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... auf der Spur Jesu

Dokumentation eines gemeinsamen Weges in zwei Bruchsaler Gemeinden

Lexikon

Anachoreten

Anachoreten praktizieren völlige Weltflucht. Sie trennen sich von jeder menschlichen Gemeinschaft und leben vor allem in der Wüste. Antonius und die Wüstenväter sind bekannte Beispiele. Zum Anachoretentum gehörte auch ein zölibatäres Leben, Buße und Gebet. Als man die Siedlung in Qumran ausgrub, vermutete man, dass die Essener hier eine ähnliche Lebensform praktizierten. Die in Qumran gefundene Sektenregel schildert eine in etwa vergleichbare Lebensform.

Antiochia

auch Antiochien, Stadt im antiken Syrien, heute Antakya in der Türkei, gelegen am Fluss Orontes, ca. 30 km vom Mittelmeer entfernt. Gegründet durch Seleukos I. im Jahre 300 v. Chr. an der Stelle vorangegangener Siedlungen, wuchs die Stadt rasch und wurde ein wichtiges Handelszentrum im östlichen Mittelmeerraum. Im Jahr 64 v. Chr. fiel Antiochia an das römische Reich und erreichte in der Folgezeit die Einwohnerzahl von 500 000. In Antiochia entstand eine der ersten christlichen Gemeinden außerhalb Palästinas, wohl schon zwischen 35 und 40 n. Chr. (Apostelgeschichte 11,19-26). Nikolaus, einer der ersten sieben Diakone, stammte aus Antiochia (Apostelgeschichte 6,5).

Apokalypse

griechisch "Enthüllung", "Offenbarung". Apokalypse bezeichnet religiöses Schrift- und Gedankengut, das Zeitenwende, Weltuntergang, Gottesgericht, die kommende Gottesherrschaft etc. in den Mittelpunkt stellt. Zur Zeit Jesu waren im Judentum, aber auch weit darüber hinaus, apokalyptische Vorstellungen weit verbreitet und sehr populär. Das Ende der Zeiten wurde in nächster Zukunft erwartet, sodass das frühe Christentum in der Naherwartung lebte. Die Rückkehr Christi in der Herrlichkeit Gottes wurde noch in derselben Generation erwartet.

Apokryphe Schriften

(griechisch: apokryphos, entspricht "verborgen") sind Texte, die nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurden - entweder aus inhaltlichen Gründen oder weil sie zu der Zeit der Kanonisierung nicht bekannt waren oder erst danach entstanden. Auch das Judentum kennt apokryphe Texte, die nicht im Kanon des Tanach vorhanden sind. In der evangelischen Tradition hat der Begriff eine etwas andere Bedeutung. Es gibt Texte des Alten Testamentes, die nur in griechischer Sprache überliefert sind und nicht zur hebräischen Bibel gehören. Martin Luther hat über sie gesagt, dass sie "nicht der heiligen Schrift gleich gehalten und doch nuetzlich und gut zu lesen sind". In der Wittenberger Vollbibel aus dem Jahr 1534 n. Chr. erscheinen diese Bücher unter der Bezeichnung "Apokryphe" am Ende der Bibelausgabe. In katholischen Bibelausgaben sind diese Texte in den Verlauf des Alten Testamentes eingeordnet. Sie werden hier als "deuterokanonisch" bezeichnet.

Babylonisches Exil

auch Babylonische Gefangenschaft. Das Babylonische Exil beginnt 598 v. Chr. mit der Eroberung Jerusalems durch den babylonischen König Nabu-kudurri-usur II. (Nebukadnezar II.), in deren Folge ein großer Teil der Bevölkerung, hauptsächlich die Oberschicht, nach Babylon gebracht und dort angesiedelt wurde. Nach einem zweiten Feldzug gegen Jerusalem zerstörte Nabu-kudurri-usur im Jahr 586 v. Chr. den salomonischen Tempel und führte nach Angaben der Bibel weitere Bewohner ins Exil. Die Exilierten verblieben in Babylon (wobei nicht wenige, wie überlieferte Schriften beweisen, dort in der Verwaltung und im Militär Karriere machten) bis zur Eroberung der Stadt im Jahr 539 v. Chr. durch den Perserkönig Kurosch (Kyros II.), der ihnen die Rückkehr in ihre Heimat erlaubte. Daraufhin kehrte ein Teil nach Jerusalem zurück, der Rest blieb in Babylon und bildete dort ein bedeutendes jüdisches Zentrum.

