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... auf der Spur Jesu

Dokumentation eines gemeinsamen Weges in zwei Bruchsaler Gemeinden

"... per Anhalter durchs Evangelium"

Gertrud Willy und Olaf Bühler, Mitglieder aus den Gemeinden, haben die Teilnehmenden des Prozesses jeden Tag mit einem Impuls zu einem Abschnitt aus den Evangelien begleitet. Der Titel dieser Reihe, die allmorgendlich per Mail ins Haus flatterte, war - wie wohl unschwer zu erkennen ist - vom Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" inspiriert.

Die jeweiligen Inpulse sind hier dokumentiert. Sofern nicht anders vermerkt, sind sie von den beiden selbst verfasst.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 181

Sa., 18. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 12, 12-19:

12 Am Tag darauf hörte die große Volksmenge, die sich zum Fest eingefunden hatte, Jesus komme nach Jerusalem. 13 Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels! 14 Jesus fand einen jungen Esel und setzte sich darauf - wie es in der Schrift heißt: 15 Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt; er sitzt auf dem Fohlen einer Eselin. 16 Das alles verstanden seine Jünger zunächst nicht; als Jesus aber verherrlicht war, da wurde ihnen bewusst, dass es so über ihn geschrieben stand und dass man so an ihm gehandelt hatte. 17 Die Menge, die bei Jesus gewesen war, als er Lazarus aus dem Grab rief und von den Toten auferweckte, legte Zeugnis für ihn ab. 18 Ebendeshalb war die Menge ihm entgegengezogen, weil sie gehört hatte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sagten zueinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; alle Welt läuft ihm nach.
(Joh 12, 12-19)

Fronleichnam, vor ein paar Jahren, mein erstes und bisher einziges in Bruchsal. Ich denke, es waren viele auf dem Schloßplatz und auch viele bei der Prozession. Für mich war es ein eigenartiges Gefühl, dabei zu sein. Richtig viele schienen nämlich nicht dabei zu sein, sondern am Wegrand zu stehen, zu warten, bis sie weiterfahren können oder noch eindringlicher: als "Zuschauer", fragende Kinder, oder einfach neugierig, was da jetzt kommt. Da habe ich mich unwillkürlich gefragt, ob ich hier irgendwie zu seltenen Exoten gehöre.

Ich weiß, dass Fronleichnam mit dem Einzug in Jerusalem nicht so viel zu tun hat. Dennoch kam mir der Gedanke. Wer würde heute hingehen? Wer würde Jesus empfangen? Wer würde sich trauen? Wer gleich daheim bleiben aus lauter Peinlichkeit? Wer da sein, aber sich irgendwo bei den "Schaulustigen" verstecken? Und wo würde ich sein und mich auch noch wohl fühlen?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 182

So., 19. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 12, 20-26:

20 Unter den Pilgern, die beim Fest Gott anbeten wollten, gab es auch einige Griechen. 21 Diese traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und baten ihn: Herr, wir möchten Jesus sehen. 22 Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. 23 Jesus aber antwortete ihnen: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. 24 Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. 25 Wer sein Leben liebt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. 26 Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
(Joh 12, 20-26)

Ich weiß nicht, ob es das trifft, ob die Stelle mir das sagen will - aber der Gedanke ist da: ein paar Pilger von weit her, Griechen - warum wird das erwähnt? sind sie als Griechen etwas Besonderes? - wollen Jesus sehen, bitten darum, gleichsam "hinter die Bühne" zu dürfen, eine Sonderbehandlung zu bekommen.

Das macht er aber nicht mit. Er redet unerschüttert weiter zu denjenigen, die da sind - allen, auch den Griechen. Aber eben nicht exklusiv. Sie bekommen die gleiche Botschaft - auf dem gleichen Weg - wie alle.

