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... auf der Spur Jesu

Dokumentation eines gemeinsamen Weges in zwei Bruchsaler Gemeinden

6. "Er sitzt zur Rechten des Vaters" -
das neue Leben

Zur Vorbereitung auf den Freitag, 10. Mai 2013 in St. Anton

Was geschah an Ostern? Und wie kamen die Jünger zur Überzeugung, dass der Gekreuzigte lebt? Vom historischen Jesus und erhöhten Christus...

Vergleiche hierzu: Hans Küng, Jesus (München 2012) Seite 235-270

Um was geht es?

Nach der Hinrichtung Jesu hören wir zunächst nur von Furcht, Angst und Lähmung. Die Anhängerinnen und Anhänger Jesu ziehen sich zurück und fliehen. Warum wird die christliche Botschaft plötzlich aber verkündet? Wieso tauchen die Jünger wieder auf der Bildfläche auf? Jesus predigt schließlich nicht mehr. Sie standen nicht mehr unter seinem direkten Einfluss, so wie zu der Zeit, als er als Wanderprediger durch Galiläa und Judäa zog. Irgendetwas musste passiert sein.

Zunächst einmal können wir nur greifen, was nicht passiert: Es kommt nicht zu einem unmittelbaren Kult an seiner Grabstätte. Normalerweise wird bei bedeutenden Verstorbenen ja ein Grab - ein Märtyrergrab etwa - verehrt. Um das Grab Jesu entsteht jedoch keine Kultstätte. Aber was passiert, dass aus der Botschaft Jesu die Osterbotschaft wird? Wieso entstehen das Evangelium, das Neue Testament, der Glaube an den Auferstandenen, eine Kirche und der christliche Gottesdienst?

Historisch fassbar ist: Jesus war als Irrlehrer am Galgen hingerichtet worden, von Gott und seinen Anhängern verlassen. Seine Bewegung war bankrott. Er war mit seiner Botschaft gescheitert.

Historisch fassbar ist: Nach seiner Hinrichtung gab es einen Neuanfang. Jesus wurde zum Messias, zum Christos (hebräisch und griechisch für Gesalbter). Die Botschaft vom Reich und Willen Gottes wurde weiterverkündet und Jesus selbst wurde zum eigentlichen Inhalt der Botschaft gemacht. Er wurde als Lebender verkündet und als gegenwärtig Wirkender erfahren.

Historisch nicht fassbar ist, was zwischen Hinrichtung und Neuanfang geschah - einem Zeitraum, der geschichtlich sicher länger als drei Tage dauerte. Was sich ereignet hatte, wird in den Osterberichten mit den Begriffen "Auferweckung" und "Auferstehung" umschrieben. Dazu treten die Ausdrücke "Erhöhung", "Verherrlichung", "Entrückung", "Himmelfahrt" und "Sitzen zur Rechten des Vaters". All dies wird nun von diesem Jesus ausgesagt.

Anders als die Kindheitsgeschichten oder die Jungfrauengeburt wird die Auferstehung in allen neutestamentlichen Schriften berichtet; sie ist die Mitte der christlichen Predigt: Ohne Auferweckung kein Christentum und keine christliche Gemeinde.

Zeugen des Auferweckungsgeschehens gibt es nicht, es gibt nur Zeugen, die davon berichten, dass Jesus seinen Anhängerinnen und Anhängern als Lebendiger begegnet ist. Diese Begegnungen oder Erscheinungen erfuhren die unterschiedlichsten Menschen an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten.

Was in der Auferstehung - bzw. präziser in der Auferweckung durch Gott - geschehen ist, ist historisch nicht feststellbar. Was die Anhänger und Anhängerinnen erfahren, versuchen sie in Bildern auszudrücken: Man verwendet das Bild vom Aufwecken, vom Aufstehen aus dem Schlaf. Man versucht offenbar, Unsagbares in Worte zu fassen.

Paulus spricht vom "Geistleib Jesu" und "Leib der Herrlichkeit", der Jesus durch die Auferweckung geschenkt wurde. Er betont damit, dass Jesus als ganzer, leibhaftiger Mensch, mit und in einer nun verherrlichten, vergeistigten Leiblichkeit erlöst wurde. Er wurde nicht aus seiner Leiblichkeit, sondern mit ihr auferweckt. Die Leiblichkeit wird dabei deshalb betont, um zu sagen, dass der auferweckte Jesus mit dem irdischen Jesus identisch ist. Es geht also um ein und dieselbe Person.

