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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Spanisch-Button Begleitheft zum Amos-Prozess

Weiter-Button Zurück-Button Donnerstag, 11. Juni (Amos 1,13-15)

(Kriegs-)Verbrechen gegen Frauen

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 13 So spricht der Herr: Wegen der drei Verbrechen, die die Ammoniter begingen, / wegen der vier nehme ich es nicht zurück: Weil sie in Gilead die schwangeren Frauen aufschlitzten, / als sie ihr Gebiet erweitern wollten, Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 14 darum lege ich Feuer an die Mauern von Rabba; / es frisst seine Paläste beim Kriegsgeschrei am Tag der Schlacht, / beim Getöse am Tag des Sturms. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 15 Ihr König muss in die Verbannung, / er und alle seine Großen, / spricht der Herr.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Die Ammoniter wollten Gilead haben, das zu Israel gehörte. Deswegen führen sie Krieg gegen Israel. Weil sie das auf grausamste Weise tun, kündigt Jahwe - so sagt Amos - als Strafe an, dass es eine große Katastrophe geben wird: Stadt und Staat werden zugrunde gehen, der König wird in die Verbannung gehen müssen.

Die Schuld der Ammoniter wiegt nach Amos aufgrund ihrer Verbrechen gegen Frauen besonders schwer. Das Aufschlitzen von Schwangeren war im alten Orient ein verbreitetes Kriegsverbrechen. Der Assyrerkönig Tiglat-Pileser I. wird von zeitgenössischen Autoren schon um 1100 v. Chr. für diese Technik der Kriegsführung gelobt. Amos entzieht sich dem Denken seiner Zeit und beharrt darauf, dass Jahwe ein Gott ist, der sich für die Rechte der Menschen am Rande - zu denen Frauen zu allen Zeiten gehörten und gehören - einsetzt.

Kriegsgräuel, die sich gegen das Leben von Frauen und Kindern richten, sind bis heute gängige Praxis. Der terminus technicus "frauenspezifische Menschenrechtsverletzungen" wird dem Grauen nur bedingt gerecht.

Zur Formulierung "Wegen der drei... wegen der vier" siehe zu Amos 1,3-5 (Erklärung zum Sonntag, 7. Juni).

Vor- und nachgedacht...

Vergewaltigungen wurden und werden gezielt und systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Kriegsparteien benutzen sexualisierte Gewalt, um ihre Gegner emotional zu besiegen.

Kriegsvergewaltigungen haben eine hohe symbolische Bedeutung und sind in einer Gesellschaft, in der patriarchalische Denkweisen vorherrschen, äußerst effektiv.

Denn hier wird die Ehre eines Mannes an seinem vermeintlichen Besitz des Körpers einer Frau festgemacht. Durch Vergewaltigungen werden die Frauen und damit die gegnerischen Männer entehrt.

Dieser Ehrverlust hat dramatische Konsequenzen für die Frauen:

Viele werden von ihren Familien verstoßen und von ihren Männern verlassen, wie auch heimkehrende deutsche Soldaten ihre Frauen verließen, als sie von der Vergewaltigung durch Alliierte im Zweiten Weltkrieg erfuhren.

Frauen überall auf der Welt erfahren zusätzliche Gewalt, indem sie stigmatisiert werden.

[Vgl. auch: medicamondiale.org].

Lust auf mehr?

Arbeiterinnen für die Ernte

Es war im Frühjahr 1998, da schoss vielerorts der Spargel ins Kraut. Nicht weil sich niemand um ihn gekümmert hätte, sondern weil realitätsfremde Verordnungen den Einsatz von genügend osteuropäischen Erntehelfern unmöglich gemacht hatten.

Die "Herren der Ernte" hätten gerne Arbeiter aufs Feld geschickt, wenn es ihnen nur erlaubt worden wäre.

Im Evangelium hören wir, dass wir Gott um Arbeiter bitten sollen, denn auch er ist Herr einer Ernte und die Arbeiter sind wenige (Matthäus 9,38): als ob der Autor die Situation heutiger Pfarreien vorausgeahnt hätte.

Bitten wir deshalb den Herrn mit aller gebotener Intensität um Arbeiter für seine Ernte, im Vertrauen darauf, dass er uns hört.

Bleibt dann nur zu hoffen, dass es ihm nicht so gehen wird, wie den Landwirten 1998. Es wäre ja nicht auszudenken, wenn er am Ende genügend Arbeiterinnen und verheiratete Arbeiter rufen würde, diese aber nicht zum Einsatz kämen, weil Traditionen und Vorschriften dagegen stehen. So bitte ich auch, dass er den Verantwortlichen die nötige Weisheit schenkt - allem voran, um der Ernte willen...

(Jörg Sieger, aus: Lichtblick im Alltag)

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