... auf der Spur Jesu - Die Texte des Begleitheftes
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... auf der Spur Jesu

Dokumentation eines gemeinsamen Weges in zwei Bruchsaler Gemeinden

"... per Anhalter durchs Evangelium"

Gertrud Willy und Olaf Bühler, Mitglieder aus den Gemeinden, haben die Teilnehmenden des Prozesses jeden Tag mit einem Impuls zu einem Abschnitt aus den Evangelien begleitet. Der Titel dieser Reihe, die allmorgendlich per Mail ins Haus flatterte, war - wie wohl unschwer zu erkennen ist - vom Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" inspiriert.

Die jeweiligen Inpulse sind hier dokumentiert. Sofern nicht anders vermerkt, sind sie von den beiden selbst verfasst.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 101

Mi., 27. Februar

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 9, 14-29:

14 Als sie zu den anderen Jüngern zurückkamen, sahen sie eine große Menschenmenge um sie versammelt und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten.1 15 Sobald die Leute Jesus sahen, liefen sie in großer Erregung auf ihn zu und begrüßten ihn. 16 Er fragte sie: Warum streitet ihr mit ihnen? 17 Einer aus der Menge antwortete ihm: Meister, ich habe meinen Sohn zu dir gebracht. Er ist von einem stummen Geist besessen; 18 immer wenn der Geist ihn überfällt, wirft er ihn zu Boden und meinem Sohn tritt Schaum vor den Mund, er knirscht mit den Zähnen und wird starr. Ich habe schon deine Jünger gebeten, den Geist auszutreiben, aber sie hatten nicht die Kraft dazu. 19 Da sagte er zu ihnen: O du ungläubige Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn zu mir! 20 Und man führte ihn herbei. Sobald der Geist Jesus sah, zerrte er den Jungen hin und her, sodass er hinfiel und sich mit Schaum vor dem Mund auf dem Boden wälzte. 21 Jesus fragte den Vater: Wie lange hat er das schon? Der Vater antwortete: Von Kind auf; 22 oft hat er ihn sogar ins Feuer oder ins Wasser geworfen, um ihn umzubringen. Doch wenn du kannst, hilf uns; hab Mitleid mit uns! 23 Jesus sagte zu ihm: Wenn du kannst? Alles kann, wer glaubt. 24 Da rief der Vater des Knaben: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 25 Als Jesus sah, dass die Leute zusammenliefen, drohte er dem unreinen Geist und sagte: Ich befehle dir, du stummer und tauber Geist: Verlass ihn und kehr nicht mehr in ihn zurück! 26 Da zerrte der Geist den Knaben hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Er lag da wie tot, sodass alle Leute sagten: Er ist gestorben. 27 Jesus aber fasste ihn an der Hand und richtete ihn auf und er erhob sich. 28 Jesus trat in das Haus und seine Jünger fragten ihn, als sie allein waren: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben? 29 Er antwortete ihnen: Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden.
(Mk 9, 14-29)

Zwei Wege
der eine führt zu nichts:
Aufgeben
zweifeln
und womöglich noch drüber streiten
warum es nicht gelungen ist.
Der stumme Geist quält weiter.

Anders der zweite:
Sich nicht beirren lassen
das glauben was man tut
und der Geist muss weichen.

"Alles kann, wer glaubt"

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 102

Do., 28. Februar

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 9, 30-37:

30 Sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa. Er wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; 31 denn er belehrte seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten; doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen. 32 Aber sie verstanden das Wort nicht, fürchteten sich jedoch, ihn zu fragen.
(Mk 9, 30-37)

Habe ich das immer falsch verstanden?
Ist das am Ende gar keine "Strafe":
wer der Erste sein will, wird ganz nach hinten gesetzt?

