"Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahles mehr..." (1 Kor 11,20) -
vom Werden und Wesen unseres Gottesdienstes

Ein Blick in die Geschichte. Was wollte die Liturgiereform? Und welche Bedeutung hat der Sonntag?

Eine der ersten Begebenheiten, die man mir von Pfarrer Anton Menzer erzählte, war, dass er schon Anfang der 70er Jahre die Gemeinde dazu eingeladen hat, das Hochgebet gemeinsam zu sprechen, was ja eigentlich unmöglich und vor allem verboten ist.

Als er dies an einem Sonntag wieder einmal vorhatte, sei zufällig ein Domkapitular aus Freiburg im Gottesdienst anwesend gewesen.

Pfarrer Menzer, den die Anwesenheit eines Domkapitulars eigentlich nie gestört hat, lud selbstverständlich wieder zum Mitbeten des Hochgebetes ein. Allerdings hatte dies zur Folge, dass er anschließend Besuch in der Sakristei bekam.

"Herr Pfarrer, das können Sie doch nicht machen!" lautete der entsetzte Vorwurf.

"Wieso?" soll Pfarrer Menzer ganz unschuldig zurückgefragt haben, "den Leuten gefällt's doch!"

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Wie viel Unordnung verträgt eine Ordnung?

Kann ein Pfarrer wirklich tun, was den Leuten gefällt? Und warum eigentlich nicht? Ist der, der es tut einfach nur ungehorsam oder liturgisch unbedarft? Sind die Priester, die sich dann schon beinahe sklavisch an die Vorschriften des Messbuches halten, die besseren Priester? Oder sind sie einfach nur weiter weg von den Menschen? Interessiert es Gott wirklich, ob nun dieses oder jenes Evangelium vorgetragen wird? Schaut er etwa darauf, wer es vorliest? Und was soll das Messbuch überhaupt? Jesus hat es schließlich nicht geschrieben! Als Jesus mit seinen Jüngern Abendmahl feierte, ist er schließlich auch ohne Messbuch ausgekommen.

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Am Anfang stand ein rituelles Mahl

Nun, das ist nur zum Teil richtig.

Sicher, als Jesus mit seinen Jüngern zum sogenannten Abendmahl ging, da dachte er weder an unsere Messe noch an unser Messbuch. Es ging um ein Abendessen, um Lammfleisch und Brot und Kräuter. Aber es ging eben nicht nur um ein Abendessen.

Die Jünger haben mit Jesus damals nicht einfach nur zu Nacht gegessen. Dieses Mahl war von vorneherein ein ganz stark rituelles Mahl, ein Gottesdienst. Das Paschamahl war ein Erinnerungsmahl: Erinnerung an das Grundereignis der Geschichte Israels mit seinem Gott, Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei, an den Auszug aus Ägypten. Und als solches war es ganz stark geprägt durch eine großen Zahl von Gesten, Gebeten, Texten und Lesungen aus der Schrift. Es war rituell gestaltet, nach einer festen Vorgabe, an die man sich wie selbstverständlich hielt.

Das bedeutet nicht, dass es eine steife Feier gewesen wäre. Das Paschamahl war nichtsdestoweniger fröhlich und ungezwungen, wie es im jüdischen Bereich bis heute Gang und Gäbe ist.

Dieses Mahl ist die eigentliche Wurzel unseres Gottesdienstes.

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Die Ausprägung eines christlichen Gottesdienstes

Nach Ostern, nachdem sich die Überzeugung von der Auferweckung Jesu Christi unter den Jüngern Bahn gebrochen hatte, kam man nämlich zusammen, um genau diese Glaubensüberzeugung zu feiern: Jesus Christus hat den Tod erlitten, aber Gott ließ ihn nicht im Tod. Er hat ihn auferweckt!

Dieses Ereignis wurde für die Christen nun zum neuen Grundereignis, zum endgültigen Erweis der Liebe Gottes zu uns Menschen.

Und man erinnerte sich nicht nur daran, man feierte es. Und man nutzte dazu ganz einfach das allen bekannte Gedächtnismahl, das Jesus ja auch schon mit seinen Jüngern gefeiert hatte - nun aber nicht mehr als Gedächtnismahl an den Auszug aus Ägypten, sondern als Gedächtnismahl für das neue Grundereignis in der Geschichte Gottes mit uns Menschen, als Gedächtnismahl für Tod und Auferstehung Jesu Christi.

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Die Bedeutung des Sonntages

Dieses Mahl feierte man deshalb offensichtlich ganz bewusst am ersten Tag der Woche. Der Tag, den man als Tag der Auferstehung feierte, der spätere Sonntag, war anscheinend schon von Anfang an der Tag, an dem man sich zur Feier dieses Ereignisses traf.

