Louis René de Rohan

Kardinal im Schatten der Französischen Revolution

im Schatten der Franz. Revolution


Weiter-ButtonZurück-Button 1. Charakter im Spiegel der Zeit

"C'est un beau prélat, fort peu dévot, fort adonné aux femmes; plein d'esprit et d'amabilité, mais d'une faiblesse, d'une crédulité qu'il a expiiées bien cher, et qui a coûté bien des larmes a notre pauvre reine dans la misérable histoire du Collier." ⋅1⋅

Mobiliar

Sessel, Doppelsofa und Spieltisch,
möglicherweise aus dem Nachlass des Kardinals
Louis René Édouard von Rohan-Guémené.

Foto-ButtonPrivatbesitz - Foto: Martha Oehler, Ettenheim 1978

Die Urteile von Zeit­genossen ⋅2⋅ liefern ein nahezu überein­stimmen­des Bild des Kirchen­fürsten Louis de Rohan, in das sich die Schuld­forderungen des Jakob Hubert von Zabern 'im Namen des mit Anna Rodes erziehlten Kindes' nahtlos einfügen.⋅3⋅ Bis zum Jahre 1786 scheint der Kardinal unter dem Einfluss seines astrono­mischen Einkommens ⋅4⋅ und barocken Lebens­gefühls in keinster Weise dem Bischofsamt ge­recht geworden zu sein. Nach Ende der Hals­band­affäre und endgültig nachdem die Truppen aus Ettenheim abgezogen waren, machen die Quellen einen Wandel sichtbar. Als Laukhard im Jahre 1795 nach Ettenheim kam, war es nicht der Barockfürst, den der Magister vorfand:

"Ich dachte da einen alten abgemergelten Wollüstling zu sehen, der die Spuren seiner Ausschweifungen auf dem Gesichte trüge, denn ich hatte von dem Herrn Kardinal viel Skandalöses gehört und gelesen. Allein ich fand ein wirklich ehrwürdiges Gesicht eines schon in den Jahren stehenden hohen Prälaten der römischen Kirche. Sein anständiges Wesen und seine schon modulierte Stimme wurden mir Ehrfurcht eingeflößt haben, wenn ich nicht gewußt hätte, daß er schon durch die fatale Begebenheit mit dem Halsband und durch große Verletzung des Völkerrechts an der traurigen Revolution auch stark schuld gewesen ist." ⋅5⋅

Weiter-ButtonZurück-Button Anmerkungen

1 Henriette-Louise de Waldner de Freundstein, Baronne d'Oberkirch, über Kardinal de Rohan.
Zitiert nach: Suzanne Burkard (Hrsg.), Memoires de la Baronne d'Oberkirch sur la cour de Louis XVI et la société française avant 1789 (Paris 1970). Zur Anmerkung Button

2 Abbé Georgel sprach in Bezug auf Rohan von jugendlichem Zauber und der Gabe der Beredsamkeit und Überredung.
(Vgl.: Alexander Lernet-Holenia, Das Halsband der Königin (Wien / Hamburg 1962) 21).
Lernet Holenia schließt sich dem mit einem zweifelhaften Resumee an:
"Über alle einem Geistlichen unangemessenen Eigenschaften also verfügte er, nur hatte er - so scheint es - nicht die bei einem Geistlichen noch verzeihlichste: den Hang zur Homosexualität."
(Alexander Lernet-Holenia, Das Halsband der Königin (Wien/Hamburg 1962) 21.) Zur Anmerkung Button

3 "Erstlich Jakob Hubert von Zabern
im Namen des mit Anna Rades
erziehlten Kindes an Ehesteuer
welche der Höchstselige denen=
selben versprochen 458 fl. 20 ß"

(GLA 229-27185, Inventarium über die gesamte Liegenschaften, Fahrnisse, Einnehmende und bezahlende Schulden, weilen Sr Hochfürstlichen Eminenz und Durchlaucht des Herrn Kardinals Prinzen von Rohan, Fürst und Bischofen zu Straßburg p. p.);
die Forderung gehörte übrigens zu den vielen 'welchen wiedersprochen, mithin zur Zeit noch nicht liquid sind' (vgl.: GLA 229-27185). Zur Anmerkung Button