Diese "leib-seelische" Auferweckung liegt ganz im Horizont biblischen Denkens. Eine reine Geistseele ist für den Hebräer nicht vorstellbar. Anders als die griechische Philosophie kennt die Bibel keine Trennung von Leib und Seele. Der Mensch ist Mensch. Er ist lebendiger Leib. Und ohne einen wie auch immer gearteten Leib ist der Mensch auch als auferweckter Mensch deshalb nicht denkbar. Es geht bei der Auferweckung demnach um eine leib-seelische Neuschöpfung. Jesus lebt neu durch Gott für den Glauben der Jünger. Er stirbt nicht in ein "Nichts", er wurde in die Wirklichkeit Gottes aufgenommen.

Nur Gottlose meinen, mit dem Tod sei alles aus. Auferweckung ist Sterben in Gott hinein. Der Tod ist also keine Zerstörung des Ichs, sondern seine Vollendung. Die Sache Jesu geht weiter, weil Jesus bei Gott wirklich lebt. Dieses "wirkliche Leben bei Gott" ist für uns Menschen nicht fassbar und trotzdem wirklich. Jesus lebt durch Gott und er wird verkündet, weil er lebt. Das ist etwas anderes als die Formulierung, dass er leben würde, weil er verkündet wird. Er lebt nicht, weil er verkündet wird! Hans Küng sagt, dass Tod und Auferweckung eine "differenzierte Einheit" bilden.

Wenn der Auferweckte mit dem Gekreuzigten identisch ist, dann gibt Gott ihm und seiner Botschaft Recht. Die Aufnahme Jesu in das Leben Gottes macht offenbar, wer Jesus ist. Der zum Glauben gerufen hat, ist nun selbst zum Inhalt des Glaubens geworden; Botschaft und Botschafter sind eine Einheit geworden. Um das auszudrücken, geben die Christen Jesus Ehrentitel: Menschensohn, Herr, Messias (griechisch: Christos), Davidsohn, Gottesknecht, Heiland, Gottessohn.

Die Erhöhung Jesu scheint man anfangs vielleicht ganz ähnlich einer Thronbesteigung gedacht zu haben. Durch die Auferweckung hat Gott Jesus an seiner Seite Platz nehmen lassen (vgl. Psalm 110). In Psalm 2,7 heißt es: "Mein Sohn bist du; ich habe dich heute gezeugt." Das ist die klassische jüdische Vorstellung von der Einsetzung, der Inthronisation eines Herrschers. Hans Küng geht deshalb davon aus, dass für die frühe Christenheit die Gottessohnschaft Jesu eine Einsetzung in die Gottessohnschaft war. Jesus wurde an Ostern von Gott erwählt und bevollmächtigt. Mit fortschreitender Zeit würde diese Erwählung zum "Gottessohn" früher im Leben Jesu verortet. Im Markusevangelium etwa sei das entscheidende Datum die Taufe Jesu im Jordan. Erst in einem weiteren Schritt würde die Menschwerdung des Gottessohnes durch seine Geburt, wie wir sie an Weihnachten feiern, wichtig.

Hans Küng versucht, das traditionelle Sprechen von der Gottessohnschaft mit zeitgemäßen Formulierungen für den modernen Menschen neu zu fassen. Er versucht es folgendermaßen auszudrücken: "An den Sohn Gottes glauben heißt, an des einen Gottes Offenbarung im Menschen Jesus von Nazareth glauben, der so Gottes Wort, Bild und Sohn ist."

(Vgl. Hans Küng, Jesus, München 2012, Seite 267-268.)

Jesus ist der Herr - ein gefährliches Bekenntnis

Es gibt für die Kirche nur einen Herrn. Diese Erkenntnis und dieses Bekenntnis konnten Menschen in Gefahr, ja sogar in Todesgefahr bringen. Das war schon zur Zeit des frühen Christentums so. Kyrios, "Herr", war im römischen Imperium allein der Kaiser. Für die Christen, die bei den römischen Tribunalen ihr Bekenntnis zum einen Herrn Christus ablegten, konnte dies das Todesurteil bedeuten. Für Menschen in der NS-Diktatur, in der es nur einen Führer gab, war das ganz ähnlich. Das Bekenntnis der bekennenden Kirche - Jesus allein ist Führer und Herr - hat zu Verhaftungen geführt. Christen waren schon immer zum radikalen Bekenntnis aufgefordert.