Bar Kochba

mit vollem Namen Simon Bar Kochba war der Anführer einer Gruppe von Juden, die sich auch nach Ende des jüdischen Kriegs und dem Fall von Masada weiter im Aufstand gegen die Besatzungsmacht befanden. Erst unter Kaiser Hadrian konnte 132 n. Chr. dieser Aufstand blutig niedergeschlagen werden. Simon bar Kochba war für viele, die mit ihm kämpften, nicht nur der Anführer, sondern wurde als Messias verehrt. Die Gründe für den Aufstand sind nicht ganz klar. Vieles an den Gesetzen der Besatzer war für Juden unerträglich. Es ging um das Beschneidungsverbot, das geplante Errichten eines römischen Tempels auf dem Jerusalemer Tempelberg und vieles mehr. Auf jeden Fall brachte die Niederschlagung dieses Aufstands für die Römer große Verluste mit sich. Danach lag dieser Teil der Provinz Judäa am Boden. Jerusalem wurde endgültig zerstört, und das Judentum zerstreute sich in aller Herren Länder.

Caesarea

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Caesarea - Foto: Erika Gerken

genauer Caesarea Maritima, liegt auf halbem Wege zwischen Tel Aviv und Haifa am Mittelmeer in der israelischen Küstenebene. Nicht weit von den antiken Stätten befindet sich die heutige Stadt Keisarija. Caesarea wurde zwischen 22 und 10 v. Chr. von Herodes dem Großen gegründet und zu Ehren des römischen Kaisers Augustus Caesarea genannt. Ab dem Jahr 6 n. Chr., nachdem die Stadt in römischen Besitz gelangt war, wurde Caesarea Verwaltungssitz der Provinz Judäa und damit auch Dienstsitz der römischen Präfekten. Hier wurde 1961, in Form einer Steintafel mit einer Inschrift, der bis dato einzige außerbiblische Nachweis von ?Pontius Pilatus gefunden.

Essener

auch Essäer; Herkunft und Bedeutung des Begriffs sind unbekannt. Der Name ist lateinisch und griechisch überliefert, ein hebräisches Äquivalent fehlt. Die Essener sind eine jüdische religiöse Gruppierung in der Zeit vor der Zerstörung des Tempels, nach Flavius Josephus die dritte große jüdische Partei neben Pharisäern und Sadduzäern, die von verschiedenen Autoren der damaligen Zeit als strenge Regeln befolgende, asketisch lebende und zumindest teilweise zölibatäre Gemeinschaft beschrieben wird. Ihre Wurzeln liegen in der Makkabäerzeit (2. Jahrhundert v. Chr.). Damals standen die Chassidim, die sogenannten Frommen, hinter den Aufständischen, die gegen die Besatzer revoltierten, wie Flavius Josephus überliefert. Als Jonathan der Kriegsherr auch noch Hoher Priester wurde, lösten sie sich davon ab, denn er war als Krieger unrein und konnte deshalb das Priesteramt eigentlich nicht bekleiden. 4000 Essener sollen an verschiedenen Orten am Westufer des Toten Meeres gelebt haben. Außer den literarischen Zeugnissen, vor allem von dem zeitgenössischen jüdischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus, gibt es keinen Beleg für ihre Existenz. In der Bibel wie auch im Talmud werden sie nicht erwähnt. Die von Qumran-Ausgräbern anfangs der 50er Jahre aufgestellte und seither einflussreiche These, die Essener seien verwandt oder identisch mit den Bewohnern von Qumran und hätten dort entsprechend einer unter den Schriftrollen gefundenen Sektenregel in einer Art klösterlichen Gemeinschaft ohne Geld und persönliches Eigentum gelebt, ist ausgehend von der heutigen Bewertung der Funde stark umstritten.