Es könnte auch etwas anderes sein:
Ein "so geht's".
Nicht mit "Ich bin aber toller als Du."
Sondern:
"Wenn Du bereit bist, der Diener aller zu sein
und Dich wie den letzten behandeln zu lassen,
dann wirst Du in Wirklichkeit dort ankommen, wo es Dir gut sein wird.
Kein anderer Weg führt dahin."
Könnte es so richtiger verstanden sein?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 103

Fr., 1. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 9, 38-50:

38 Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. 39 Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen eine Machttat vollbringt, kann so leicht schlecht von mir reden. 40 Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. 41 Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört - Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen. 42 Wer einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Ärgernis gibt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.3 43 Wenn dir deine Hand Ärgernis gibt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. 44 4 45 Und wenn dir dein Fuß Ärgernis gibt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, lahm in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. 46 5 47 Und wenn dir dein Auge Ärgernis gibt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. 49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. 50 Das Salz ist etwas Gutes. Wenn das Salz die Kraft zum Salzen verliert, womit wollt ihr ihm seine Würze wiedergeben? Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!
(Mk 9, 38-50)

Ich soll nicht meine Hand abhacken, aber das was an Schlechtigkeit durch meine Hand verursacht wird, das gilt es aus meinem Leben herausreißen. Die Schläge, die ich an andere austeile, ob mit Händen oder mit Worten, die Tritte, die ich verteile und vor allem auch die Schritte, die ich gehe, um mich vor meiner Verantwortung zu drücken - alles, was anderen das Leben schwer macht, gilt es auszumerzen.
Um alles, was Augen anrichten können, geht es Jesus: Um all den Neid, der aus den Augen schaut; um das Schielen auf persönlichen Vorteil, den meine Blicke verraten, und um das nur noch darauf bedacht sein, wie ich den Konkurrenten ausstechen und andere übers Ohr hauen kann - darum geht es ihm.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 27.03.2003

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 104

Sa., 2. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10, 1-12:

1 Von dort brach Jesus auf und kam nach Judäa und in das Gebiet jenseits des Jordan. Wieder versammelten sich viele Leute bei ihm und er lehrte sie, wie er es gewohnt war. 2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus der Ehe zu entlassen? Damit wollten sie ihn versuchen. 3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 4 Sie sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. 5 Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. 6 Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. 7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen1 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. 10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
(Mk 10, 1-12)

Ehebruch also.
Entschieden als unverzeihlich, ein für alle Mal, für alle Fälle.
Sache geschlossen.

Hat er das sonst je getan:
umfassende, unbeugsame, endgültige Regeln aufgestellt?

Oder hat er auch hier nur die an ihn gestellte
und auf einen bestimmten Sachverhalt bezogene
Frage beantwortet:
"Darf ich
leichtfertig, ohne Not jemanden wegschicken?"

Gibt er damit auch eine Antwort darauf
wie es mit Not wäre?

Wenn ich ihn heute frage würde
in meinem Fall
- was würde er mir sagen?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 105

So., 3. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10, 13-16:

13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. 14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. 15 Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.
(Mk 10, 13-16)

Wie ein Kind:
neugierig
offen
geradeheraus
ehrlich
unverfälscht
ganz im Hier und Jetzt

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 106

Mo., 4. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10, 17-27:

17 Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? 18 Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer der eine Gott. 19 Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre deinen Vater und deine Mutter! 20 Er erwiderte ihm: Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. 21 Da sah ihn Jesus an, umarmte ihn und sagte: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du hast, gib es den Armen und du wirst einen Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach! 22 Der Mann aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen. 23 Da sah Jesus seine Jünger an und sagte zu ihnen: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! 24 Die Jünger waren über seine Worte bestürzt. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Meine Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen! 25 Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. 26 Sie aber gerieten über alle Maßen außer sich vor Schrecken und sagten zueinander: Wer kann dann noch gerettet werden? 27 Jesus sah sie an und sagte: Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.
(Mk 10, 17-27)

Was der Mann aus dem heutigen Evangelium im Sinn hatte, das war von Anfang an unsinnig. Er wollte alles aus eigener Vollkommenheit heraus bewerkstelligen. Das aber funktioniert nicht. Jesus macht dies klar. Und ich glaube, irgendwo hat der Mann das jetzt auch begriffen.
Es wäre ihm zu wünschen, denn wenn er es begriffen hat, dann hat er das Leben, um das er sich ein Leben lang gemüht hat, wirklich gewonnen; denn dann hat er erkannt, dass er sich genau dieses Leben, das vollkommene, das ewige Leben, dass er sich dieses Leben eben nicht verdienen - dass man es sich von diesem Gott aus unendlicher Liebe nur schenken lassen kann.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 12. Oktober 2003

