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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Tagebuch des Amos-Prozesses

Weiter-Button Zurück-Button Kirche im Exil – Den Schatz suchen und finden

18. Juli 2009 - 11:07 Uhr

Impressionen aus der Kleingruppe

Die Kleingruppe hat sich mit einem Interview mit dem Theologen Fulbert Steffensky auseinander gesetzt. Dass wir in der Entwicklung zu einer "Kirche im Exil" stehen, ist uns seit langem vertraut. Auf manches, was dem einen oder der anderen lieb war, muss verzichtet werden. Im Gespräch wurden jedoch auch die Chancen sichtbar, die sich in dieser Entwicklung auftun. Einige konnten wir benennen:

Für den Einzelnen ist es eine Entlastung, wenn eine Institution, eine Gruppe von Menschen den "Schatz an Geschichten" bewahrt und weitergibt, den uns das Evangelium des Alten und Neuen Testamentes anbietet. Diese Geschichten beharren auf dem Recht der Schwachen und Armen und sie sprechen die Sprache des Trostes und der Hoffnung. Es wäre ein großer Verlust, wenn sie verloren gingen. Menschen, die nicht durch Gesetze oder soziale Kontrolle gezwungen sind, sich vielmehr diesem Evangelium freiwillig und froh aussetzen, werden lernen und sich in die Lage versetzen, ihre Welt aus der Sicht der Armen und Schwachen zu sehen.

Einig waren wir uns, dass der Verlust an Einfluss und Macht, den die Großkirchen zu verzeichnen haben, die Chance in sich birgt, aufmerksamer zu werden für das Evangelium, das zuerst den Menschen am Rande gilt. Eine arme und eine einflusslose Kirche kann glaubwürdiger werden und die Neugier wacher Menschen wieder wecken.

Wenn Christinnen und Christen – zusammen mit vielen Menschen z.B. in den NGO’s – sich für die Menschenrechte einsetzen, dann können sie nicht nur Argumente einbringen. Sie bringen zugleich Geschichten, Lieder, innere Bilder und den Erfahrungsschatz der Toten mit. Wieder einmal wurde uns deutlich, dass wir diese spirituelle Verankerung brauchen, wenn wir den langen Atem haben wollen, der im Interesse der Armen und Schwachen am Rande nötig ist. Und noch einmal wurde klarer, dass es unsere ureigene Sache ist, uns miteinander diesen Schatz vertraut(er) zu machen.

Schließlich beschrieb Steffensky den Skandal der getrennten Kirchen sehr pointiert: "Machen Sie mal jungen Menschen klar, warum sie nicht miteinander das Brot nehmen sollen, wenn rundherum die Welt brennt!" Da konnten wir nur zustimmen.

Unser Gespräch war an mehreren Stellen – nicht nur in der Frage der Unglaubwürdigkeit getrennter Kirchen – von der Erkenntnis durchzogen, dass die Hörsamkeit auf das Evangelium manchmal einhergehen muss mit dem Ungehorsam gegenüber menschlichen Setzungen, sofern sie Menschen nicht hilfreich sind.

(Erika Kerstner)

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