Oder steckt da etwas ganz Anderes drin?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 183

Mo., 20. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 12, 27-36:

27 Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. 28 Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen. 29 Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: Es hat gedonnert. Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet. 30 Jesus antwortete und sagte: Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. 31 Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. 32 Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. 33 Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde. 34 Die Menge jedoch hielt ihm entgegen: Wir haben aus dem Gesetz gehört, dass der Christus bis in Ewigkeit bleiben wird. Wie kannst du sagen, der Menschensohn müsse erhöht werden? Wer ist dieser Menschensohn? 35 Da sagte Jesus zu ihnen: Nur noch kurze Zeit ist das Licht bei euch. Geht euren Weg, solange ihr das Licht habt, damit euch nicht die Finsternis überrascht! Wer in der Finsternis geht, weiß nicht, wohin er gerät. 36 Solange ihr das Licht bei euch habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne des Lichts werdet! Dies sagte Jesus. Und er ging fort und verbarg sich vor ihnen.
(Joh 12, 27-36)

Jesus unterwegs
zwischen Licht und Finsternis
die Sternstunden hinter sich
vor ihm der Abgrund
und er weist auf das Licht hin

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 184

Di., 21. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 12, 37-43:

37 Obwohl Jesus so viele Zeichen vor ihren Augen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn. 38 So sollte sich das Wort erfüllen, das der Prophet Jesaja gesprochen hat: Herr, wer hat unserer Botschaft geglaubt? Und der Arm des Herrn - wem wurde seine Macht offenbar? 39 Denn sie konnten nicht glauben, weil Jesaja an einer anderen Stelle gesagt hat: 40 Er hat ihre Augen blind gemacht und ihr Herz hart, damit sie mit ihren Augen nicht sehen und mit ihrem Herzen nicht zur Einsicht kommen, damit sie sich nicht bekehren und ich sie nicht heile. 41 Das sagte Jesaja, weil er Jesu Herrlichkeit gesehen hatte; über ihn nämlich hat er gesprochen. 42 Dennoch kamen sogar von den führenden Männern viele zum Glauben an ihn; aber wegen der Pharisäer bekannten sie es nicht offen, um nicht aus der Synagoge ausgestoßen zu werden. 43 Denn sie liebten die Ehre der Menschen mehr als die Ehre Gottes.
(Joh 12, 37-43)

Sie bekannten ihren Glauben nicht offen
ihr Ansehen bei den Menschen war ihnen wichtiger

Und heute?
Offen bekannt?
Oder doch eher heimlich versteckt?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 185

Mi., 22. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 12, 44-50:

44 Jesus aber rief aus: Wer an mich glaubt, glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat, 45 und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. 46 Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt. 47 Wer meine Worte nur hört und sie nicht befolgt, den richte nicht ich; denn ich bin nicht gekommen, um die Welt zu richten, sondern um die Welt zu retten. 48 Wer mich verachtet und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich gesprochen habe, wird ihn richten am Jüngsten Tag. 49 Denn ich habe nicht von mir aus gesprochen, sondern der Vater, der mich gesandt hat, hat mir aufgetragen, was ich sagen und reden soll. 50 Und ich weiß, dass sein Auftrag ewiges Leben ist. Was ich also sage, sage ich so, wie es mir der Vater gesagt hat.
(Joh 12, 44-50)

Ganz neuer Ton?
Das ewige Leben
nicht als Verheißung
sondern als Auftrag?
Klingt merkwürdig. Was sollte es
jemanden kümmern
ob ich ....?

So kenne ich es jedenfalls
aus dieser Welt
"jeder für sich" - in seiner eigenen Finsternis.
Aber da ist auch
das Licht.