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 107

Di., 5. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10,28-34:

28 Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat, 30 wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben. 31 Viele Erste werden Letzte sein und die Letzten Erste. 32 Während sie auf dem Weg hinauf nach Jerusalem waren, ging Jesus voraus. Die Leute wunderten sich über ihn, die ihm nachfolgten aber hatten Angst. Da versammelte er die Zwölf wieder um sich und kündigte ihnen an, was ihm bevorstand. 33 Er sagte: Siehe, wir gehen nach Jerusalem hinauf; und der Menschensohn wird den Hohepriestern und den Schriftgelehrten ausgeliefert; sie werden ihn zum Tod verurteilen und den Heiden ausliefern; 34 sie werden ihn verspotten, anspucken, geißeln und töten. Und nach drei Tagen wird er auferstehen.
(Mk 10,28-34)

Also doch nur wieder das Gleiche?
Das Wenige investieren
und dafür das Viele gewinnen
die enorme Rendite
keine läppischen 20 Prozent - nein.
Hundertfach, mit unüberbietbarem Surplus.

Und wenn der Gewinn
bereits und abschließend im Loslassen liegt?
All dessen, von dem ich bisher überzeugt war
dass es mein Sein ausmacht?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 108

Mi., 6. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10, 35-45:

35 Da traten Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, zu ihm und sagten: Meister, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst. 36 Er antwortete: Was soll ich für euch tun? 37 Sie sagten zu ihm: Lass in deiner Herrlichkeit einen von uns rechts und den andern links neben dir sitzen! 38 Jesus erwiderte: Ihr wisst nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde? 39 Sie antworteten: Wir können es. Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr werdet den Kelch trinken, den ich trinke, und die Taufe empfangen, mit der ich getauft werde. 40 Doch den Platz zu meiner Rechten und zu meiner Linken habe nicht ich zu vergeben; dort werden die sitzen, für die es bestimmt ist. 41 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und ihre Großen ihre Macht gegen sie gebrauchen. 43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, 44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
(Mk 10, 35-45)

Die beiden wollen es zu etwas bringen
ganz hoch hinaus
ganz nach oben
Karriere machen

Jesus sagt
wie viel das kostet
wie viel sie dafür in Kauf nehmen müssen

Und eine Gewähr dort anzukommen
haben sie trotz allem nicht

Die Plätze
vergibt ein anderer

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 109

Do., 7. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 10, 46-52:

46 Sie kamen nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ, saß am Weg ein blinder Bettler, Bartimäus, der Sohn des Timäus. 47 Sobald er hörte, dass es Jesus von Nazaret war, rief er laut: Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir! 48 Viele befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! 49 Jesus blieb stehen und sagte: Ruft ihn her! Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm: Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich. 50 Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu. 51 Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tue? Der Blinde antwortete: Rabbuni, ich möchte sehen können.2 52 Da sagte Jesus zu ihm: Geh! Dein Glaube hat dich gerettet. Im gleichen Augenblick konnte er sehen und er folgte Jesus auf seinem Weg nach.
(Mk 10, 46-52)

Also dümmer kann man fast nicht fragen. Alle Welt wusste doch, was dieser Bettler wollte. Er wollte genauso sein, wie all die anderen, er wollte glücklich sein können, auch seinen Teil von den schönen Seiten des Lebens mitbekommen, in Frieden und ohne Sorgen leben können, gesund und zufrieden sein. Wie konnte Jesus da nur so eine saublöde Frage stellen?

Nun, Vielleicht musste er sie stellen. Vielleicht musste er sie stellen, um eine Antwort zu geben. Eine Antwort auch auf die Zweifel der Babette. Mit dieser einfachen Frage macht Jesus für mich nämlich dem Bartimäus eine Fülle von Dingen gleichzeitig klar. Es ist so, wie wenn er ihm sagen würde: "Erwarte bitte nicht, dass ich jetzt anfange irgendetwas zu tun. Du glaubst doch nicht etwa, dass es gut für dich wäre, wenn ich jetzt den Himmel und die Sterne durcheinanderwirbeln würde, wenn ich mit einem Schlag all deine Probleme aus dem Leben ausradieren würde. Wäre es wirklich gut für dich, wenn ich dir dein Leben leben würde? Das ist dein Leben, du musst es leben und du kannst es auch! Du darfst dich nur nicht hinsetzen und auf mich warten! Schau ruhig auf dich, was willst du?"

