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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

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Weiter-Button Zurück-Button Sonntag, 28. Juni (Amos 5,12-15)

Sucht das Gute

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 12 Denn ich kenne eure vielen Vergehen / und eure zahlreichen Sünden. Ihr bringt den Unschuldigen in Not, / ihr lasst euch bestechen / und weist den Armen ab bei Gericht. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 13 Darum schweigt in dieser Zeit, wer klug ist; / denn es ist eine böse Zeit. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 14 Sucht das Gute, nicht das Böse; / dann werdet ihr leben und dann wird, wie ihr sagt, / der Herr, der Gott der Heere, bei euch sein. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 15 Hasst das Böse, liebt das Gute / und bringt bei Gericht das Recht zur Geltung! Vielleicht ist der Herr, der Gott der Heere, / dem Rest Josefs dann gnädig.

Manfred Rieger liest den Lesungstext

Dies war der Lesungstext für den Gottesdienst am 26. Juli.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Alles, was Amos Samaria - also dem Nordreich Israel - vorwirft, wird kurz darauf vom Propheten Jesaja dem Südreich vorgehalten werden. Amos und Jesaja verkünden genau den selben Gott, dessen Anliegen zuallererst die soziale Gerechtigkeit darstellt.

5,13 passt nicht zum sonstigen Stil des Amos, es klingt als wäre dieser Vers zu einer späteren Zeit eingefügt: als Samaria 722 v. Chr. unterging? Oder beim Untergang Jersusalems 586 v. Chr.?

In Vers 14 spricht Amos wie in Amos 5,4-6 von der Abwendung der Katastrophe. Sie ist möglich. Man muss dazu nur Jahwe suchen. Was das bedeutet, sagt der Prophet jetzt ganz konkret: es geht um das Gute im ethischen Sinne. Das Gute lieben und das Böse hassen heißt, es geht um eine wirkliche innere Entscheidung. Dies muss aber Konsequenzen haben, sprich konkret spürbar sein. Es geht um mitmenschliche Gerechtigkeit und vor allem um das Recht bei Gericht.

Gutes zu tun eröffnet vielleicht dem Rest Josefs - also dem Teil des Volkes, der das Strafgericht überstehen wird - die Chance, dass Jahwe ihm gnädig ist. Die Mehrheit kehrt nicht um, das scheint für Amos klar zu sein. Wenn der Prophet davon spricht, dass Gott nur vielleicht barmherzig ist, ist das ein Hinweis darauf, dass Gottes Erbarmen keinen Automatismus bedeutet. Die Strafe ist verdient. Wenn sich Gott erbarmt, dann auf Grund seiner Barmherzigkeit.

Vor- und nachgedacht...

Was ist Gerechtigkeit?

Wegen "Kunstfehlern" entlassen

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Zeitungsmeldungen vom Februar 2008

Lust auf mehr?

Die andere Gerechtigkeit

"Wenn der in den Himmel kommt, dann will ich nicht dorthin!" hört man ab und an, angesichts jener Haderlumpen, die sich ein Leben lang einen Dreck um andere kümmern. Irgendwann müssen solche Menschen doch auch auf die Nase fallen. Und wenn schon nicht in diesem Leben, dann soll es wenigstens im Jenseits der Fall sein.

Aber hoffen wir denn wirklich, dass Gott am Ende alles fein säuberlich aufrechnet? Soll er das denn auch bei uns tun? Was aber, wenn er dann genau auf das Wert legt, was uns gar nicht so wichtig war?

Ich bin froh, dass Jesus ganz deutlich sagt, dass Gott nicht so ist. Er ist kein Krämer, der über uns Buch führt. Allen Arbeitern in seinem Weinberg gibt er gleichen Lohn, auch denen, die nur noch ein paar Minuten gearbeitet haben (Matthäus 20,1-16). Gott durchbricht das Leistungsdenken.

Es gibt dann nur ein Problem: Ich muss eben damit rechnen, dass die, die in letzter Minute den Bogen bekamen, am Ende genauso dastehen wie ich selbst. Gott ist eben barmherzig. Hoffentlich sind am Ende nicht wir es, die unbarmherzig bleiben!

Jörg Sieger, aus: Lichtblick im Alltag

Noch mehr Infos

Vers 14-15 wird von manchen Alttestamentlern wie etwa Hans Walter Wolff für einen Zusatz späterer Zeit gehalten. Dann würden in Vers 14 Menschen zitiert, die dem Prophetenschüler - vielleicht zur Zeit des Assyrer-Einmarsches im Nordreich - entgegenhalten, dass Jahwe doch seinen Beistand im "heiligen Krieg" zugesagt habe. Sie wiederholen die alte Parole "Gott mit uns!", ohne sich selber zum Einhalten des Rechtes verpflichtet zu sehen. Der Prophetenschüler tritt dieser Anspruchshaltung entgegen und bindet die Zusage des Mit-Seins Jahwes an das Aufrichten des Rechtes im Tor.

Vers 15 setzt voraus, dass es im "Haus Josefs" nur noch einen Rest gibt. Es ist also wohl bereits zu Verlusten im Nordreich gekommen. Schon 733 v. Chr. hatte Tiglat-Pileser das Nordreich (mit Ausnahme der Stadt Samaria und des Gebirges Ephraim) eingenommen und die assyrischen Provinzen Dor, Megiddo und Gilead daraus gemacht. An diesen Fakten konnten auch die großen Verharmloser nicht vorbeigehen.

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