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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Tagebuch des Amos-Prozesses

Weiter-Button Zurück-Button Theresa von Avila - 1. Juli 2009

2. Juli 2009 - 01:26 Uhr

Impressionen von der Kleingruppe

Der 3. Amos-Abend stand unter dem Thema: "Gottesdienst ist Menschendienst". Eine Kleingruppe beschäftigte sich mit einem Gebet von Theresa von Avila. Diese Frau sagte von sich selbst, sie sei ein Weib "und obendrein kein gutes" – eine Mut machende Selbstbeschreibung 🙂. In diesem Gebet klagt sie – im 16. Jahrhundert! – die Geringschätzung der Frauen in ihrer damaligen Gesellschaft und ihrer damaligen Kirche an und wendet sich klagend an Jesus, bei dem sie einen wertschätzenden Umgang mit Frauen wahrnimmt.

Wir stellten in der Gruppe fest, dass sich für Frauen seither in der Gesellschaft bereits viel geändert hat – auch wenn noch immer nicht von einer Gleichberechtigung gesprochen werden kann.

In den Leitungsebenen der (kath.) Kirche jedoch sieht es so aus, als wären wir im 16. Jahrhundert stehen geblieben. Dort sind Frauen bis heute einseitig auf vorgegebene Rollen festgelegt, die längst nicht mehr der Wirklichkeit unterschiedlicher Frauenleben und verschiedenster weiblicher Existenzentwürfe entsprechen. Gottesbilder sind in der Kirchensprache noch immer zu oft männliche Bilder. Weil Frauen von wichtigen meinungsbildenden Ebenen in der katholischen Kirche ausgegrenzt werden, wird ihr Recht auf Anerkennung ihrer Würde missachtet und die Missachtung – mangels Kontakt mit realen Frauen – noch nicht einmal als Widerspruch zu jesuanischem Leben wahrgenommen.

Theresa von Avila zeigt uns zwei Wege, wie wir heute – als weibliche, aber auch als männliche Laien – der Falle entkommen können, in die uns zu viel Bescheidenheit führen könnte; der Falle, die uns zugeschriebene minder-wertige Rolle auch zu übernehmen. Theresa von Avila wendet sich an Jesus selbst, um ihm das ihr und anderen Frauen angetane Unrecht zu klagen und mit ihm an ihrer Seite die notwendige Wertschätzung unverdrossen von Gesellschaft UND Kirche einzuklagen, solange bis sie denn endlich verwirklicht wird. Und sie dringt darauf, dass Frauen sich Bildung aneignen. Dies gilt auch für theologische Bildung, wie wir im Gespräch feststellten. Wir wollen uns nicht abfinden mit den vermeintlich unverrückbaren Traditionen zu Ungunsten von Frauen; Traditionen, die sich nicht selten beim genaueren Hinschauen als weder historisch noch theologisch durch die Berufung auf Jesus von Nazareth legitimieren lassen.

Sichtbar wurde im Gespräch, dass wir einander brauchen, um uns gegenseitig Mut zu machen, wenn wir längst vor Ort Wege gehen, die unserer Würde als (weibliche) Kinder Gottes angemessen sind. Sichtbar wurde auch unsere Trauer über jene Frauen und Freundinnen, die der Kirche längst den Rücken kehrten, weil sie dort nicht fanden, was sie für ihr Leben brauchten.

Und sichtbar wurde auch im Erzählen einer alten Frau, wie viel Kraft sie brauchte und (!) hatte, um gegen die einengenden Vorschriften speziell für Frauen ein langes Leben lang zu kämpfen. Der Kampf um unsere Würde ist innerkirchlich noch lange nicht am Ende – und wir brauchen solche Vorbilder – eine Theresa von Avila aus dem 16. Jahrhundert; einen Amos um 760 v.Chr., der die Gerechtigkeit "wie einen nie versiegenden Bach" anmahnt; einen Jesus von Nazareth, dessen Gott einer Frau die Botschaft der Auferstehung Jesu anvertraute – und nicht zuletzt jene Frauen und Männer, die uns vorangegangen sind und von ihren Kämpfen, Niederlagen und Siegen erzählen.

Die Amos-Worte vom Gottesdienst, der Menschendienst sein muss, sind speziell für Frauen und insgesamt für Laien bis heute uneingelöst.

(Erika Kerstner)

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