Louis René de Rohan

Kardinal im Schatten der Französischen Revolution

im Schatten der Franz. Revolution


Weiter-ButtonZurück-Button 5. Am Hof zu Ettenheim

So wie jede, noch so kleine Residenz des 18. Jahrhunderts war auch die Ettenheimer Hofhaltung geprägt vom Hof in Versailles, seinen Umgangsformen und seiner Liebe zur barocken Festlichkeit. Auch in Ettenheim begegnet eine Fülle von Menschen - Herrschaften und Dienstboten.

a. Das Ettenheimer Schloss und seine Bewohner

Das Ettenheimer Amtshaus

Das Amtshaus des Oberamtes Ettenheim,
umgebaut zum Palais-Rohan.

Foto-ButtonFoto: Jörg Sieger, Oktober 2002

Neben Kardinal Louis de Rohan begegnen in Etten­heim in der Folge vor allem der Neffe des Kardinals, der alte Prince de Rohan-Rochefort,⋅1⋅ mit seiner Ge­mahlin. Möglicherweise bewohn­ten sie gemein­sam mit dem jungen Henri, Prince de Rohan-Roche­fort die dem alten Amtshaus benachbarte Stadtschreiberei, das 'buelachische Hauß', das - wie zu Ende des vor­her­ge­hen­den Ab­schnit­tes erwähnt - eine Ver­bindung mit dem Palais erhalten hatte.⋅2⋅ Viel­leicht wohnte die Familie aber auch im Schloss selbst; so soll zumindest die Tochter des alten Prince de Rohan-Rochefort, Charlotte Louise Dorothée, zwei Mansardenzimmer auf der Westseite des Gebäudes bewohnt haben.⋅3⋅

In den kommenden Jahren begegnet in den Quellen ferner ein nicht weiter identifizierbarer Prince de Rohen-Rohen, der mit der Leitung des in Ettenheim errichteten Regiments 'Royal Rohen' betraut war.⋅4⋅

Besondere Unterstützung wurde dem Kardinal in der Person seiner Generalvikare Abbé Jean Francois d'Eymar, Koadjutor des Propstes von Neuweiler, und Abbé Jean Francois Regis Weinborn zuteil,⋅5⋅ die immer wieder gemeinsam mit Rohans Weihbischof Johannes Jacobus Lan(t)z, Bischof von Dora - am 3. April 1786 zum Weihbischof der Diözese Straßburg ernannt ⋅6⋅ - im Dienst des Fürstbischofs und des Bistums tätig waren.

Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten am bischöflichen Hof war Abbé Simon, der das Vertrauen seines Herrn im vollsten Maß besaß. Alle Schriftstücke gingen durch seine Hände; nichts wurde ohne seine Billigung unternommen.⋅7⋅

Darüber hinaus fanden sich am Ettenheimer Hof viele Unbekannte und Ungenannte,

"... Marquis, Grafen und Barone mit ihren Frauen, die nichts mitbrachten und in der äussersten Armut lebten. Der Kardinal und die Herren, alle meinten damals, diese Schreckenszeit würde bald vorübergehen. Es wurde also ein förmlicher Hof etabliert mit all dem unnützen Gesinde, das damals üblich war." ⋅8⋅

b. Die Verwaltung des Oberamtes

Nach dem Verlust des gesamten linksrheinischen Gebietes des Hochstiftes hatte der Kardinal die Landesregierung zwangsläufig wesentlich vereinfacht. Nur drei Räte waren am Ettenheimer Hof: Hofgerichts- und Kammerpräsident Nicolaus de Heille, Geheimer Hof- und Rentkammerrat Abbé Simon und Oberjägermeister Müllenheirn. Sie bildeten in Verwaltungssachen die bischöfliche Hof- und Rentkammer und in Justizsachen mit dem Gerichtssekretär das Hofgericht.⋅9⋅

Von der Fülle der städtischen und Oberamtsbeamten sollen hier nur einige genannt werden. Neben Landvogt von Bruder spielte der Mann seiner Nichte, Franz Michael Heinrich Stuber, eine besondere Rolle.⋅10⋅ Während von Bruder als Ettenheimer Oberamtmann in Renchen wohnte,⋅11⋅ wurde der Ettenheimer Bürgerschaft am 25. Juni 1788 Franz Michael Stuber als Oberamtsverweser vorgestellt.⋅12⋅

Im Zusammenhang mit den im Oberamt anfallenden Schreibarbeiten wird auch Stadt- und Amtsschreiber Xaver Sartori in der Darstellung dieser Jahre von Bedeutung sein ⋅13⋅ - Jahre, die anders verliefen, als man es Ende 1790 gemeinhin angenommen hatte.