Hannas

auch Annas, Ananus oder Hananias, zwischen 6 und 15 n. Chr. Hoherpriester des Tempels in Jerusalem. Im Jahr 15 wurde er durch den römischen Präfekten Valerius Gratus, Amtsvorgänger des Pilatus, abgesetzt. Im Amt folgten ihm in wechselnder Reihenfolge seine fünf Söhne und sein Schwiegersohn, so dass das Amt des Hohepriesters - mit Ausnahme des Jahres 42 - von 6 bis zum Jahr 44 ausschließlich in den Händen seiner Familie lag. Nach Johannes führte Hannas im Haus seines Schwiegersohnes Kajaphasvor dem versammelten Sanhedrin, dem Hohen Rat, das Verhör Jesu. Dieser Bericht wird im allgemeinen als historisch angesehen, und man geht davon aus, das das Verhör die Anklage vor Pilatus vorbereiten sollte.

Herodes

Name mehrerer Herrscher in Palästina um die Zeitenwende. Die Familie stammt aus Idumäa, südlich von Judäa gelegen. Die Bevölkerung wurde nach der Eroberung durch die Judäer judaisiert. Ob dies zwangsweise geschah oder durch Assimilierung, ist umstritten. Genauso ist nicht abschließend geklärt, ob die Idumäaer mit den Edomitern des Alten Testaments identisch sind. Da sie nicht zu den 12 Stämmen Israels gehörten, wurden die Idumäer von vielen Juden nicht als vollwertig anerkannt. Dies galt auch für die Herrscher der Herodes-Familie, deren Legitimität als Herrscher immer wieder in Frage gestellt wurde. Für das Betrachtungsgebiet bedeutend sind:

Herodes I.

auch Herodes der Große, ca. 74/73 - 4 v. Chr. Im Jahr 47 von seinem Vater zum Statthalter von Galiläa eingesetzt, wurde er, nachdem sein Vater ermordet worden war, im Jahr 42 mit römischer Unterstützung zuerst zum Tetrarchen von Galiläa und nach weiteren militärischen Auseinandersetzungen zum König von Jerusalem ernannt. Er herrschte über Judäa, Samaria und Galiläa sowie weitere angrenzende Gebiete. Als von Rom eingesetzter Vasallenkönig hatte er jedoch niemals die uneingeschränkte Souveränität über sein Gebiet. Herodes war jedoch nicht nur ein mächtiger und oft auch brutaler Politiker und Herrscher, sondern vor allem auch ein erfolgreicher Geschäftsmann, der vom römischen Kaiser Kupferminen auf Zypern gepachtet hatte und somit eine bedeutende Rolle bei der Herstellung von Bronze spielte. Zudem besaß er zusammen mit Kleopatra das Quasi-Monopol auf die Gewinnung von Asphalt, welcher damals zum Abdichten von Schiffen unabdingbar notwendig war. So war es ihm nicht nur möglich, bei Hungersnot Getreide in Ägypten zu kaufen und die Steuerlast der Bürger zu senken, sondern auch eine gewaltige Bautätigkeit im ganzen Land zu finanzieren. So ließ er Caesarea Maritima erbauen samt einer großen modernen Hafenanlage, die Felsenfestung Masada, die damals als uneinnehmbar galt, die Palastfestung Herodion auf einem künstlich erweiterten Hügel südlich Jerusalems, den Palast in Jerusalem sowie eine neue Wasserleitung für die Stadt. Sein bedeutendstes Bauprojekt war jedoch die Errichtung der Tempelanlage in Jerusalem in einer nie dagewesenen Größe und Pracht. Angeblich war dies zu seiner Zeit die größte Tempelanlage der Welt. Das Matthäusevangelium schreibt ihm den Kindermord von Bethlehem zu, für den es jedoch außerbiblisch keine weitere Quelle gibt. Nachweisbar sind jedoch zahlreiche Hinrichtungen und Morde an Söhnen und anderen Familienangehörigen, die dem zunehmenden Verfolgungswahn des alternden Herrschers teils reihenweise zum Opfer fielen. Nach seinem Tod teilten die Römer sein Gebiet unter dreien seiner Söhne auf, wobei keiner mehr den Königstitel bekam sondern nur "rangniedrigere" Titel.

