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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Gottesdienst ist Menschendienst

Mittwoch, 1. Juli 2009, St. Anton

Der Anfang des Gottesdienstes zum Anhören (35:29 min):

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Einzug in die Antoniuskirche: Pfarrgemeinderatsvorsitzender Gondulf Schneider, Pfarrerin Gudrun Luise Helm,
Pfarrer Jörg Sieger, die Ministrantinnen Mareike Ritter und Lena Knapp.

Anspiel

Pfarrgemeinderat von Allerweltsheim.

Frau Wichtig kommt durch den Haupteingang mit Mikrofon in der Hand in die Kirche. Sie begrüßt einzelne (drei/vier) Gottesdienstbesucher und fragt nach dem Grund warum sie hier sind und was für eine Art Gottesdienst sie besonders mögen und was für eine Art Gottesdienst sie sich wünschen würden.

Frau Wichtig hat den Altarraum erreicht, in dem sie schon von mehreren Personen (Mitglieder des Gemeindeausschusses von Allerweltsheim) erwartet wird.

Auf einem Overheadprojektor wird die Tagesordnung an die Wand projeziert:

TOP 1 Warum kommen heute immer weniger Menschen in unsere Kirchen?

Überlegungen zu den verschiedenen Gestaltungsformen unserer Gottesdienste.

TOP 2 Einweihung der Kauflandschaft in der Innenstadt mit kirchlichem Segen

TOP 3 Pfarrfeste sollen sie ein Fest der Begegnung sein oder ist ein guter Erlös wichtig zur Finanzierung der notwendigen Anschaffungen?

TOP 4 Jugendevent im Dom. Rockkonzert mit den Xanthippen

TOP 5 Diskussion: Welche Musik ist in welcher Kirche erlaubt?

TOP 6 Erstkommunion: die Eltern von Ixlein fragen nach der genauen Uhrzeit für das Ende des Gottesdienstes, da das Kind mit einer Pferdekutsche abgeholt wird und das Essen genau terminiert ist.

TOP 7 Firmung: sollen Jugendliche persönlich zur Firmvorbereitung eingeladen werden? Was für ein Klientel lädt man sich dabei ein?

TOP 8 Verschiedenes

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Der "Pfarrgemeinderat von Allerweltsheim"

Frau Wichtig begrüßt die anderen Mitglieder und eröffnet die Sitzung und entschuldigt die fehlenden (in diesem Fall männlichen) Mitglieder. Schriftführerin Frau Nörgel verliest die Tagesordnung.

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Pfarrerin Gudrun Luise Helm

Der Lesungstext

Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie / und kann eure Feiern nicht riechen. Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, / ich habe kein Gefallen an euren Gaben / und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen. Weg mit dem Lärm deiner Lieder! / Dein Harfenspiel will ich nicht hören, sondern das Recht ströme wie Wasser, / die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. Habt ihr mir etwa Schlachtopfer und Gaben dargebracht / während der vierzig Jahre in der Wüste, / ihr vom Haus Israel? Ihr werdet (den Gott) Sakkut als euren König vor euch hertragen müssen / und den Kewan, euren Sterngott, / eure Götter, die ihr euch selber gemacht habt. Ich will euch in die Gebiete jenseits von Damaskus verbannen, / spricht der Herr; / Gott der Heere ist sein Name. (Amos 5,21-27)

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Pfarrerin Gudrun Luise Helm und Pfarrer Jörg Sieger

Dialogpredigt zwischen Pfarrerin Gudrun Luise Helm und Pfarrer Jörg Sieger

(Hier bricht der Gottesdienst-Tonmitschnitt leider ab. Der Rest der Predigt wird deshalb zusammenfassend als Gedächtnisprotokoll wiedergegeben:)

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Das ist entscheidend, nicht die Zahl der Gottesdienstteilnehmer.
Wir zählen, wir rechnen, und wir stehen dabei in der Gefahr uns ganz gewaltig zu verrechnen. Das fängt schon damit an, was wir unter Gottesdienst verstehen. Wir meinen damit, ein verdienstvolles Werk zu vollbringen, Gott gegenüber einen Dienst zu leisten. Als ob wir Gott etwas zu geben in der Lage wären. Im Psalm 50 heißt es: "Hätte ich Hunger, ich bräuchte es Dir nicht zu sagen, denn mein ist die Welt und was sie erfüllt." Gott braucht doch nichts von uns. Wir können ihm doch nichts geben, was er nicht schon längst hätte. Wir vergessen immer wieder, dass es beim Gottesdienst nicht um unseren Dienst an Gott geht. Gottesdienst ist Gottes Dienst an uns!