Hintergrundinfo: Wer oder was ist der "Logos"?

Im Neuen Testament begegnet dieser Ausdruck gleich zu Beginn des Johannesevangeliums. Dort heißt es: "Im Anfang war der Logos". Man kennt diese Stelle in der Übersetzung: "Im Anfang war das Wort". Allgemein bekannt aber ist auch - spätestens seit Goethes Faust -, dass sich der Gelehrte Dr. Faustus mehr als schwer tat, das griechische Wort "Logos" angemessen ins Deutsche zu übertragen: Wort, Tat, Kraft... all das steckt in diesem Ausdruck drin.

Für die Theologen der ersten Jahrhunderte waren Christus und der Logos identisch. Man sprach eigentlich mehr vom Logos, der in die Welt gekommen und vom Vater erhöht worden war - weit mehr als von Christus. Von Jesus von Nazareth handelte man eigentlich gar nicht. Auch zitierte man nur ganz selten das Neue Testament. In der wissenschaftlichen Diskussion der damaligen Zeit hätte man sich dabei eher blamiert. Das Neue Testament ist in einem furchtbar schlechten Griechisch verfasst. So argumentierte man eher philosophisch. Auf diesem Hintergrund entstanden dann die meisten Glaubenssätze der frühen Kirche. Man versuchte die Zusammenhänge zwischen Gott-Vater, dem Logos und dann auch dem Geist mit den Mitteln der Vernunft auszudrücken und das eigentlich Unsagbare "sagbar" zu machen.

Hintergrundinfo: Warum darf der "Logos" nicht geschaffen sein?

Eine der ersten Fragen der Christenheit war, wer dieser Logos-Christus letztlich ist. Keine Frage: Er war mehr als ein Mensch - aber in welcher Beziehung stand er zu Gott, was bedeutete der Ausdruck Gottes Sohn? Eine der ersten Antworten versuchte im vierten Jahrhundert der alexandrinische Priester Arius. Er formulierte: "Es gab eine Zeit, in der es den Logos nicht gab!" Das bedeutete, dass Gott den Logos irgendwann geschaffen habe. Damit aber stand der Logos-Christus für Arius auf der Seite der Geschöpfe, nicht auf der Seite Gottes.

Auf dem Konzil von Nicäa wurde die Formulierung des Arius verurteilt. Der Logos-Christus ist kein Geschöpf. Er wurde nicht geschaffen. Deshalb legte man Wert auf die Formulierung, dass der Vater den Sohn gezeugt habe: "Gezeugt, nicht geschaffen!"

Hintergrundinfo: Warum heißt es, dass der Logos "vor aller Zeit" gezeugt wurde?

Man las in der Schrift, wie Gott die Welt geschaffen habe. Es heißt ja im ersten Kapitel der Genesis: "Gott sprach: Es werde Licht..." Gott hat die Welt also durch sein Wort geschaffen.

Dieses Schöpfungswort setzte man mit dem "Logos-Christus" (Logos: griechisch für "Wort") gleich. Dementsprechend sprach man davon, dass Gott die Welt durch den Logos-Christus geschaffen habe. Da Gott die Welt "im Anfang" schuf, muss der Logos also schon vor aller Zeit da gewesen sein.

Dies wurde auch gegen den alexandrinischen Priester Arius formuliert, der gesagt hatte, dass es eine Zeit gegeben haben müsse, in der der Logos-Christus noch nicht existiert habe. Er sei erst "in der Zeit" von Gott, dem Vater, geschaffen worden. Dagegen hielt man jetzt im Glaubensbekenntnis fest, der Christus sei "Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen."

Hintergrundinfo: Gott und Mensch - Kann man sich das vorstellen?

Um es gleich vorweg zu sagen: Man kann es nicht! Nichtsdestoweniger hat man es versucht. Und man hat um diese Versuche gestritten. Entscheidend für die Vorstellungen und Bilder, die man dabei verwendet hat, war das Bild vom Menschen, das all diesen Versuchen zugrunde lag. Bestimmend dafür waren zwei große philosophische Schulen der Antike.