Herodes Antipas

ca. 20 v. Chr. - nach 39 n. Chr. in Lugdunum/Gallien; wurde nach dem Tode seines Vaters im Jahr 4 v. Chr. gemäß des Testaments von Herodes durch den römischen Kaiser Augustus zum Tetrarchen (Vierfürst) von Galiläa ernannt. Er war verheiratet mit seiner Nichte und Schwägerin Herodias, die seinetwegen ihren Mann verlassen hatte, und war damit auch Stiefvater der Salome. In die Zeit seiner Herrschaft fällt die Festnahme und Hinrichtung Johannes des Täufers, wobei es keine außerbiblischen Quellen für eine wie auch immer geartete Beteiligung von Herodias und Salome gibt. Auch ist er der Herodes, zu dem Jesus von Pilatus geschickt wurde. Im Jahr 39 n. Chr. wurde er seines Amtes enthoben und nach Gallien verbannt; sein Sterbedatum ist nicht bekannt.

Herodes Archelaus

ca. 23 v. Chr. - ca. 18 n. Chr. in Vienna/Gallien; wurde nach dem Tode seines Vaters im Jahr 4 v. Chr. gemäß des Testaments von Herodes durch den römischen Kaiser Augustus zum Ethnarchen von Judäa, Samaria und Idumäa ernannt. Er erwies sich als brutaler und launischer Tyrann und wurde, nachdem ihn vornehme jüdische und samaritanische Bürger in Rom verklagt hatten, vom Kaiser nach Rom beordert, nach einem Gerichtsverfahren seines Amtes enthoben und nach der Einziehung seines Vermögens nach Gallien verbannt. Sein Gebiet wurde daraufhin römische Provinz unter Leitung eines römischen Präfekten.

Jüdischer Krieg

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Klagemauer. Die Mauer ist ein Teil des Westplateaus des Tempelbergs und erinnert an die Zerstörung des Tempels im jüdischen Krieg. Nach jüdischer Überlieferung ist sie der einzig erhaltene Teil des Jerusalemer Tempels. - Foto: Rolf Gerken

Israel war immer wieder ein besetztes Land. Palästina lag strategisch wichtig und war daher für seine Nachbarn, Feinde und Eroberer interessant. Nach der griechischen Eroberung 332 v. Chr. kam es unter die Herrschaft der Ptolemäer, die 198 v. Chr. endet. Danach herrschten die Seleukiden. Die Verwaltungssprache war Griechisch. Es gab große Widerstände gegen die Besatzer, was wir im Makkabäerbuch nachlesen können. 63 v. Chr. eroberte Pompeius dieses Gebiet, denn nun war Rom die vorherrschende Macht im Mittelmeer geworden. Die Juden ließen sich die Fremdherrschaft der Römer nicht gefallen. Die Gruppe der Zeloten und die Sikarier protestierten gegen die Besatzungsmacht. Pontius Pilatus wohnte sicherheitshalber in Caesarea am Meer und zog nur zu Feiertagen nach Jerusalem. Alleine schon die Feldzeichen mit dem Bild des Kaisers, die er dabei mit sich führte, waren für Juden eine Provokation. Pontius Pilatus nahm Geld aus dem Tempelschatz, um damit die Jerusalemer Wasserleitung zu bauen. Dies war ein Sakrileg. Wegen seiner gewalttätigen Politik wurde der Statthalter daher 36 n. Chr. abgezogen. Der Guerillakrieg schwelte weiter. 30 Jahre später wurde er zum Volkskrieg. Im Jahr 66 n. Chr. gab es einen großen Volksaufstand, in dem man hoffte, die Unabhängigkeit von Rom zu erlangen. Gegensätzliche Gruppen wie Zeloten und Anachoreten schlossen sich zusammen. Dies war für Rom Anlass massiv gegen Judäa vorzugehen. Der flavische Kaiser Vespasian rückte in Palästina ein. Die 10. Legion unter Vespasian wurde 68 n. Chr. von Caesarea ans Tote Meer verlegt. Ob aus diesem Anlaß die Schriftrollen in die Höhlen von Qumran gebracht wurden, ist nicht sicher. Aber zu diesem Zeitpunkt war die Angst vor kriegsbedingten Zerstörungen schon groß. Der jüdische Krieg endete 70 n. Chr. Die Römer gingen als Sieger hervor, der Tempel wurde zerstört. Auch die Evangelien, die nach 70 geschrieben wurden, zeigen uns die Realität christlich-jüdischer Gemeinden nach der Zerstörung. Als römische Provinz schrieb man die Geschichte aus dem Blickwinkel, sich mit den Besatzern, den Römern, arrangiert zu haben. Dies macht verständlich, dass judenfeindliche Äußerungen in die Evangelien einziehen, dass plötzlich Berichte wichtig sind wie der vom Hauptmann von Kapharnaum, vom Hauptmann, der unter dem Kreuz gläubig wurde oder der vom Glaubenskampf des Pontius Pilatus unter dem Kreuz, der von einem apokryphen Evangelium berichtet wird. Die Römer werden nun in einem positiveren Licht geschildert.