Sag, Mensch:
Wagst Du, es zu sehen?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 186

Do., 23. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 13, 1-20:

1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung. 2 Es fand ein Mahl statt und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn auszuliefern. 3 Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, 4 stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. 5 Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. 6 Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? 7 Jesus sagte zu ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. 8 Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. 9 Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. 10 Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.1 11 Er wusste nämlich, wer ihn ausliefern würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. 12 Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? 13 Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. 14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. 15 Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. 16 Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. 17 Wenn ihr das wisst - selig seid ihr, wenn ihr danach handelt. 18 Ich sage das nicht von euch allen. Ich weiß wohl, welche ich erwählt habe, aber das Schriftwort muss sich erfüllen: Der mein Brot isst, hat seine Ferse gegen mich erhoben.2 19 Ich sage es euch schon jetzt, ehe es geschieht, damit ihr, wenn es geschehen ist, glaubt: Ich bin es. 20 Amen, amen, ich sage euch: Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
(Joh 13, 1-20)

Die Füße waschen
liegt es uns nicht näher, anderen den Kopf zu waschen?
Ihnen die Meinung zu sagen
Ihnen zeigen, wer hier der "Chef" ist
Oder wer recht hat?

Die Füße waschen
sich bücken
vor anderen knien

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 187

Fr., 24. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 13, 21-30:

21 Nach diesen Worten wurde Jesus im Geiste erschüttert und bezeugte: Amen, amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern. 22 Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte. 23 Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte. 24 Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche. 25 Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es? 26 Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. 27 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tue bald! 28 Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte. 29 Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen! oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben. 30 Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.
(Joh 13, 21-30)

Tu es bald
Es hat zu sein
so oder so
was hier für mich zu tun war
ist getan
eines noch
das Größte
das Schwerste

Damit Ihr vielleicht endlich doch noch erkennt
des Vaters Reich

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 188

Sa., 25. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 13, 31-38:

31 Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. 32 Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen. 33 Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. 34 Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. 35 Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. 36 Simon Petrus fragte ihn: Herr, wohin gehst du? Jesus antwortete ihm: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen. 37 Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben.
(Joh 13, 31-38)

"Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!" Mindestens einmal im Jahr hören wir diesen Satz, und das seit zweitausend Jahren. Und wir werden Ihn wohl noch eine ganze Zeitlang hören müssen, bis wir wirklich begriffen haben, von was für einer Liebe Jesus hier spricht.

Es ist nicht die distanzierte Liebe der Sonntagsreden, nicht ein wohlwollendes "auch-wieder-einmal-aneinander-Denken".

Jesus spricht von einer sehr konkreten Liebe, keiner Liebe, die sich hinter Mauern verschanzt oder Ozeane braucht, um den Abstand zu wahren, die Liebe, die Jesus meint, ist Nächsten-Liebe, eine Liebe, die den anderen an mich heranlässt, ihn zum Nächsten, zu einem nahen Menschen werden lässt. Eine Liebe, die Mauern durchbricht und Distanzen überwindet. Es ist die Liebe des Teilens und des Verzichtens um des anderen Willen, eine Liebe, die nicht am Status quo endet, sondern Veränderungen in Kauf nimmt, die nicht am Eigennutz halt macht, sondern nichts kennt, was über dem gemeinsamen Wohl – wohlgemerkt: dem gemeinsamen Wohl – stehen würde.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 10. Mai 1998

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 189

So., 26. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 14, 1-14:

1 Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich! 2 Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? 3 Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. 4 Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr. 5 Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? 6 Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. 9 Jesus sagte zu ihm: Schon so lange bin ich bei euch und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke. 11 Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, dann glaubt aufgrund eben dieser Werke! 12 Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere als diese vollbringen, denn ich gehe zum Vater. 13 Alles, um was ihr in meinem Namen bitten werdet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. 14 Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bitten werdet, werde ich es tun.
(Joh 14, 1-14)

Sterben als eine Art "Umzug"?
Und man weiß nicht einmal
wo genau das ist
wie es sein wird
wie es dort aussieht

Nur
dass es dort eine Wohnung gibt
dass sie vorbereitet ist
für einen jeden von uns.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 190

Mo., 27. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 14, 15-26:

15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Judas - nicht der Iskariot - fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen. 24 Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin. 26 Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Joh 14, 15-26)

Ich seh' uns schon dastehen und aufzählen: Tägliche Gebete nicht vergessen, sonn- und feiertags zur Kirche gehen, nicht naschen, die Fasttage halten, heilige Namen nicht verunehren...

Alles Gebote - Und es gibt so viele davon...