4 Vgl.: Johann Baptist von Weiß, Weltgeschichte, Bd. XIV (Graz/Leipzig 3. Auflage 1894) 353. Zur Anmerkung Button

5 Laukhards Bericht über seinen Ettenheimaufenthalt sei wegen seiner Bedeutung in voller Länge wiedergegeben:
"An einem Sonntag ging ich mit einem Sergeanten von den Emigranten aus Freiburg ab, kam gegen Abend nach Ettenheim, sieben gute Stunden von Freiburg, schlief im Wirtshaus, und den anderen Tag führte man mich zum Prinzen Rohan und zu seinem Onkel, dem Kardinal Rohan, ehemaliger Bischof von Straßburg. Der Prinz ist ein wahrer Laffe, gerade wie man sich nur einen simpelhaften Geck von Emigrierten denken kann; er springt, singt, trällert und faseliert herum, wie ein Geschöpf seiner Art es nur vermag. Der Kardinal hat mir etwas besser gefallen. Ich dachte da einen alten abgemergelten Wollüstling zu sehen, der die Spuren seiner Ausschweifungen auf dem Gesichte trüge, denn ich hatte von dem Herrn Kardinal viel Skandalöses gehört und gelesen. Allein ich 'fand ein wirklich ehrwürdiges Gesicht eines schon in den Jahren stehenden hohen Prälaten der römischen Kirche. Sein anständiges Wesen und seine schön modulierte Stimme würden mir Ehrfurcht eingeflößt haben, wenn ich nicht gewußt hätte, daß er schon durch die fatale Begebenheit mit dem Haisbande und durch grobe Verletzung des Völkerrechts an der traurigen Revolution auch stark schuld gewesen ist.
Er unterhielt sich lange mit mir, und auf mein Geständnis, daß ich lutherisch sei, sagte er: "Das ist einerlei! Die Liebe zum Guten macht die wahre Religion, der Name tut dazu nichts." Ich wunderte mich, einen katholischen Bischof, dessen Hirtenbriefe zu Anfang der Revolution ganz anders lauteten, so reden zu hören. Aber einige Tage darauf, als ich einem Benediktiner zu Ettenheimmünster diese Aeußerung des Kardinals erzählte, belehrte mich dieser eines Bessern, indem er sagte, der Kardinal habe als Prinz wenig Theologie studiert; er wisse also nicht recht, wie wichtig der wahre Glaube sei usw.
Ettenheim ist ein ganz hübsches Städtchen, welches nebst etwa 20 diesseits des Rheins gelegenen Ortschaften dem Bischof zu Straßburg zugehört. Diese Ländereien sind auch das einzige, was dem Kardinal von allen seinen Herrlichkeiten übrig geblieben ist, denn seine großen Güter in der Bretagne, seine Besitzungen im Elsaß, ja sogar seine Mobilien hat die Nation für eine gute Prise erklärt. Der Staat, den der Kardinal damals machte, war gering - ein Mainzer Domherr hat sonst größeren gemacht. Doch standen noch Soldaten vor dem Schloß Schildwacht. Eine von den Mätressen des Prinzen habe ich auch gesehen; es war ein dickes Saumensch aus dem Emigrantengesindel und, wie ich gehört habe, die Frau eines gewesenen Pächters, welche der Prinz von Rohan=Guémené ihres Reichtums wegen unterhielt und sich von ihr Geld vorschießen ließ.
Nach einem kurzen Aufenthalt in Ettenheim ging ich nach Ettenheim münster, einer überaus reichen Benediktinerabtei..."

(Friedrich Christian Laukhard, Magister F. Ch. Laukhards Leben und Schicksale, Bd. I (Stuttgart 1908) 321-323;
möglicherweise ist der genannte 'Prinz von Rohan=Guémené' identisch mit dem im Testament erwähnten Neffen des Kardinals.
(Vgl. GLA 229-27186.) Zur Anmerkung Button