Es geht Gott nie um sich. Es geht ihm immer um die Menschen: um uns.
Deshalb müssen unsere Gottesdienste auch so sein, dass sie Menschen gut tun, dass sie uns gut tun, dass wir spüren, dass sie die Gemeinschaft aufbauen, dass sie unser Leben bereichern, dass wir gestärkt werden und Orientierung finden, die wir für unser Leben brauchen. Der Gottesdienst ist um unsretwillen da, nicht um Gottes Willen.

Und der eigentliche Dienst, zu dem wir gerufen sind, ist der Dienst an den Mitmenschen. Das ist der wahre Gottesdienst. Denn Gottesdienst ist Menschendienst. Und deshalb hat die Frau, die ihre kranke Mutter pflegt an jedem einzelnen Tag sehr viel mehr Gottesdienst, als würde sie jeden Sonntag zur Kirche kommen. "Was Ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt Ihr mir getan!"

Und noch eines ist da, was unsere Art Gottesdienst zu feiern, in ein ganz schlechtes Licht rückt. Da feiern wir hier und 200 Meter weiter in Paul-Gerhardt, und das manchmal sogar gleichzeitig, so dass die Glocken uns wechselseitig stören. Wir feiern gleichzeitig, aber nicht miteinander. Und dabei hat Jesus doch klar gesagt: "Ich will, das Ihr eins seid." So eins sollen wir sein, wir der Vater und er eins sind.
Das ist Gottes Wille - und nichts tut sich. Das ist so ähnlich als würde eine Mutter einem Kind den Auftrag geben, das Zimmer aufzuräumen, das seit Wochen in Unordnung ist, so dass man schon nicht mehr laufen kann. Und dann kommt die Mutter und kontrolliert und augenscheinlich ist nichts passiert. Und das Kind sagt: Aber eine Schublade habe ich doch schon aufgeräumt. Gott will, dass wir eins sind - und wir präsentieren ihm eine aufgeräumte Schublade. Sicher unsere Bischöfe mögen sich, sie kommen gut miteinander aus und machen auch vieles gemeinsam und das funktioniert auch ganz gut - weil man um die Grenzen weiß und solange man nicht an ihnen rührt.

Und wenn wir ein wenig dahinter schauen, dann ist es immer noch so, dass wir alle zwar ganz lieb und nett zueinander sind, aber dennoch im Letzten das Gefühl haben, doch noch richtiger zu glauben, als die anderen. Das was wir hier tun, das ist doch allein der richtige Gottesdienst und die in Paul-Gerhardt glauben halt ein wenig falscher - von Euch in Bad Schönborn ganz zu schweigen.

Und wir tun dabei als hätten wir alle Zeit der Welt, den nächsten Schritt zu tun. Aber Gott ist nicht damit zufrieden, dass die Caritas mit der Diakonie schon mal was zusammen machen. Es ist unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, uns als Kinder Gottes, als Kinder des einen Vaters zusammenzuraufen und uns als eine Familie zu verstehen. Dass wir das nicht hinbekommen, darunter leidet Gott. Gott leidet. Genau darunter leidet er.

Die Juden haben uns da eines voraus: Es gibt im Judentum mindestens so viele Glaubensrichtungen und Unterschiede, wie unter den Christen. Aber trotz aller Unterschiede wissen sich Juden geeint durch den gemeinsamen Glauben an den einen Gott. Das Bewusstsein, dass sie alle zu ein und demselben Gott gehören, ist das was sie untereinander eint - über alle Gräben und Spannungen und Glaubensdifferenzen hinweg. Das muss uns Vorbild sein, das muss uns die Richtung weisen.

Und deshalb müssen wir aufbrechen. Wir müssen uns wachrütteln lassen und wir müssen diesen Weckruf zu einem Wegruf werden lassen. Zu einem Wegruf, der uns auf den Weg ruft. Wir dürfen nicht warten, dass man irgendwo anders zu gehen beginnt: Wir müssen aufbrechen. Also tun wir es. Fangen wir an. Gehen wir mutig aufeinander zu und - vor allem - gehen wir miteinander weiter.

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009
Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Der Kirchenchor St. Anton unter der Leitung von Markus Bellm.

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009 Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009 Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009
Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Das Kunstprojekt mit Pfarrerin Gudrun Luise Helm.

Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009
Impressionen vom Mittwoch, 1.7.2009

Martin Petermann und die von Jugendlichen gestaltete "Amosfigur".

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