Als ob man diesem Katalog jemals gerecht werden könnte! Wer kann all die Gebote wirklich halten.

Aber nur wer sein Gebot hat und es hält ist der, der ihn liebt. So können wir es heute lesen.

Und nur wer ihn liebt, wird von seinem Vater geliebt werden - so hat er selber gesagt.

Ergo: Wer die Gebote nicht hält, wird von Gott auch nicht geliebt. So steht es doch da. Denn wenn a = b und b = c, dann gilt logischerweise auch a = c. Wie soll man diese Aussagen denn auch anders lesen. Deutlicher kann man es schließlich nicht sagen.

Und das heißt: düstere Aussichten! Düstere Aussichten für jeden und jede von uns! Denn im Ergebnis hieße das ja: Im Gebote halten versagt und deshalb von Gott nicht geliebt. Und wenn dem so wäre, dann könnten wir gleich einpacken, nach Hause gehen und "Auf Wiedersehen in der Hölle". Das wäre die bittere Quintessenz des heutigen Evangeliums. Und ich bin mir durchaus bewusst, dass der ein oder die andere sie genau so zieht.

Aber es ist nicht so!

Die Vorstellung, als müsste ich mir die Liebe Gottes durch die Befolgung möglichst vieler Gebote erst verdienen, ist völlig daneben. Und sie wird dadurch nicht richtiger, dass die Worte des Evangeliums immer wieder in diese Richtung missverstanden werden.
Schauen wir auf das, was Jesus nie müde geworden ist zu betonen: dass Gott nämlich die Liebe ist und dass seine Liebe nicht berechnend ist, nicht rechnend und auch nicht aufrechnend. Gott liebt mit einer Liebe, die man sich nicht verdienen kann, ja nicht einmal zu verdienen braucht. Denn seine Liebe ist mir schon lange geschenkt, und sie ist mir bedingungslos geschenkt. Ich kann und ich muss sie ganz einfach nur annehmen.
Aber weiterschenken, weiterschenken kann man diese Liebe. Und genau das und nichts anderes erwartet Jesus von uns.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 26./27. April 2008

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 191

Di., 28. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 14, 27-31:

27 Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. 28 Ihr habt gehört, dass ich zu euch sagte: Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe; denn der Vater ist größer als ich. 29 Jetzt schon habe ich es euch gesagt, bevor es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, zum Glauben kommt. 30 Ich werde nicht mehr viel zu euch sagen; denn es kommt der Herrscher der Welt. Über mich hat er keine Macht, 31 aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat. Steht auf, wir wollen von hier weggehen!
(Joh 14, 27-31)

Frieden, nicht wie die Welt ihn gibt
Frieden, wie er ihn gibt
ש ל ו ם

der hebräische Begriff für Frieden:
nicht nur die Abwesenheit von Krieg und Unglück
sondern
umfassendes Wohlergehen

"der Friede, der allein versöhnt und stärkt, der uns beruhigt und unser Gesichtsbild aufhellt, uns von Unrast und von der Knechtung durch unbefriedigte Gelüste frei macht, uns das Bewusstsein des Erreichten gibt, das Bewusstsein der Dauer, inmitten unserer eigenen Vergänglichkeit und der aller Äußerlichkeiten."

Claude J. G. Montefiore: 1858–1938, jüdischer Gelehrter und Gründer der World Union for Progressive Judaism)

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 192

Mi., 29. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 15, 1-8:

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein kraft des Wortes, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir und ich bleibe in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so auch ihr, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.
(Joh 15, 1-8)

Jesus hat ja nicht gesagt, betet mich an, er sagte: Bleibt in mir! Aber was heißt das?
Ich glaube es hat etwas mit "in der Spur bleiben" zu tun. Dieser Ausdruck bringt mich einer Antwort etwas näher. Wer in Christus bleiben will, der muss in seiner Spur bleiben, der muss seine Spur weiter verfolgen, sich an ihm orientieren, sich sein Leben zum Maßstab nehmen.
Nachfolge ist das alte Wort dafür. Jesu Beispiel in das eigene Leben zu übersetzen, hieße es modern ausgedrückt.