Ich kann mir gut vorstellen, wie hilflos und verdattert der Bartimäus jetzt dasteht, wie er ganz kleinlaut sagt: "Aber Herr, ich muss doch wieder sehen können!" Und es ist mir, wie wenn Jesus jetzt sagen würde: "Bartimäus, es ist doch schon alles getan. Schau, du hast dich gefragt, was du tun musst, was du selber tun kannst. Und du hast daraufhin angefangen loszuschreien, hast dich gegen alle Widerstände bis hierher durchgeschlagen. Alles wichtige ist bereits getan. Du hast es getan! Da, wo du dein Leben lebst, wo du alles tust, was zu Tun in deiner Macht steht, da bin ich zusammen mit dir am Werk. Und da leg ich sozusagen noch drauf, was du zu leisten nicht imstande bist. Geh, dein Handeln aus dem Glauben heraus hat dir schon lange geholfen. Du selbst hast gemacht, dass ich dir schon lange geholfen habe." Und in diesem Augenblick merkte Bartimäus, begriff Bartimäus erst dass schon alles geschehen war, dass er bereits ja wieder sehen konnte.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 27. Oktober 1991

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 110

Fr., 8. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 11, 1-11:

1 Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte er zwei seiner Jünger aus. 2 Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr ein Fohlen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet es los und bringt es her! 3 Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht es; er lässt es bald wieder zurückbringen. 4 Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße ein Fohlen angebunden und sie banden es los. 5 Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, das Fohlen loszubinden? 6 Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren. 7 Sie brachten das Fohlen zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. 8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. 9 Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! 10 Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! 11 Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.
(Mk 11, 1-11)

Auf einem geklauten Esel
reitet Jesus
nicht auf einem großen Pferd
mit seinem Kommen
rechnet anscheinend auch niemand so wirklich
nichts vorbereitet
kein großer Empfang
die Menschen die bei ihm sind
tun alles um ihm einen zu machen

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 111

Sa., 9. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 11, 12-26:

12 Als sie am nächsten Tag Betanien verließen, hatte er Hunger. 13 Da sah er von Weitem einen Feigenbaum mit Blättern und ging hin, um nach Früchten zu suchen. Aber er fand nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigenernte. 14 Da sagte er zu ihm: In Ewigkeit soll niemand mehr eine Frucht von dir essen. Und seine Jünger hörten es. 15 Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um 16 und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug. 17 Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. 18 Die Hohepriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil das Volk außer sich war vor Staunen über seine Lehre. 19 Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt. 20 Als sie am nächsten Morgen an dem Feigenbaum vorbeikamen, sahen sie, dass er bis zu den Wurzeln verdorrt war. 21 Da erinnerte sich Petrus und sagte zu Jesus: Rabbi, sieh doch, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. 22 Jesus sagte zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 23 Amen, ich sage euch: Wenn jemand zu diesem Berg sagt: Heb dich empor und stürz dich ins Meer! und wenn er in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dann wird es geschehen. 24 Darum sage ich euch: Alles, worum ihr betet und bittet - glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil. 25 Und wenn ihr beten wollt und ihr habt einem anderen etwas vorzuwerfen, dann vergebt ihm, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. [26 Wenn ihr aber nicht vergebt, dann wird euch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen auch nicht vergeben.]
(Mk 11, 12-26)

Einen Baum verdorren lassen
nur durch mein Wort
oder einen Berg sich ins Meer stürzen lassen -
das wird mir wohl nicht gelingen.
Sagen wir orientalische Bildsprache.