Dass der Auferstandene mitten unter seinen Jüngern gegenwärtig ist, knüpft schon die Schrift an Versammlungen am sogenannten ersten Tag der Woche. Am ersten Tag der Woche sind die beiden in Emmaus beim Brotbrechen und erkennen Christus in ihrer Mitte (Lk 24,13-35) und am Abend des gleichen Tages erscheint er in der Mitte der versammelten Jünger (Lk 24,36-53 und Joh 20,19-23).

Und dies geschah von da an jede Woche aufs Neue. Das macht schon das Johannes-Evangelium deutlich. Denn als Thomas beim ersten Mal nicht dabei war, wiederholt sich das Ganze, als sie acht Tage darauf, wieder am ersten Tag der Woche erneut versammelt sind (Joh 20,26-29). Von frühester Zeit an, haben sich die Jünger offenbar zur Feier dieses Ereignisses getroffen.

Damit fing Kirche eigentlich erst an, damit, dass sich Menschen zur Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi versammelt haben. Diese Feier ist konstitutiv für christliche Kirche.

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Eine erste Ordnung des Gottesdienstes

Die Feier von Tod und Auferstehung haben die Christen der ersten Zeit jedoch nicht nur mit dem Paschamahl verknüpft. Es gab noch einen anderen Gottesdienst, den man kannte und den auch Jesus von Nazareth sich bekanntermaßen immer wieder zu eigen gemacht hatte.

Wenn wir im Lukasevangelium lesen können, dass Jesus nach Nazaret kam, wo er aufgewachsen war, und "wie gewohnt" am Sabbat in die Synagoge ging (Lk 4,16), dann hat sich darin die Erinnerung niedergeschlagen, dass Jesus offenbar in schöner Regelmäßigkeit den Synagogengottesdienst besuchte.

Diesen Wortgottesdienst, mit Schriftlesung und Predigt übernahmen nun auch die ersten christlichen Gemeinden, und verknüpften ihn mit der Mahlfeier zu ihrem christlichen Gottesdienst.

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Auswüchse von Anfang an

Dabei dürfen wir uns selbst die Anfangszeit nicht zu hehr und rein vorstellen. Fehlformen und Auswüchse gab es von Anfang an. Und auch von Anfang an wurde um angemessene und sinnvolle Formen gerungen.

Das Mahl war offenbar anfangs tatsächlich noch ein richtiges Sättigungsmahl. Man aß nicht nur symbolisch, verzehrte neben den rituellen Handlungen die gereichten Speisen und trank, bis man eben rundum gesättigt, an Leib und Seele nämlich, wieder auseinander ging.

In Korinth scheint diese Praxis zu ersten Schwierigkeiten geführt zu haben. Man wartete natürlich mit dem Gottesdienst, bis alle anwesend waren. Diejenigen aber, die - als Hafenarbeiter etwa - von der Arbeit kamen, konnten natürlich erst später zur Feier kommen, als die Wohlhabenderen, die direkt von zuhause um einiges früher eintrafen. Um sich die Wartezeit zu verkürzen begann man offensichtlich schon einmal mit Essen und Trinken, bis die anderen endlich eintrafen und war offenbar schon besoffen, bevor der Gottesdienst begann.

Paulus kritisiert dies ganz energisch (1 Kor 11,17-34) und allmählich wurde das Sättigungsmahl - sicher nicht zuletzt aufgrund solcher rein praktischen Schwierigkeiten - auch vom Gedächtnismahl getrennt.

Und bezeichnend ist auch der Bericht aus der Apostelgeschichte in Kapitel 20,7-12. Dort wird ausführlich erzählt, wie ein junger Mann namens Eutychus nachdem Paulus bei der Predigt offensichtlich absolut kein Ende fand, einschlief und dabei unglücklicherweise aus dem Fenster des dritten Stockes herausstürzte, so dass er leblos am Boden lag. Dass Paulus ihn umgehend wieder zum Leben erweckte, zeugt von seiner Wundertätigkeit, die ganze Erzählung jedoch genauso von der Länge und auch der Qualität der Predigten in der damaligen Zeit.

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Die erste Übersetzung

In der Zeit nach den Aposteln stand die Grundform der Messfeier schon deutlich umrissen fest.

Man kam zusammen zu einem Wortgottesdienst der in die rituelle Mahlfeier überging - anfangs noch verbunden mit dem Sättigungsmahl, der sogenannten Agape. Es war ein Gottesdienst, der seine Wurzeln in der jüdischen Tradition hatte. Aber er hatte eine Übersetzung bereits hinter sich.

Schon recht früh wurde die christliche Verkündigung aus der ursprünglichen Hebräisch-Aramäischen Gedankenwelt ins Griechische Übertragen, denn die Juden außerhalb Palästinas und die zu Christen bekehrten Heiden sprachen damals im ganzen Mittelmeerraum Griechisch.

