaubt daran, dass Jesu Worte mehr sind, als bloßes Geplapper, dass sein Wort ein gewichtiges Wort ist. Er hat begonnen, daran zu glauben, dass dieses Wort mehr ist, als bloßes Menschenwort, dass es ein wirkmächtiges Wort ist - Gottes Wort.

Insgeheim drückt diese Szene genau das aus, was im Jesajabuch als Gotteswort begegnet: "Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, wie er dann dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will, und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe." (Jesaja 55,10)

Der Hauptmann von Kapharnaum hatte begonnen, an dieses Wort Gottes in Jesus Christus zu glauben, und er bittet in diesem Abschnitt des Evangeliums genau um dieses mächtige Wort. Für all die Menschen, die damals um Jesus herumstanden, für all die, die hörten, was er zum Hauptmann sprach, klang dieses "Geh, es soll geschehen!" vermutlich völlig unglaublich - der Hauptmann von Kapharnaum hat es erfahren, denn in der selben Stunde wurde sein Knecht gesund.

Jörg Sieger, aus einer Predigt zum 2. Adventssonntag im Lesejahr B

Noch mehr Infos

Gott selbst wird als Verursacher des Hungers nach einem Wort Gottes dargestellt (Vers 11). Die ungewöhnliche Kombination der Himmelsrichtung "von Norden nach Osten" statt "von Norden nach Süden" zeigt in Vers 12, dass die Autoren die Deportationen nach Osten im Blick haben.

Der Vergleich des Wortes Gottes mit Wasser und Brot kommt sonst nur in der deuteronomistischen Predigt vor (Deuteronomium 8,3). Es könnte demnach ein Nachtrag der Amosschule sein.

Die Anklage in Vers 14 gilt zwei unterschiedlichen Gruppen; zum einen denen, die bei den Götzenbildern Samarias schwören. Wer nämlich bei einem Gott schwört, gibt zu erkennen, dass er an diesen Gott glaubt. In der Hauptstadt des Nordreichs gab es nach H. W. Wolff vermutlich ein offizielles Heiligtum des kanaanäischen Götterpaares Baal und Aschera. Amos selbst jedoch hat sich - anders als Hosea - nie mit den Fremdgöttern befasst. Hier dürfte also die Amos-Schule schreiben.

Die Amos-Schule hatte es nämlich mit einer anderen Problematik zu tun als Amos zur Zeit seines Auftretens in Nordisrael. Inzwischen nämlich war es in Nordisrael - dem kanaanäischen Denken verpflichtet - üblich geworden, auch an den Jahwe-Heiligtümern den einen Gott Jahwe in einzelne Schutzpatrongottheiten aufzuspalten. Diese Schutzpatrongottheiten waren dann mit je unterschiedlichen "Zuständigkeiten" an den Jahwe-Heiligtümern in Samaria, Dan und Beerscheba anzutreffen. Das Aufspalten des Einen Gottes in viele Götter mit je eigener Aufgabe ist kanaanäisch-heidnisches Denken. Es widerspricht dem, was Israel im Laufe seiner Geschichte von Jahwe bislang hatte erkennen können. Darauf macht H. W. Wolff aufmerksam.

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