Was er aber sagen will
bleibt übrig:
Du - ich, jeder von uns - vermagst viel mehr
als Du vermutest
Du kannst auch
was vollkommen unmöglich scheint
Glaube es einfach
und Du wirst ihn
an Deiner Seite haben

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 112

So, 10. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 11, 27-33:

27 Sie kamen wieder nach Jerusalem. Als er im Tempel umherging, kamen die Hohepriester, die Schriftgelehrten und die Ältesten zu ihm 28 und fragten ihn: In welcher Vollmacht tust du das? Wer hat dir diese Vollmacht gegeben, das zu tun? 29 Jesus sagte zu ihnen: Ich will euch eine Frage stellen. Antwortet mir, dann werde ich euch sagen, in welcher Vollmacht ich das tue. 30 Stammte die Taufe des Johannes vom Himmel oder von den Menschen? Antwortet mir! 31 Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32 Sollen wir also antworten: Von den Menschen? Sie fürchteten sich aber vor den Leuten; denn alle hielten Johannes wirklich für einen Propheten. 33 Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Jesus erwiderte: Dann sage auch ich euch nicht, in welcher Vollmacht ich das tue.
(Mk 11, 27-33)

Klingt trotzig.
"Antwortet Ihr mir nicht, werde auch ich Euch nicht sagen
was Ihr von mir wissen wollt."

Aber ist es das, was er sagen will?
Oder ist es vielmehr
"Wozu dieses Taktieren?
Alle Seiten offen halten?
Bloss nicht festlegen?
Zu nichts bekennen?
Immer nur Halbheit
damit gibt er sich nicht zufrieden.
Also andersrum.
"Antworte Du mir.
Sag mir, wo Du stehst.
Riskiere, falsch zu liegen.
Antworte nicht am Zweck ausgerichtet.
Dann wird auch meine Antwort da sein."

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 113

Mo, 11. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 1-12:

1 Jesus begann zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mann legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. 2 Als nun die Zeit dafür gekommen war, schickte er einen Knecht zu den Winzern, um bei ihnen seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs holen zu lassen. 3 Sie aber packten und prügelten ihn und jagten ihn mit leeren Händen fort. 4 Darauf schickte er einen anderen Knecht zu ihnen; und ihn schlugen sie auf den Kopf und entehrten ihn. 5 Als er einen dritten schickte, brachten sie ihn um. Ähnlich ging es vielen anderen; die einen wurden geprügelt, die andern umgebracht. 6 Schließlich blieb ihm nur noch einer: sein geliebter Sohn. Ihn sandte er als Letzten zu ihnen, denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. 7 Die Winzer aber sagten zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, dann gehört sein Erbe uns. 8 Und sie packten ihn und brachten ihn um und warfen ihn aus dem Weinberg hinaus. 9 Was wird nun der Besitzer des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Winzer vernichten und den Weinberg anderen geben. 10 Habt ihr nicht das Schriftwort gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; 11 vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen? 12 Daraufhin hätten sie Jesus gern verhaften lassen; aber sie fürchteten die Menge. Denn sie hatten gemerkt, dass er mit diesem Gleichnis sie meinte. Da ließen sie ihn stehen und gingen weg.
(Mk 12, 1-12)

Haben sie wirklich gedacht
wenn der Sohn weg ist
gehört alles ihnen?
Haben sie wirklich gedacht
die Geduld des Verpächters
ist unendlich?
Und wie ist das mir unserem Weinberg?
Hier?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 114

Di, 12. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 13-17:

13 Einige Pharisäer und einige Anhänger des Herodes wurden zu Jesus geschickt, um ihn mit einer Frage in eine Falle zu locken. 14 Sie kamen zu ihm und sagten: Meister, wir wissen, dass du die Wahrheit sagst und auf niemanden Rücksicht nimmst; denn du siehst nicht auf die Person, sondern lehrst wahrhaftig den Weg Gottes. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? 15 Er aber durchschaute ihre Heuchelei und sagte zu ihnen: Warum versucht ihr mich? Bringt mir einen Denar, ich will ihn sehen. 16 Man brachte ihm einen. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. 17 Da sagte Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört! Und sie waren sehr erstaunt über ihn.
(Mk 12, 13-17)

Ganz schön knifflig, dieser Dualismus.

Dem Kaiser, was dem Kaiser gehört
und Gott, was Gott gehört. Was aber ist das, was Gott gehört?

Augenscheinlich - wenn ich den Dualismus richtig verstehe nichts, was ich in der Tasche mit mir herumtrage.
Aber es muss doch etwas geben, denn sonst hätte Jesus diese Gegenüberstellung nicht wählen können. Er wird kaum von etwas gesprochen haben, können, dass er gleichsam dem, was dem Kaiser gehört, nur "theoretisch" gegenüberstellt, das es aber tatsächlich gar nicht gibt.