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Einflüsse durch den Kaiserkult

Mit wachsender Zeit übernahmen die Christen weitere Elemente aus ihrer Umwelt, weil sie nach damaligem Empfinden geeignet waren, das was im Gottesdienst gefeiert werden sollte, auszudrücken.

Vor allem die römischer Kaiserliturgie stand hier Pate. Schon früh scheinen Christen Elemente aus dieser Kaiserliturgie in ihren Gottesdienst übernommen zu haben. Mit solchen Übernahmen protestierte man gleichsam: Nicht dem Kaiser erbringen wir diese Referenz. Wir erweisen sie unserem Herrn Jesus Christus, der allein unser Herr und Gott ist und nicht der Kaiser.

Als das römische Imperium dann vollends christianisiert und das Christentum sogar Staatsreligion geworden war, wurde die christliche Liturgie endgültig mit Elementen des römischen Kaiserkultes ausgebaut. All die Ehrenbezeugungen, die man früher dem als Gott verehrten römischen Kaiser zukommen ließ, wurden nun auf Christus übertragen. So stammen eine Vielzahl von Elementen in unserer christlichen Liturgie - bis hin zu den Messgewändern - ursprünglich einmal aus dem römischen Kaiserkult.

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Und noch eine Übersetzung

Als nun im Westen des römischen Reiches das Griechische immer mehr aus der Mode kam, die Lateinische Sprache zur eigentlichen Volkssprache wurde, übersetzte man, ohne zu zögern und ohne irgendwelche Bedenken die liturgischen Texte wie Selbstverständlich vom Griechischen ins Lateinische und selbstverständlich wurden auch neue, lateinische Gebete verfasst.

Dies hatte im übrigen zur Folge, dass sich der Osten des Mittelmeerraumes, in der griechischen Tradition verhaftet, immer stärker eigenständig zu entwickeln begann, während der Westen seine eigene lateinische Tradition ausprägte und entwickelte.

Das Auseinanderdriften zwischen lateinischer und orthodoxer Kirche setzt jetzt bereits ein.

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Der Einfluss der Franken

Ein Ereignis im Westen sollte die lateinische Liturgie noch einmal auf ganz eigene Art befruchten - etwas, was manchmal übersehen und auch zu wenig berücksichtig wird. Es war nämlich ein einschneidendes Datum, als um 500 die unter Chlodwig in Gallien eingefallenen Franken das Christentum übernahmen. Die fränkische Liturgie, der Gottesdienst, wie er bei den Franken gefeiert wurde, hat zahlreiche Spuren in unserem gottesdienstlichen Feiern hinterlassen.

Ein auffallendes Moment war, dass jetzt - eigentlich zum ersten Mal, eine Übersetzung in die jeweilige Landessprache unterblieb. Bei den Franken wurde der Gottesdienst in lateinischer Sprache gehalten. Dies aber nicht, weil man nicht übersetzen wollte, sondern ganz einfach, weil es eine Sprache, in die man hätte übersetzen können, so noch nicht gegeben hat. Das Fränkische war noch zu wenig ausgeprägt, als dass man komplexere theologische Zusammenhänge in dieser Sprache hätte ausdrücken können. Erstmals wurde Gottesdienst also in einer Sprache gefeiert, die die Menschen nur bedingt verstanden.

Um so wichtiger wurden gerade in dieser Zeit Zeichen und Symbole. Palmprozession, Fußwaschung, Osterkerze all dies sind Elemente, die sich bei den Franken großer Beliebtheit erfreuten und als neue Elemente in den lateinischen Gottesdienst Einzug hielten.

Auch die Musik bekam hier ihre große Bedeutung für die Liturgie.

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Eine Zeit des Niedergangs

Die Bereicherung der Liturgie, die unser Gottesdienst in dieser Zeit erfuhr, trug den Keim des Verfalls aber bereits in sich.

Nach dieser schöpferischen Zeit der Anfänge begann nun nämlich eine lange, ein halbes Jahrtausend andauernde Periode der Auflösung, der Wucherungen, der Um- und Missdeutungen. Je weniger die Menschen vom eigentlichen gottesdienstlichen Geschehen mitbekamen, desto stärker hielten sekundäre Elemente in der Frömmigkeit der Bevölkerung Einzug. Schon die Sprachbarriere begünstigte diese fatale Entwicklung. Vieles wurde magisch überfrachtet, oder erstarrte zum heilbringenden Ritus.

Das Betätigungsfeld der einfachen Menschen wurde vornehmlich das Gebiet der Volksfrömmigkeit, das zum Teil zumindest in hanebüchene Sphären abdriftete, während sie beim eigentlichen Gottesdienst immer mehr in die Rolle des Zuschauers verbannt wurden.