Weiter-ButtonZurück-Button Anmerkungen

1 Vgl.: Albert Kürzel, L. R. E. Rohan zu Ettenheim, in: Zeitschrift der Gesellschaft für Beförderung der Geschichts-, Altertums- und Volkskunde von Freiburg, dem Breisgau und den angrenzenden Landschaften (2/1870-72), 47. Zur Anmerkung Button

2 Joann Conrad Machleid, Diarium II, *128r. Zur Anmerkung Button

3 Vgl.: Robert Furtwängler, Ettenheims "altes Schloß" und seine Geschichte, in: Geroldsecker Land (19/1977) 152. Zur Anmerkung Button

4 Vgl.: GLA 74-6286, 79r und öfters. Zur Anmerkung Button

5 Vgl.: DAL-Protocollum decretorum et mandatorum episcopalium emanatorum ab anno 1733 ad venerabile Capitulum ruralis Lahrense transmissorum;
sowie: Julius Rathgeber, Elsässische Geschichtsbilder aus der französischen Revolutionszeit (Basel 1886) 88. Zur Anmerkung Button

6 Vgl.: Conrad Eubel, Hierarchia Catholica Medii et Recentioris Aevi, Bd. VI (1958) 200. Zur Anmerkung Button

7 Vgl.: Erwin Schell, Das Hochstift Straßburg rechts des Rheins im Jahre 1802, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (87/1935) 140;
Josef Rest, Zustände in der südlichen Ortenau im Jahre 1802, in: Die Ortenau (11/1924) 27. Zur Anmerkung Button

8 Henriette Dietz, geb. Stuber, Familiennachrichten (Karlsruhe 1853) (Abschrift einer Handschrift) *11. Zur Anmerkung Button

9 Vgl.: Erwin Schell, Das Hochstift Straßburg rechts des Rheins im Jahre 1802, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (87/1935) 139-140. Zur Anmerkung Button

10 Stuber war, wie ihn seine Tochter schildert, ein Mann von mittlerer Größe, dunkelblonden Haaren und blauen Augen, mit sanftem, aber dennoch verständigem Aussehen, mit einem Zug von Witz um den freundlichen Mund.
(Vgl.: Henriette Dietz, geb. Stuber, Familiennachrichten (Karlsruhe 1853) (Abschrift einer Handschrift) *10.) Zur Anmerkung Button

11 Während Franz Michael Stuber in Ettenheim das Vertrauen der Bürgerschaft gewonnen hatte, spielte Bruder eine zweifelhafte Rolle. Bereits im Jahre 1780 eilte ihm sein schlechter Ruf voraus, auch wenn Machleid den Landvogt noch zu verteidigen sucht:
"mann hat unß burger ßo angst gemacht
wegen unßerem Gnädigen herren benedict
ßimon von Brueder, xxx oberamtmann
und landvogt in unßerem Ambt, er seye
ein ßo beßer mann er falle die leüth ßo
an daß mann nit mit ihme recht zu reden,
ßo die Renchener und oberkircher außagte(n)
und eß ist nit dem alßo..."

(Joann Conrad Machleid, Diarium II, *20r, vgl. *100v.)
Siehe auch: Henriette Dietz, geb. Stuber, Familiennachrichten (Abschrift einer Handschrift) *5-*6. Zur Anmerkung Button

12 Vgl.: Joann Conrad Machleid, Diarium II, *99r;
nicht nur GLA 138-83, 177v belegt in der Folge, dass Stuber dieses Amt mit tiefer Hingabe an den Landesherrn, und großem Geschick ausfüllte.
(Vgl. auch: Henriette Stuber, Memoiren einer Ahnherrin (Abschrift einer Handschrift) *2). Zur Anmerkung Button

13 Vgl.: Josef Rest, Zustände in der südlichen Ortenau im Jahre 1802, in: Die Ortenau (11/1924) 27. Zur Anmerkung Button