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Weckruf - Wegruf

Mit dem Propheten Amos auf dem Weg

Spanisch-Button Begleitheft zum Amos-Prozess

Weiter-Button Zurück-Button Dienstag, 16. Juni (Amos 3,1-2)

Rechenschaft

Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 1 Hört dieses Wort, das der Herr gesprochen hat / über euch, ihr Söhne Israels, über den ganzen Stamm, / den ich aus Ägypten heraufgeführt habe. Masoretentext-Icon Septuaginta-Icon 2 Nur euch habe ich erwählt / aus allen Stämmen der Erde; darum ziehe ich euch zur Rechenschaft / für alle eure Vergehen.

Wieso? Weshalb? Warum? ...

Jahwe hat zu Israel ein besonderes Verhältnis. Im hebräischen Text steht dafür das Wort jada, was soviel bedeutet wie erkennen, vertraut werden mit, sich vertraut machen mit. Es meint also nicht nur intellektuelle Erkenntnis. Wenn man etwas erkennt, erfasst man eine Sache und weiß, was man damit tun kann (Das selbe Wort steht auch in der Genesis (= 1. Buch Mose) - Adam erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger...). Das Wort kann dann auch den Sinn erwählen und berufen bekommen.

Gott hat Israel also erkannt und damit erwählt. Das bedeutet, dass Gott für Israel eine besondere Aufgabe hatte. Diese Aufgabe heißt für Amos: Israel soll von Mitmenschlichkeit und Gerechtigkeit geprägt sein. Die "Erwählung aus" ist automatisch eine "Erwählung für" - die Erwählung hat eine Aufgabe zur Folge.

Die liebevolle Erwählung Israels - ein Unterschied zu allen anderen Völkern - bedeutet, dass Gott sein Volk ganz persönlich ins Vertrauen gezogen und zu einer großen Aufgabe berufen hat. Nur mit Israel hat Gott einen Bund geschlossen. Israel hat Gottes Wegweisung erhalten, auf die das Volk nun verpflichtet ist. An Israel sollen nun all die anderen Völker ablesen können, welchen Weg Gott für die Menschen als gut erachtet, welcher Weg zum Leben und zu einem guten Miteinander führt. Ob Israel diesem Auftrag gerecht wird, darüber muss es vor Gott Rechenschaft ablegen (Exodus (= 2. Buch Mose) 20,5 und 34,7).

Vor- und nachgedacht...

Rechenschaft
sagst Du, verlangst
Du von uns, von einem jeden
ohne Ausnahme, ohne Ausrede

Wo sind wir
zu bequem? zu faul?
zu feige? zu mitleidlos?
zu hoffnungslos? zu gedankenlos?

Um etwas zu verbessern?
Für uns selber?
Für andere?

Gott hilf uns,
gib uns offene Augen
und ein offenes Herz

Und schenke uns am Ende
Deine Gnade

Gertrud Willy

Lust auf mehr?

Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte hervorbringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte hervorbringt.

Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben.

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist. Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund. Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?

Lukas 6,43-46

abgestorbener Baum

Foto: Urlsula Groß

Noch mehr Infos

Die Verse 1-3 sind die Einleitung zu einer größeren Spruchsammlung. Ihnen kommt ein größeres Gewicht zu - ähnlich einer Überschrift. Sie wollen in der nun folgenden Spruchsammlung immer mitbedacht sein. Amos begründet in der Regel die Strafe Jahwes mit den Verbrechen, die Israel begangen hat. Hier jedoch nennt er eine andere Begründung. Er erinnert daran, dass die Verbrechen Israels eine ganz logische Folge der Abwendung Israels von Jahwe sind. Das Verbrechen Israels besteht zuallererst darin, dass es sich von Jahwe abgewandt hat. Weil es sich zuerst von Jahwe abwandte, handelte es dann auch im Umgang mit Menschen verbrecherisch.

Wer den Propheten Amos gut verstehen will, muss diesen "theologischen" Grundton immer mitbedenken. Amos kritisiert die gewalthaften und himmelschreiend ungerechten Zustände in Nordisrael. Aber er tut dies im Auftrag Jahwes. Er bindet also die Einhaltung der Menschenrechte an Jahwe selbst und stellt uns Gott vor als einen Gott, der das Recht und die Gerechtigkeit des Armen und Schwachen zu seinem ureigenen Anliegen macht. Wer Amos nur als "Sozialrevolutionär" sieht, übersieht, dass dieser Prophet immer im Namen Gottes spricht. Eine anthropologische Engführung der Botschaft des Amos, die den Auftraggeber dieses Propheten übersieht, verbietet sich also.

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