In Alexandrien ging man davon aus, dass der Mensch aus Leib und Seele bestehe. Wenn der "göttliche Logos" Mensch wird, dann tritt - nach dieser Vorstellung - die göttliche Kraft ganz einfach an die Stelle der Seele. Dadurch entsteht ein Gottmensch, bei dem der göttliche Anteil und der menschliche Anteil nicht voneinander zu trennen sind. Letztendlich entstand daraus die Vorstellung des "Monophysitismus" (bedeutet etwa: "eine einzige Natur"), die besagt, dass der Gottmensch Jesus Christus nur eine einzige, nämlich eine gottmenschliche Natur gehabt habe. Im Extremfall "saugt" dabei die göttliche Natur die menschliche Natur völlig auf und es bleibt lediglich ein als Mensch verkleideter Gott übrig, der über die Erde wandelt. Diese Vorstellung ist auch heute noch weit verbreitet, obwohl sie von den alten Konzilien als Irrlehre verurteilt wurde.

In Antiochien betrachtete man den Menschen als leibseelische Einheit. Leib und Seele konnte man sich nicht getrennt voneinander vorstellen. Zu dieser menschlichen Natur tritt bei der Menschwerdung des "göttlichen Logos" in Jesus Christus die göttliche Natur hinzu. Im Extremfall stellt man sich diese beiden Naturen getrennt voneinander vor, so dass Jesus Christus einmal als Mensch, dann wieder als Gott betrachtet wird und gleichsam in zwei Wesen auseinanderfällt.

Das Konzil von Chalzedon hat diesen Vorstellungen zu wehren versucht, indem es festlegte, dass Jesus "wahrer Gott und wahrer Mensch" sei, also sowohl eine menschliche, als auch eine göttliche Natur aufweise. Beide seien aber einerseits "ungesondert" und "ungetrennt" andererseits aber "unvermischt" und "unverwandelt". Damit hat das Konzil aber lediglich gesagt, was man sich nicht vorstellen dürfe. Wie man die Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth aber denken könne, ist damit trotz allem immer noch nicht beantwortet.

Zum Weiterdenken:

Aussagen über die Zwei-Naturen-Lehre

Konzil von Chalcedon, 451

In der frühen Kirche (bis Mitte des 5. Jahrhunderts) wurde um die Frage gestritten, ob Jesus Mensch ist oder Gott oder beides. Es wurde versucht zu klären, wie sich seine Menschheit und seine Gottheit zueinander verhalten, wenn Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist.

Das Konzil von Chalcedon formuliert:

Unser Herr Jesus Christus ist als ein und derselbe Sohn zu bekennen, vollkommen derselbe in der Gottheit vollkommen derselbe in der Menschheit, wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch derselbe, aus Vernunftseele und Leib, wesensgleich dem Vater der Gottheit nach, wesensgleich uns derselbe der Menschheit nach, in allem uns gleich außer der Sünde, vor Weltzeiten aus dem Vater geboren der Gottheit nach, in den letzten Tagen derselbe für uns und um unseres Heiles willen [geboren] aus Maria der jungfräulichen Gottesgebärerin, der Menschheit nach, ein und derselbe Christus, Sohn, Herr, Einziggeborener in zwei Naturen unvermischt, unverändert, ungeteilt und ungetrennt zu erkennen, in keiner Weise unter Aufhebung des Unterschieds der Naturen aufgrund der Einigung, sondern vielmehr unter Wahrung der Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen und im Zusammenkommen zu einer Person und einer Hypostase, nicht durch Teilung oder Trennung in zwei Personen, sondern ein und derselbe einziggeborene Sohn, Gott, Logos, Herr, Jesus Christus, wie die Propheten von Anfang an lehrten und er selbst, Jesus Christus, uns gelehrt hat, und wie es uns im Symbol der Väter überliefert ist."

zitiert nach Josef Wohlmuth (Hrsg.)
Concilium oecumenicorum decreta - Band 1.
(Paderborn, 3. Auflage, 1998), Seite 86

Hans Küng

"wahrhaft Gott: Die ganze Bedeutsamkeit des Geschehens in und mit Jesus von Nazareth hängt daran, dass in Jesus - der den Menschen als Gottes Sachwalter und Platzhalter, Repräsentant und Stellvertreter erschien und als Gekreuzigter zum Leben erweckt von Gott bestätigt wurde - für die Glaubenden der menschenfreundliche Gott selber nahe war, am Werk war, gesprochen hat, gehandelt hat, endgültig sich geoffenbart hat. Alle oft in mythologische oder halbmythologische Formen der Zeit gekleidete Aussagen über Gottessohnschaft, Vorausexistenz, Schöpfungsmittlerschaft und Menschwerdung wollen letztlich nicht mehr und nicht weniger als das eine: die Einzigartigkeit, Unableitbarkeit und Unüberbietbarkeit des in und mit Jesus lautgewordenen Anrufs, Angebots, Anspruchs begründen, der letztlich nicht menschlichen, sondern göttlichen Ursprungs ist und deshalb, absolut verlässlich, die Menschen unbedingt angeht.

