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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Spanisch-Button Begleitheft zum Amos-Prozess

Weiter-Button Zurück-Button Freitag, 3. Juli (Amos 6,3-6)

Faulenzer, Säufer und Gröler

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 3 Ihr, die ihr den Tag des Unheils hinausschieben wollt, / führt die Herrschaft der Gewalt herbei. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 4 Ihr liegt auf Betten aus Elfenbein / und faulenzt auf euren Polstern. Zum Essen holt ihr euch Lämmer aus der Herde / und Mastkälber aus dem Stall. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 5 Ihr grölt zum Klang der Harfe, / ihr wollt Lieder erfinden wie David. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 6 Ihr trinkt den Wein aus großen Humpen, / ihr salbt euch mit dem feinsten Öl / und sorgt euch nicht über den Untergang Josefs.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Der hier angesprochenen Bevölkerungsschicht ist das Beste gerade gut genug. Sie schlafen in Betten aus Elfenbein. Sie lungern auf ihren Sofas herum, sie lassen sich hängen. Das hebräische Wort, das in Vers 4 für "liegen" verwendet wird, wird sonst nicht für Menschen sondern für schlaff überhängende Teppiche benutzt. Der übermäßige Weinkonsum wirft sie um. Sie essen das kostbarste Mastvieh. Sie nutzen die feinsten Öle als Parfüm und zur Körperpflege. Sie erfinden neue Lieder und grölen sie. Dass nebenbei Josef (= das Volk Israel) untergeht, kümmert sie nicht. Amos nennt damit als Grundschuld Selbstsicherheit und Rücksichtslosigkeit. Er rügt dabei nicht nur den ausschweifenden Luxus, sondern vor allem seine Ermöglichung: die Ausbeutung der sozial Schwachen.

Der Grundtenor von Amos 6,1-7 ist im Neuen Testament aufgenommen (Lukas 12,13-21; 16,19-31; 6,24). Die Bibel propagiert zwar keine klassenlose Gesellschaft, aber sie betont, dass auf dem Eigentum eine soziale Hypothek liegt. Eigentum verpflichtet zum sozialen Handeln, das ist Gottes Gebot. Dieses Gebot wird von Gott geschützt und zwar unter Androhung unerbittlicher gerichtlicher Sanktionen.

Vor- und nachgedacht...

Solange wir den Erfolg unseres Wirtschaftens am Gewinn messen, solange wird es keinen wirklich christlichen Geist in unserem Wirtschaften geben: denn solange wird es Unternehmen geben, die positive Bilanzen einfahren, aber Arbeitsplätze abbauen. Und solange wird es Chefetagen geben, die die Bodenhaftung dermaßen verloren haben, dass Abfindungen in Millionenhöhe als völlig normal gelten. Solange Gewinn als oberstes Prinzip des Handelns gilt, solange werden ein paar wenige ganz oben stehen - fast alles einheimsen -, während der große Rest ganz einfach in die Röhre schaut.

Wenn einige gewinnen, dann heißt das immer, dass andere verlieren und auf der Strecke bleiben. Dagegen aber ist schon vor zweitausend Jahren jener Jesus von Nazaret ganz massiv aufgestanden. Gewinn und Wachstum sind nämlich keine Kategorien der Bibel.

Nach biblischen Maßstäben heißt erfolgreich zu wirtschaften nicht Gewinn einzustreichen Nach biblischen Maßstäben habe ich erfolgreich gewirtschaftet, wenn alle versorgt sind. Und ein Wirtschaftssystem, eine Gesellschaft, die von sich behaupten möchte auf dem Boden der Bibel, des Christentums und der vielbeschworenen christlichen Werte zu stehen, kann einzig und allein eine solche genannt werden, wenn am Ende wirklich alle versorgt sind.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 01. August 2004

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Der Hinweis auf den Zusammenbruch Josefs setzt wieder die Situation von 738 v. Chr. bis 733 v. Chr. voraus. Für das Nordreich wird die politische Lage immer prekärer. Schon ist Israel den Assyrern tributpflichtig. Der Verlust des Staatsgebietes droht. 733 v. Chr. wird er Wirklichkeit. Aber er kümmert die höfischen und militärischen Beamten und die Großgrundbesitzer nicht. Sie sind mit der Befriedigung ihrer Maßlosigkeiten beschäftigt.

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