Es ist nur ein Gedanke: wenn es das, was wir mit uns herumtragen, in den Taschen, auf dem Körper,.... wenn es das Äußere also nicht ist, was Gott gehört: ist es möglicherweise das "Innere", bin ich es, ist es das, was mich ausmacht, das ich Gott zu geben habe - mich selbst, so wie er mich gewollt hat und noch will, ganz mich, mit allem, was dazu gehört, ohne Wenn und Aber?
"Du gehörst mir - zu mir. Sei genau Du. Das will ich von Dir."

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 115

Mi, 13. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 18-27:

18 Von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, kamen einige zu Jesus und fragten ihn: 19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen. 20 Es lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen. 21 Da nahm sie der zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der dritte. 22 Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als letzte von allen starb die Frau. 23 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt. 24 Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes. 25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie Engel im Himmel. 26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs? 27 Er ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.
(Mk 12, 18-27)

Fast wie bei den Crash Test Dummies, in deren Lied "God shuffled his feet" jemand Gott bei einem Wochenendpicknick nach Erschaffung der Welt fragt "Wenn mir während meines Lebens mein Auge ausgestochen wird - wird es dann zusammen mit meiner Frau im Himmel auf mich warten?"

Eine "richtige" Antwort wie es sein wird haben wir nicht, gibt uns auch Jesus nicht. Er macht aber klar "Egal, wie Ihr es Euch vorstellt - es wird vollkommen anders sein als Ihr es kennt."

Kein Gott von Toten - Tote haben keinen Gott, brauchen keinen (mehr). Ein Gott von Lebenden: von Abraham, Isaak und Jakob. Die waren schon zu Mose' Zeiten nicht mehr "hier". Sondern "wie die Engel im Himmel". Kann ja wohl nur heißen: (wieder) mit Gott vereint, seiner teilhaftig.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 116

Do, 14. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 28-34:

28 Ein Schriftgelehrter hatte ihrem Streit zugehört; und da er bemerkt hatte, wie treffend Jesus ihnen antwortete, ging er zu ihm hin und fragte ihn: Welches Gebot ist das erste von allen? 29 Jesus antwortete: Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. 30 Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. 31 Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden. 32 Da sagte der Schriftgelehrte zu ihm: Sehr gut, Meister! Ganz richtig hast du gesagt: Er allein ist der Herr und es gibt keinen anderen außer ihm 33 und ihn mit ganzem Herzen, ganzem Verstand und ganzer Kraft zu lieben und den Nächsten zu lieben wie sich selbst, ist weit mehr als alle Brandopfer und anderen Opfer. 34 Jesus sah, dass er mit Verständnis geantwortet hatte, und sagte zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und keiner wagte mehr, Jesus eine Frage zu stellen.
(Mk 12, 28-34)

Keiner wagte es mehr, eine Frage zu stellen.
Er musste - "einfach", aber das mach' mal - eine verbindliche Antwort geben. Kein "kommt drauf an", kein "bedenke aber, dass...", keine political correctness.

Und doch: aus diesen zwei mageren Sätzen, was ist daraus geworden? Ein wie großer Wirrwarr an Ausnahmen, Fallstricken, Ausreden, Erklärungen, wenn und abers....

Zwei Sätze nur.
Und doch so schwer zu leben.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 117

Fr, 15. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 35-40:

35 Als Jesus im Tempel lehrte, sagte er: Wie können die Schriftgelehrten behaupten, der Christus sei der Sohn Davids? 36 Denn David hat, vom Heiligen Geist erfüllt, selbst gesagt: Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, bis ich dir deine Feinde unter die Füße lege! 37 David selbst also nennt ihn Herr. Wie kann er dann sein Sohn sein?Es war eine große Menschenmenge versammelt und hörte ihm mit Freude zu. 38 Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt, 39 und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. 40 Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
(Mk 12, 35-40)

Lange Gewänder
Lieben es, gegrüßt zu werden
Überall gern Ehrenplätze
Lange Gebete...