wahrhaft Mensch: Dass Jesus ohne Abstriche mit allen Konsequenzen (Leidensfähigkeit, Angst, Einsamkeit, Ungesichertheit, Versuchungen, Zweifel, Irrtumsmöglichkeit) voll und ganz Mensch war, muss auch heute noch gegen alle Vergottungstendenzen immer wieder betont werden. Aber nicht ein bloßer Mensch, sondern der wahre Mensch. Als solcher gab er - ... - durch seine Verkündigung, sein Verhalten und Geschick ein Modell des Menschseins, das einem jeden, der sich vertrauensvoll darauf einlässt, ermöglicht, den Sinn des Menschseins und seiner Freiheit im Dasein für die Mitmenschen zu entdecken und zu verwirklichen. Als von Gott bestätigt, stellt er so schließlich den bleibend verlässlichen letzten Maßstab des Menschseins dar."

Hans Küng
Christ sein, (München, 2. Auflage, 1974), S. 439-440

Wieder

Wir haben den Stein
gewälzt
sind entstiegen
der Grube
sind uns begegnet
wieder
verändert
aber wir leben

Vera Lebert-Hinze

"Erklärung zu dem Buch 'Christ sein' von Professor Dr. Hans Küng":

"Jesus von Nazareth ist aber wahrer Mensch und wahrer Gott. Man kann diese beiden Aussagen nicht mehr reduzieren, nicht eine auf die andere zurückführen, beide sind notwendig. Denn Jesus Christus kann nicht tun, was er tut, wenn er nicht ist, was er ist: der ewige unerschaffene Sohn Gottes, gleich göttlich wie der Vater, eines Wesens mit dem Vater, ist in der Menschwerdung mit dem Menschen Jesus zu einer personhaften Einheit verbunden. Die gelegentliche Aussage, Jesus war der Sohn Gottes, reicht zur Beschreibung Christi nicht aus, weil z. B. auch die Erlösungsgnade eine Kindschaft, eine Sohnschaft verleiht."

Die deutschen Bischöfe, "Erklärung zu dem Buch 'Christ sein' von Professor Dr. Hans Küng", 17.11.1977, Seite 6

Ostern

auferweckt
ist
er
auferstanden fürs Leben
zu seiner
herrlichkeit
und unserer
ansteigenden mensch-werdung
durch
dunkelheiten
hindurch
im vertrauen auf das licht
Ostern

Annemarie Lebert

Auferstehung

Auferstehungstefel des Isenheimer Altares

Die Auferstehungsdarstellung des Isenheimer Altars

Küng erwähnt bei den Auferstehungsvorstellungen, dass Grünewald die Auferstehung künstlerisch unübertroffen malt. Er fragt jedoch, was genau die theologische Aussage ist.

Betrachten wir das Bild.

Wenn ich vor diesem Bild stehe, geht es mir weniger um die Frage, wie ich Jesu Auferstehung exakt wissenschaftlich zu verstehen habe. Es geht nicht um Begreifen, es geht um Gefühl. Diese Gestalt, umhüllt vom Licht, ja fast eins mit dem Licht, erfasst mich mit Staunen, mit Andacht. In dem Moment geht es mir nicht um die Frage, ob das Grab leer war oder wie ich Ostern genau zu verstehen habe. Wenn bei Johannes Jesus das Licht der Welt ist, dann ist diese Lichtgestalt künstlerischer Ausdruck dafür. Die am Boden liegenden Menschen sind von einer Starrheit erfasst, die auf ein außerordentliches Ereignis hindeutet. Die Welt steht scheinbar still. Raum und Zeit sind außer Kraft gesetzt. Alles zieht zum Licht hin, das Dunkel des Todes hat keine Macht mehr. Die Linie der Tücher aus dem Grab hinaus, wie ein Strahl zum Licht, zeigt uns, dass Jesus die Fesseln des Todes sprengen konnte. Dies ist für uns Glaubende Gewissheit und gibt uns Kraft. Die Herrschaft des Todes ist gebrochen. Damit sind wir Christen zur Freiheit befreit.

Marieluise Gallinat-Schneider