Kajafas

auch Kaiphas, Kajaphas, eigentl. Josef bar Qaijjafa, Hoherpriester von 18-36 n.Chr.; ernannt durch den Präfekten Valerius Gratus blieb er bis zur Abberufung des Pilatus im Amt, dann wurde er durch den Legaten Vitellius abgesetzt, anscheinend stand er Pilatus sehr nahe. Einer seiner Schwager wurde sein Nachfolger. In seine Amtszeit fällt das Wirken Jesu. Auch an der Kreuzigung Jesu hatte er maßgeblichen Anteil, wobei die Frage nicht von der Hand zu weisen ist, in wie weit er nur das Werkzeug seines Schwiegervaters war, der - zumindest laut neutestamentlichem Bericht - das Verhör führte, was ja eigentlich Sache des Hohepriesters gewesen wäre. Im Jahr 1990 wurde unweit Jerusalem bei Bauarbeiten in einer Grabstätte aus dem ersten Jahrhundert ein Knochenkasten gefunden, der die Überreste eines alten Mannes enthält und die aramäische Aufschrift trägt "Jehosef bar Qaifa".

Kasuistik

(von lateinisch casus - Fall) bezeichnet in der Theologie die Lehre von der Anwendung ethischer oder religiöser Normen auf den Einzelfall.

Masada

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Masada - Foto: Marieluise Gallinat-Schneider

Nach Ende des jüdischen Kriegs und dem Sieg der flavischen Kaiser gab es weiter Gruppen, die gegen die römische Besatzung kämpften. Das Wahrzeichen für den Widerstand ist die Bergfestung Masada am Toten Meer. Schon zur Makkabäerzeit wurde sie errichtet. Später baute Herodes sich dort einen Palast, um seine Familie in Sicherheit zu bringen. Seit 6 n. Chr. sind hier römische Legionen stationiert. Die Sikarier zogen sich nach der Zerstörung des Tempels hierher zurück. Erst 73. n. Chr. konnten die Römer die Mauern über einen Damm, den man heute noch sieht, berennen. Die Menschen, die auf der Feste lebten, nahmen sich das Leben. Diese Informationen haben wir aus einem für die Historiker wichtigen Buch von Flavius Josephus mit dem Titel "Der jüdische Krieg". Masada gilt bis heute als Symbol für den jüdischen Widerstand.

Müntzer, Thomas

1489-1525 n. Chr.; linker Flügel der Reformation; Müntzer (auch Münzer) legte die apokalyptischen Bücher Daniel und die Offenbarung des Johannes für seine Zeit aus. Er identifizierte die "Hure Babylon" mit der römischkatholischen Kirche. Die Vorstellung von den 4 Weltreichen der Apokalypse - Babylonier, Perser, Griechen, Römer - ergänzte er mit einem "fünften Reich", seiner Gegenwart, in der Arme und Unschuldige unterdrückt wurden. Müntzer wollte die "Baalspfaffen" (die papsttreuen Anhänger der alten Kirche) töten lassen und die gottlosen politischen Machthaber stürzen. Deswegen spricht man von einer apokalyptischen Vorstellung.

