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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Spanisch-Button Begleitheft zum Amos-Prozess

Weiter-Button Zurück-Button Dienstag, 9. Juni (Amos 1,9-10)

Missachteter Bruderbund

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 9 So spricht der Herr: Wegen der drei Verbrechen, die Tyrus beging, / wegen der vier nehme ich es nicht zurück: Weil sie Verschleppte scharenweise an Edom auslieferten / und nicht mehr an den Bund mit ihren Brüdern dachten, Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 10 darum schicke ich Feuer in die Mauern von Tyrus; / es frisst seine Paläste.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Der Spruch gegen Tyrus gleicht dem gegen die Philister aus Amos 1,6-8. Als Feind Israels wird Tyrus im Alten Testament sonst erst vom 6. Jh. an genannt. Diese beiden Verse sind also eventuell ein Nachtrag aus dieser Zeit, der unter dem Eindruck der Deportation ins Babylonische Exil in das Amosbuch eingetragen wurde. Dafür spricht auch, dass das hebräische Wort, das hier für Exil verwendet wird, ausschließlich im Zusammenhang des Babylonischen Exils vorkommt.

Zwischen Israel und Tyrus gab es sehr alte Beziehungen. Tyrus war eine phönizische Handelsstadt am Mittelmeer. Schon König David hatte mit den Phöniziern Handel getrieben. Der phönizische König Hiram I. von Tyrus lieferte König Salomo Baumaterial und Fachleute für den Palast- und Tempelbau und sie verfügten gemeinsam über eine Seeflotte. Aus der Freundschaft zwischen David und seinem Sohn Salomo mit dem phönizischen König entwickelte sich ein offizielles Bündnis zwischen Israel und Tyrus (1 Könige 5,26). Zu Amos' Zeit, also 760 v. Chr., war Tyrus immer noch befreundeter Handelspartner Nordisraels.

587 v. Chr. trat Tyrus zur Zeit der Herrschaft des Babyloniers Nebukadnezzar als Feind Judas in Erscheinung. Nebukadnezzar verschleppte die Bevölkerung Judas ins Babylonische Exil. Zur selben Zeit fiel auch Edom plündernd in Juda ein. Tyrus verkaufte Menschen, die im phönizischen Territorium Asyl suchten, an die Edomiter und baute dieses Geschäft mit Hilfe der babylonischen Eroberer sogar noch weiter aus. Juda wurde also Opfer von Tyrus, mit dem es lange Handelsbeziehungen gab, und es wurde Opfer der Edomiter, mit denen es stammesverwandt war. Die Edomiter galten nämlich als die Nachfahren des Jakobbruders Esau.

Der Verfasser wirft demnach Tyrus vor, dass es sich mit Hilfe der Babylonier massiv am Sklavenhandel beteiligt hat. Der Verstoß gegen den Bruderbund dürfte so zu verstehen sein, dass das alte Bündnis zwischen Salomo und Hiram, dem damaligen König von Tyrus, missachtet wurde.

Zur Formulierung "Wegen der drei... wegen der vier" siehe zu Amos 1,3-5 (Erklärung zum Sonntag, 7. Juni.)

mehrere Säulen

Überreste einer antiken Stadt

Foto: Ursula Groß

Vor- und nachgedacht...

Die International Labour Organisation (ILO) veröffentlichte 2005 die Studie "Eine globale Allianz gegen Zwangsarbeit". Dort werden weltweit jährlich schätzungsweise 2,4 Millionen Frauen, Männer und Kinder benannt, die Opfer von Menschenhandel sind. In Europa werden jährlich ca. 500.000 Frauen Opfer von Zuhältern und Menschenhändlern. Sie kommen aus Osteuropa, Asien oder Afrika.

Die Gewinne aus allen Formen der Zwangsarbeit liegen jährlich weltweit bei 32 Milliarden US-Dollar.

Spitzengewinne sind zu erwirtschaften mit der sexuellen Ausbeutung einer Frau in den Industrieländern. So erbringt eine Zwangsarbeiterin, die sexueller Ausbeutung ausgeliefert wird, schätzungsweise einen Gewinn von durchschnittlich 67.200 US-Dollar. Und dies Jahr für Jahr (Seite 66 der genannten Studie).

Auf der Nachfrageseite wurden 175 Kunden von Prostituierten u. a. in Japan, Italien und Schweden, befragt. Die Hälfte der Befragten gab an, dass sie zur Polizei gingen, wenn sie auf eine unfreie Prostituierte, die Opfer von Menschenhandel ist, stoßen. Die andere Hälfte der Kunden würde nicht zur Polizei gehen. Andere Kunden berichteten von ihrer Präferenz für unfreie Prostituierte, weil diese gefügiger seien (Seite 61 der genannten Studie).

Erika Kerstner

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Jenseitsvertröstung

Es klingt gut, dass den Armen das Reich Gottes gehört. Was aber hilft dem Armen das Reich Gottes, wenn er jetzt Hunger hat? Soll ich dem Obdachlosen, der an der Tür klingelt und ein paar Mark möchte, sagen: "Selig bist Du, wenn Du jetzt nichts hast, denn Dir gehört das Reich Gottes!" Ich glaube nicht, dass ihm das helfen würde, geschweige denn, dass er damit zufrieden wäre.

Die Botschaft vom Reich Gottes ist häufig kein Trost. Oft klingt sie wie eine billige Vertröstung. Will uns Gott aber nur vertrösten?

Der Gott der Bibel vertröstet nicht! Als Israel versklavt war, hat er nicht gesagt: "Haltet aus und wartet ab!" Er hat dazu aufgerufen, alles Menschenmögliche zu tun. Und er führte sein Volk in das Land, in dem Milch und Honig fließen. Dieser Weg führte zugegebenermaßen durch die Wüste. Um die kommen wir offensichtlich nicht herum. Es gibt die Wüste im Leben und wir sind noch nicht im gelobten Land. Aber wenn wir nicht sitzen bleiben, sondern aufbrechen und uns von Gott führen lassen, dann sind wir auf dem besten Weg dorthin.

Jörg Sieger, aus: Lichtblick im Alltag

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