Und das heißt, nicht Jesus kopieren, schon sein eigenes Leben leben. Aber dieses Leben, alle Entscheidungen, alles was ansteht, immer wieder an Christus auszurichten. Ich muss mich fragen, wie er wohl in dieser Situation gehandelt hätte, welche Entscheidung er getroffen hätte, für wen er Partei ergreifen würde.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 5./6. Mai 2012

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 193

Do., 30. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 15, 9-17:

9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. 13 Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. 15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet. 17 Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.
(Joh 15, 9-17)

Ich habe im Neuen Testament gesucht, und bin bei einem Satz gelandet, der für mich ein wenig deutlich macht, was Jesus damit meinen könnte, wenn er sagt: Liebt einander.

Paulus nämlich formuliert einmal - und das ist für mich eine der treffendsten Umschreibungen dessen geworden, was Liebe eigentlich meint - Paulus schreibt im Galaterbrief: Einer trage des anderen Last.
Das ist es vielleicht. Das macht die Liebe aus, von der Jesus spricht.
Liebe hat weniger mit dem Schönen, mit dem Edlen, mit dem Makellosen zu tun, Liebe hat damit zu tun, dass Menschen zueinander stehen, füreinander eintreten, dass einer des anderen Last trägt.

Und wenn wir es noch etwas überspitzer und auch pointierter formulieren wollen: Liebe hat damit zu tun, dass Menschen tragen, auch die Ecken und Kanten der anderen ertragen.

Ertragt einander!

Vielleicht ist das ja die beste Umschreibung dessen, was Jesus mit seiner Grundforderung nach der gegenseitigen Liebe meint. Tragt miteinander und ertragt einander.

Liebe ist sicher noch einmal etwas anderes, als reines Ertragen. Aber sich gegenseitig zu ertragen das ist - denke ich - ein richtiger Anfang, und manchmal ist es vielleicht schon die halbe Miete.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 24./25. Mai 2000

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 194

Fr., 31. Mai

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 15, 18-27 und Joh 16, 1-4:

18 Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat. 19 Wenn ihr von der Welt stammen würdet, würde die Welt euch als ihr Eigentum lieben. Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt. 20 Denkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie an meinem Wort festgehalten haben, werden sie auch an eurem Wort festhalten. 21 Doch dies alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat. 22 Wenn ich nicht gekommen wäre und nicht zu ihnen gesprochen hätte, wären sie ohne Sünde; jetzt aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde. 23 Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater. 24 Wenn ich bei ihnen nicht die Werke vollbracht hätte, die kein anderer vollbracht hat, wären sie ohne Sünde. Jetzt aber haben sie die Werke gesehen und doch haben sie mich und meinen Vater gehasst. 25 Aber das Wort sollte sich erfüllen, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: Ohne Grund haben sie mich gehasst. 26 Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen. 27 Und auch ihr legt Zeugnis ab, weil ihr von Anfang an bei mir seid.
(Joh 15, 18)

1 Das habe ich euch gesagt, damit ihr keinen Anstoß nehmt. 2 Sie werden euch aus der Synagoge ausstoßen, ja es kommt die Stunde, in der jeder, der euch tötet, meint, Gott einen heiligen Dienst zu leisten. 3 Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. 4 Ich habe es euch aber gesagt, damit ihr euch, wenn die Stunde kommt, daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe.Das habe ich euch nicht gleich zu Anfang gesagt; denn ich war ja bei euch.
(Joh 16, 1-4)

Der GEIST der Wahrheit:
den braucht es wohl
damit es Wahrheit geben kann

in MENSCHEN wie sie sind
kann sie offenbar nicht überleben
sie haben ihn getötet und
er kündigt den Jüngern an,
dass auch sie für die Wahrheit
ausgestoßen und sterben werden.

Denn was ist schon Wahrheit
neben "gesundem Menschenverstand"
Wachstum
Fraktionsdisziplin
Systemrelevanz...