Pharisäer

Politisch- religiöse Oppostionspartei zu den gesellschaftlich wie theologisch tonangebenden Sadduzäern. Die Pharisäer (von hebräisch peruschim, die Abgesonderten) glaubten im Gegensatz zu den Sadduzäern an ein Leben nach dem Tode in Form einer leiblichen Auferstehung in einer messianischen Zukunft. Außerdem betrachteten sie die mündliche Überlieferung, die Halacha, als ebenso wichtig und rechtmäßig wie die fünf Bücher Mose, die die Sadduzäer als einzig rechtgültiges Gesetz ansahen. Es war der Standpunkt der Pharisäer, dass die Überlieferungen und Traditionen zum Verständnis des Gesetztes und seiner korrekten Einhaltung und Anwendung unabdingbar notwendig sind. Ein weiterer ständiger Streitpunkt war die Ablehnung der Anpassung der elitären sadduzäischen Oberschicht an die Besatzer und den Hellenismus, die fremde griechische Lebensart. Die Pharisäer sahen sich damit auch als Vertreter des einfachen Volkes und hatten dort viele Anhänger - nicht zuletzt deshalb, weil ihre Interpretation des Gesetzes oft das Leben der Menschen erleichternde Abmilderungen zur Folge hatte. Genau hier liegt die Grundlage für die Konflikte Jesu mit den Pharisäern, der ihnen den Vorwurf macht, sie würden nur die Buchstaben des Gesetzes und nicht dessen Sinn sehen. Auch der Vorwurf der Heuchelei basiert auf der oft unterstellten (und teilweise auch praktizierten) Praxis, das Gesetz kreativ zu "verbiegen". Nach der Zerstörung des Tempels blieben die Pharisäer als einzige Partei übrig. Ihre Praxis des Synagogengottesdienstes wurde zum Muster für den jüdischen Gottesdienst auf der ganzen Welt. Auf diese Weise konnte das Judentum auch im Exil überleben. Sie begründeten damit das talmudische, mittelalterliche und heutige orthodoxe Judentum.

Pontius Pilatus

war zwischen 26 und 36 n. Chr. der fünfte Präfekt der römischen Provinz Judäa. Abgesehen von den biblischen Texten in den vier Evangelien ist historisch fast nichts von ihm bekannt. Weder kennen wir seinen Vornamen noch sein Geburtsjahr. Nach seinem Familiennamen "Pontius" entstammt er dem Geschlecht der Pontier, deren Herkunftsgebiet am Golf von Neapel zu suchen ist. Der Beiname Pilatus lässt sich am ehesten von dem Wort "pilum" - Speer - herleiten. Zum Präfekten ernannt wurde Pilatus von Seianus, einem Vertrauten von Kaiser Tiberius, was eher ungewöhnlich ist. Üblicherweise ernannte nämlich der Kaiser die Präfekten persönlich. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass Pilatus seine Provinz volle 10 Jahre verwalten konnte, woraus man wohl ableiten darf, dass er in dieser damals sehr unruhigen Region offenbar seine Sache nicht schlecht gemacht hat. Im Jahre 36 n. Chr. wurde er durch den Legaten von Syrien, Vitellius, abberufen und nach Rom zurückgeschickt. Vermutlich war Anlass die gewaltsame Verhinderung eines Pilgerzuges von Samaritanern zu ihrem heiligen Berg, wofür er sich vor Kaiser Tiberius rechtfertigen sollte. Da Tiberius bei Eintreffen von Pilatus in Rom aber nicht mehr am Leben war, ist unklar, ob das Verfahren jemals stattgefunden hat. Auf jeden Fall verliert sich die Spur von Pilatus danach im Dunkel der Geschichte. Auch sein Sterbedatum kennen wir nicht - auch wenn es zahlreiche Legenden über Herkunft und Hingang des Pilatus gibt. Jedoch wurde 1961 im antiken Caesarea Maritima, also an seinem Dienstsitz, eine Steintafel gefunden, auf der der Name des Pilatus zu finden ist. Dies ist, mit Ausnahme eines Einzeilers in den Annalen des Tacitus, der einzige außerbiblische Nachweis für die Anwesenheit des Pilatus in Judäa.