Aber es ist ja vorbei
das Konklave jedenfalls

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 118

Sa, 16. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 12, 41-44:

41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. 42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.1 43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. 44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.
(Mk 12, 41-44)

Was lobt Jesus denn an dieser Frau? Er sieht eine Witwe, die in den Tempel kommt, er sieht eine Frau, die etwas Gutes tun möchte, und er sieht eine Frau, die jetzt ohne zu rechnen, ohne auf sich selbst zu schielen, ohne jetzt doch nur wieder an sich selbst zu denken, einfach gibt. Und das ist es, das lobt er.
Wenn Du schenkst, dann tu es so, wie diese Frau. Denn sie hat beim Schenken jetzt nicht zuerst an sich gedacht, hat nicht gerechnet, ob sie sich das eigentlich leisten kann, ob Kosten und Nutzen im rechten Verhältnis zueinander stehen. Sie wollte geben, und sie gab was sie hatte. Und das heißt in diesem Zusammenhang nichts anderes als, sie gab ein Stück von sich.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 10. November 1991

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 119

So, 17. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 13, 1-13:

1 Als Jesus den Tempel verließ, sagte einer von seinen Jüngern zu ihm: Meister, sieh, was für Steine und was für Bauten! 2 Jesus sagte zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Kein Stein wird hier auf dem andern bleiben, der nicht niedergerissen wird. 3 Und als er auf dem Ölberg saß, dem Tempel gegenüber, fragten ihn Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas, die mit ihm allein waren: 4 Sag uns, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies alles sich vollenden soll? 5 Jesus sagte zu ihnen: Gebt Acht, dass euch niemand irreführt! 6 Viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! Und sie werden viele irreführen. 7 Wenn ihr von Kriegen hört und von Kriegsgerüchten, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende. 8 Denn Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben. Und an vielen Orten wird es Erdbeben und Hungersnöte geben. Doch das ist erst der Anfang der Wehen. 9 Ihr aber, gebt Acht auf euch selbst: Man wird euch um meinetwillen an die Gerichte ausliefern, in den Synagogen misshandeln und vor Statthalter und Könige stellen - ihnen zum Zeugnis. 10 Allen Völkern muss zuerst das Evangelium verkündet werden. 11 Und wenn man euch abführt und ausliefert, macht euch nicht im Voraus Sorgen, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde eingegeben wird, das sagt! Denn nicht ihr werdet dann reden, sondern der Heilige Geist. 12 Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder und die Kinder werden sich gegen ihre Eltern auflehnen und sie in den Tod schicken. 13 Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden; wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet werden.
(Mk 13,1-13)

Standhaft bleiben
bis zum Ende
sich nicht verunsichern lassen
bei dem bleiben, was man für richtig erkannt hat
auch gegen die Widerstände
derer, die es "besser" zu wissen meinen

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 120

Mo, 18. März

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Mk 13,14-27:

14 Wenn ihr aber den Gräuel der Verwüstung an dem Ort seht, wo er nicht stehen darf - der Leser begreife - , dann sollen die Bewohner von Judäa in die Berge fliehen; 15 wer gerade auf dem Dach ist, soll nicht hinabsteigen und hineingehen, um etwas aus seinem Haus zu holen; 16 und wer auf dem Feld ist, soll nicht zurückkehren, um seinen Mantel zu holen. 17 Weh aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind oder ein Kind stillen! 18 Betet darum, dass es nicht im Winter geschieht! 19 Denn jene Tage werden eine Drangsal sein, wie es sie nie gegeben hat, von Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat, bis heute, und wie es auch keine mehr geben wird. 20 Und wenn der Herr die Tage nicht verkürzt hätte, dann würde kein Mensch gerettet; aber um seiner Auserwählten willen hat er die Tage verkürzt. 21 Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Christus! oder: Seht, dort ist er!, so glaubt es nicht! 22 Denn es wird mancher falsche Christus und mancher falsche Prophet auftreten und sie werden Zeichen und Wunder wirken, um, wenn möglich, die Auserwählten irrezuführen. 23 Ihr aber, gebt Acht! Ich habe euch alles vorausgesagt. 24 Aber in jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen; 25 die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden. 26 Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit. 27 Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
(Mk 13,14-27)

Zusammenführen
von überall her
selbst von dort
wo man es nicht vermutet
nicht damit rechnet
es nicht erwartet