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 195

Sa., 1. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 16, 5-15:

5 Jetzt aber gehe ich zu dem, der mich gesandt hat, und keiner von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Vielmehr hat Trauer euer Herz erfüllt, weil ich euch das gesagt habe. 7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; gehe ich aber, so werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er die Welt der Sünde überführen und der Gerechtigkeit und des Gerichts; 9 der Sünde, weil sie nicht an mich glauben; 10 der Gerechtigkeit, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; 11 des Gerichts, weil der Herrscher dieser Welt gerichtet ist. 12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird reden, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. 14 Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. 15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
(Joh 16, 5-15)

Wie gut er uns doch kennt:
wie Kinder die Eltern brauchen
kann es auch für uns
zeitweise
gut sein
einen Führer zu haben
einen, auf den wir hören können

Aber wahren Beistand
Geist
Mut
Stärke
Wahrheit
mich selbst
finden wir nicht
in einem anderen

Auch wenn es weh tut:
Gut für Euch, dass ich fortgehe.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 196

So., 2. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 16, 16-23a:

15 Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden. 16 Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen. 17 Da sagten einige von seinen Jüngern zueinander: Was meint er damit, wenn er zu uns sagt: Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen? Und: Ich gehe zum Vater? 18 Sie sagten: Was heißt das, wenn er sagt: eine kurze Zeit? Wir wissen nicht, wovon er redet. 19 Jesus erkannte, dass sie ihn fragen wollten, und sagte zu ihnen: Ihr macht euch untereinander Gedanken darüber, dass ich euch gesagt habe: Noch eine kurze Zeit, dann seht ihr mich nicht mehr, und wieder eine kurze Zeit, dann werdet ihr mich sehen. 20 Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. 21 Wenn die Frau gebären soll, hat sie Trauer, weil ihre Stunde gekommen ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. 22 So habt auch ihr jetzt Trauer, aber ich werde euch wiedersehen; dann wird euer Herz sich freuen und niemand nimmt euch eure Freude. 23a An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.
(Joh 16, 16-23a)

Muss das immer so sein?
Können wir ohne Leid, Angst und Schmerzen Gutes überhaupt richtig wahrnehmen?

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 197

Mo., 3. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 16, 23b-33:

23b Amen, amen, ich sage euch: Was ihr den Vater in meinem Namen bitten werdet, das wird er euch geben.1 24 Bis jetzt habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist. 25 Dies habe ich in Bildreden zu euch gesagt; es kommt die Stunde, in der ich nicht mehr in Bildreden zu euch sprechen, sondern euch offen vom Vater künden werde. 26 An jenem Tag werdet ihr in meinem Namen bitten und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; 27 denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich geliebt und weil ihr geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. 29 Da sagten seine Jünger: Siehe, jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Bildreden. 30 Jetzt wissen wir, dass du alles weißt und von niemandem gefragt zu werden brauchst. Darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. 31 Jesus erwiderte ihnen: Glaubt ihr jetzt? 32 Siehe, die Stunde kommt und sie ist schon da, in der ihr versprengt sein werdet, jeder in sein Haus, und mich alleinlassen werdet. Aber ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. 33 Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.
(Joh 16, 23b-33)

In der Welt habt ihr Angst
Gründe, Angst zu haben gibt es genug
vermutlich geht Leben ohne Angst letztlich nicht
Gut, dass Jesus das weiß,
sie nicht einfach beiseite wischt
nicht ernst nimmt
Vielleicht
gelingt es mit ihm ja dann und wann
ihr ins Gesicht zu schauen
und neuen Mut zu schöpfen

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 198

Di., 4. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 17, 1-5:

1 Dies sprach Jesus. Und er erhob seine Augen zum Himmel und sagte: Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht! 2 Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt. 3 Das aber ist das ewige Leben: dass sie dich, den einzigen wahren Gott, erkennen und den du gesandt hast, Jesus Christus. 4 Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast. 5 Jetzt verherrliche du mich, Vater, bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war!
(Joh 17, 1-5)

Also doch.
Es IST das ewige Leben
nicht "wird es sein" oder
"führt dazu"
oder "verdient es"

Es wird nicht kommen
Nein
Es liegt bereits darin selbst
in dem Erkennen
des einzig wahren Gottes
und seines Gesandten.
Jetzt und hier.