Quirinius

Publius Sulpicius Quirinius, ca. 45 v. Chr. - 21 n. Chr., römischer Senator und von 6 n. Chr. - 12 n. Chr. Statthalter von Syrien. Er führte auf Anordnung von Kaiser Augustus im Jahr 6 n. Chr. in der nach der Absetzung von Herodes Archelaus neu unter römische Direktverwaltung gelangten Provinz Judäa eine Volkszählung und Steuerschätzung durch. Da die Steuern in römischer Währung zu entrichten waren und auf den Münzen der als Gottheit dargestellte römische Kaiser abgebildet war, stieß diese Maßnahme auf großen Widerstand in der Bevölkerung und hatte letztendlich die Bildung der paramilitärischen Widerstandsbewegung der Zeloten zur Folge.

Qumran

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Qumran - Foto: Marieluise Gallinat-Schneider

Khirbet Qumran ("die graue Ruine") ist eine antike Siedlung auf einem natürlichen Plateau nordwestlich des Toten Meeres, gegründet zwischen 134 und 104 v. Chr. an einer seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. zeitweise besiedelten Stelle an der Kreuzung dreier Straßen. Von Qumran sind es 25 km nach Jerusalem im Westen, 15 km nach Jericho im Norden und 32 km nach En Gedi im Süden. Im Jahr 68 n. Chr. wurde die Siedlung von der 10. römischen Legion zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. Nach dem Fund der Schriftrollen in 11 Felshöhlen in der näheren Umgebung zwischen 1947 und 1956 wurde die Anlage zwischen 1951 und 1958 vollständig freigelegt. Die Deutung der Funde und ihr Zusammenhang mit den Schriftrollen ist bis heute stark umstritten. So widersprechen beispielsweise zahlreiche Skelette von Frauen und Kindern sowie Münzen und Speerspitzen der vom Erstausgräber Roland de Vaux vertretenen Theorie eines Essener- Klosters. Mittlerweile werden auch die Theorien diskutiert, Qumran sei eine Festung, eine Schriftrollen-Produktionsstätte oder ein Handelsknotenpunkt in einer Oase an der Straßenkreuzung gewesen. Dass man in Qumran Schriftrollen gefunden hat, muss nicht bedeuten, dass dieselben dort auch entstanden sind. Auch in Deutschland kamen während des 2. Weltkrieges viele wichtige Kulturgüter in Minen, Stollen und Bergwerke. Von daher ist die Theorie, dass der Fund etwa der sogenannten Sektenregel in Qumran Hinweis auf eine dort existierende klösterliche Gemeinschaft sein müsse, nur schwach untermauert. Die Leute, die in Qumran lebten, müssen diese Rollen nicht angefertigt haben. Auf jeden Fall kann angenommen werden, dass Qumran durch seine Lage an einer wichtigen Straßen-Kreuzung keinesfalls ein einsamer Ort in der Wüste war.

Sadduzäer

Klerikal-aristokratische Partei der wohlhabenden Bürgerschaft, die aus ihren Reihen die Jerusalemer Tempelpriesterschaft stellte und für das religiöse und politische Leben zur Zeit Jesu bestimmend war. Die Begriffsherkunft "Sadduzäer" ist nicht eindeutig zu klären. Eine mögliche Herleitung bezieht sich auf den Priester Zadok, der der erste "kohen gadol" (Hohepriester) des salomonischen Tempels war. Genauso lässt sich der Begriff von der Bedeutung von "zadok" - "gerecht" herleiten, somit wären die Sadduzäer die "Gerechten". Sie erkannten als einzige Grundlage für das Leben des Menschen die fünf Bücher Mose an. Alle anderen schriftlichen und mündlichen Überlieferungen außerhalb der Torah lehnten sie strikt ab und beharrten auf einer buchstabengetreuen Befolgung des Gesetzes. So konservativ sie nach innen waren und versuchten, vom klerikalen Gottesstaat zu retten was zu retten war, so anpassungsfähig zeigten sie sich nach außen, wo sie die Souveränität der Besatzer respektierten und dem Hellenismus, der fremden griechischen Lebensart, gegenüber offen waren. Theologisch standen sie in scharfer Opposition zu den Pharisäern, da diese unter anderem auch Überlieferungen außerhalb der Torah als bindend ansahen, wie auch zu den Essenern, von denen sie aufgrund von "Sittenlosigkeit" und mangelnder Strenge in Glaubensdingen für den Niedergang Israels verantwortlich gemacht wurden. Die Glaubensvorstellung der Sadduzäer unterscheidet sich signifikant von derjenigen anderer jüdischer Gruppen: So glauben sie nicht an ein Leben nach dem Tod. Es gibt für sie keine unsterbliche Seele; auch gibt es kein Schicksal; der Mensch hat die freie Entscheidung zwischen Gut und Böse; es gibt weder Belohnung noch Bestrafung nach dem Tod. Gerade die Ablehnung der Auferstehung war eine Quelle steter Streitigkeiten mit den Pharisäern - aber auch mit frühen Christen. So geriet auch Jesus in Konflikt mit den Sadduzäern, allein schon wegen seiner Kritik am Gesetz und am Umgang mit dem Gesetz. Mit der Zerstörung des Tempels verloren die Sadduzäer ihre Bedeutung.