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 199

Mi., 5. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 17, 6-19:

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie gehörten dir und du hast sie mir gegeben und sie haben dein Wort bewahrt. 7 Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist. 8 Denn die Worte, die du mir gabst, habe ich ihnen gegeben und sie haben sie angenommen. Sie haben wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast. 9 Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir. 10 Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht. 11 Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt und ich komme zu dir. Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir! 12 Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllte.1 13 Aber jetzt komme ich zu dir und rede dies noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben. 14 Ich habe ihnen dein Wort gegeben und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin. 15 Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst. 16 Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin. 17 Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit. 18 Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt. 19 Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
(Joh 17, 6-19)

Die Zeit der Referenzen ist wieder angebrochen. Immer wieder um diese Jahreszeit werden sie angefordert: Pfarramtliche Zeugnisse, Empfehlungsschreiben, die man für Bewerbungen und ähnliches benötigt.
Sie kennen solche Texte! Eigentlich klingen sie immer ganz ähnlich: "Frau sowieso ist mir seit mehreren Jahren bekannt und ich kann ihr in allem nur das beste Zeugnis ausstellen."

Ist ein ganz eigenes Gefühl, wenn man dann so ein Zeugnis in Händen hält und schwarz auf weiß lesen kann, was man alles Tolles in der Vergangenheit geleistet hat: "Jahrelang hat sie den Dienst als Ministrantin in unseren Gemeinden ausgeübt, verantwortlich Wochenenden und Freizeiten vorbereitet und geleitet; sie war eine wichtige Mitarbeiterin unserer Gemeinden." Und manchmal war der oder die Betreffende schon ganz schön überrascht, als er oder sie dann lesen konnte, was da alles an Positivem über sie oder ihn geschrieben stand.

Liebe Schwestern und Brüder,

ich war auch mehr als überrascht. Denn auch ich habe solch ein Zeugnis bekommen. Und die Formulierungen waren ausgesprochen positiv und mehr als nur wohlwollend. Da wurde mir schriftlich bestätigt, dass ich genau den richtigen Weg gewählt habe, es genau richtig angegangen bin. Das kann man sich auf der Zunge zergehen lassen, was in dieser Referenz geschrieben steht: "hat festgehalten, hat angenommen, hat wirklich erkannt" und so weiter.

Ist es Ihnen nicht auch so gegangen? Sie haben dieses Zeugnis doch auch erhalten. Gerade eben. Es ist uns doch gemeinsam zugestellt worden. Das heutige Evangelium ist ja nichts anderes als solch ein Zeugnis. Dieser Text, das ist unsere Empfehlung an den Vater.

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 3./4. Mai 2008

Per Anhalter durchs Evangelium • Tag 200

Do., 6. Juni

Guten Morgen!
Wir freuen uns, Sie als Anhalter dabei zu haben, und setzen Sie heute ab bei Joh 17, 20-26:

20 Ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. 21 Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. 22 Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, wie wir eins sind, 23 ich in ihnen und du in mir. So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und sie ebenso geliebt hast, wie du mich geliebt hast. 24 Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor Grundlegung der Welt. 25 Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und ich in ihnen bin.
(Joh 17, 20-26)

Martin Buber bringt es in einer seiner einzigartigen Formulierungen auf den Punkt. Er schreibt:
"Wenn Menschen eine lebendige Mitte haben, um die sie gereiht sind, dann entsteht Gemeinschaft zwischen ihnen."
So also werden sie wirklich eins! Nicht in der Uniformität, sondern in Gemeinschaft, in einer Gemeinschaft, die ihre Wurzeln letztlich in der Liebe hat, in Gottes Liebe nämlich!

Jörg Sieger, Predigtauszug vom 24. Mai 1998