Sanhedrin/Synhedrion

"Der Hohe Rat" ist zur Zeit Jesu die oberste jüdische Verwaltungs- und Gerichtsbehörde. Vorsitzender des 71-köpfigen Gremiums ist der amtierende Hohepriester. Mitglieder sind Priester, jüdische Älteste und Schriftgelehrte - vorwiegend Sadduzäer, die aus der Oberschicht kamen. Zur Zeit Jesu konnte die römische Besatzungsmacht jederzeit in die Rechte des Sanhedrin eingreifen. Ob der Sanhedrin das Recht hatte, Todesurteile auszusprechen, ist umstritten.

Sikarier

Vom Lateinischen sica = Dolch ("Sicarii" bedeutet demnach soviel wie "Dolchmänner"). Sie waren eine besonders radikale zelotische Gruppe, die den Aufstand gegen Rom massiv vorantrieb. Sie kämpften auch nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. noch weiter und verschanzten sich auf der Bergfeste Masada.

Tiberias

befindet sich in Galiläa im Norden Israels am Westufer des Sees Genesareth, der deshalb auch "See von Tiberias" genannt wird. Gegründet wurde die Stadt im Jahr 17 n. Chr. von Herodes Antipas, dem Tetrarchen von Galiläa, und erhielt ihren Namen zu Ehren des römischen Kaisers Tiberius. Ab dem Jahr 19 machte Antipas Tiberias zur Hauptstadt von Galiläa. Heute heißt die Stadt Twerja, bzw. arabisch Tabariya.

Zeloten

(griechisch) "Eiferer" - Eine von Judas von Galiläa und dem Priester Zaduk im Jahr 6 n. Chr. gegründete paramilitärische Widerstandsbewegung gegen die römische Besatzung. Ihrer Ansicht nach dulde das Gottes-Königtum keine andere Herrschaft in Israel neben sich. Deshalb sei es legitim, gegen die Römer vorzugehen. So verübten die den Zeloten zugerechneten Sikarier Messerattentate auf römische Soldaten und Zivilisten sowie auf Griechen und jüdische Kollaborateure. Die meisten Zeloten fanden während des Aufstands gegen die Römer ab dem Jahr 66 n. Chr. und der folgenden Schlacht um Jerusalem im Jahr 70 n. Chr. den Tod.

Zöllner

Die Römer verpachteten den "Zoll" an Einheimische. Diese Zollpächter hatten für die Besatzungsmacht Steuern und Abgaben einzutreiben. Ihren Lebensunterhalt bestritten sie durch Aufschläge auf die Abgabensätze, was ihnen ein deutlich höheres Einkommen bescherte als der übrigen Bevölkerung. Deshalb waren sie der Bevölkerung als Kollaborateure verhasst. Gleichzeitig galten sie religiös als Sünder, da sie durch Raub und Beihilfe zum Raub das Gesetz übertraten und sich am Volk Israel bereicherten. Mit Zöllnern verkehrte man nicht, um nicht selbst vor dem Gesetz unrein zu werden.