Liturgie und Messfeier wurde immer mehr zur Sache der Kleriker. Letzten Ausdruck fand dies darin, dass man das heilige Geschehen hinter den Lettner, der nun in vielen Kirchenräumen Einzug hielt, verlegte und das Volk im wahrsten Sinne des Wortes außen vor blieb.

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Die tridentinische Reform

Die Fehlformen, die sich nun bildeten, gepaart mit einer miserablen Bildung des Klerus sind auch mitursächlich für die Reformation, die ja im 16. Jahrhundert die Kirche erschütterte und gleichzeitig wachrüttelte. Erst durch die Reformation wurde die lateinische Kirche ihrerseits schließlich zur Reform gezwungen.

Ergebnis dieser Reform war das durch das Konzil von Trient angeregte und im Jahre 1570 von Papst Pius V. herausgegebene neue Missale Romanum. Weitgehend alle anderen Möglichkeiten, die Messe zu feiern - es hatten sich in der Vergangenheit die unterschiedlichsten Riten entwickelt - wurden verboten und der Ablauf des Gottesdienstes streng einheitlich und zentralistisch vorgeschrieben.

Ergebnis war in erster Linie ein gereinigtes Missale, eine Überarbeitung des bisherigen Messbücher, wobei die gröbsten Fehlentwicklungen verbannt, und eine Reihe von Vereinfachungen erreicht worden waren. Die liturgischen Anweisungen waren nun klar und eindeutig, wenn auch viel zu eng und manchmal wenig sachgerecht bzw. liturgiegeschichtlich sehr problematisch. Es war aber vermutlich das erreicht, was für den Augenblick liturgisch zu erreichen war.

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Das liturgische Unbehagen im 20. Jahrhundert

Vierhundert Jahre lang wurde nach diesem Messbuch bei uns Eucharistie gefeiert.

Die Mängel der tridentinischen Messe wurden im Laufe der Zeit allerdings immer deutlicher und ganz besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als immer drückender empfunden.

Es ging im Grunde um einen reinen Priestergottesdienst. Der zelebrierende Priester und sein Tun am Altar standen allein im Vordergrund, die Gemeinde spielte eigentlich kaum eine Rolle.

Immer stärker wurde die Prunkentfaltung, die sich vor allem in der Barockzeit breit machte, als störend empfunden.

Im Altarraum, der dem Proszenium antiker Theater bewusst oder unbewusst nachgestaltet wurde, entfalte sich nach strengen Regeln eine Inszenierung, die nur noch entfernt an das Abendmahl erinnerte.

Hinzu kam, dass die Vielzahl der Vorschriften und eine wesenlose Multiplikation von Zeichen und Gesten manchen Ablauf zum Zerrbild seiner Selbst verkommen ließen. Während des Hochgebetes hatte der Zelebrant über die Gaben weit über zwanzig Kreuzzeichen zu machen - in dreier und fünfer Gruppen unmittelbar hintereinander. Dies sah dann so aus, als würde der Priester irgend etwas zerhacken.

Ein älterer Pfarrer erzählte mir einmal, dass er als junger Bursche in den Ministrantendienst während der Wandlung mit den Worten eingeführt worden sei: Er müsse dann klingeln, "wenn der Pfarrer die Luft hackt".

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Die liturgische Bewegung und Erneuerung

Vor allem in Deutschland, in Beuron, Maria Laach, auf Burg Rothenfels um Romano Guardini, mühte sich die liturgische Bewegung um ein neues Bewusstsein für die Feier des Gottesdienstes. Und das zweite vatikanische Konzil hat sich dieses neue Bewusstsein in der Liturgiekonstitution zu Eigen gemacht.

Ergebnis ist die liturgische Erneuerung, die heute unser gottesdienstliches Feiern prägt und in der Folge ja Inhalt unseres Nachdenkens sein soll.

Hier möchte ich nur auf einige wichtige Grundsätze hinweisen, die dem Konzil offenbar wichtig waren und demnach auch Grundlage für unser weiteres Vorgehen sein müssten.

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Erste These

Unser gottesdienstliches Feiern in der Messe nimmt seinen Ausgang im Abendmahlssaal, in der Feier Jesu mit seinen Jüngern.

Vieles in der Liturgie der Messfeier wurde nachträglich von der alttestamentlichen Priestertheologie und den Vorschriften für das Opfer im Tempel beeinflusst. Jesus hat nicht am Opfergottesdienst im Tempel sondern beim gemeinsamen Paschamahl angeknüpft. Dieses Mahl muss demnach auch Vorbild und Maßstab unseres gemeinsamen Feierns sein.

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Zweite These

Hinzu kommt die Prägung, die die Messfeier in den ersten christlichen Gemeinden erfahren hat.

Hier ist vor allem der Wortgottesdienst zu nennen, der in Anlehnung an den Synagogengottesdienst ausgestaltet wurde. Die Wort-Gottes-Feier und die Mahlfeier, der Tisch des Wortes und der Tisch des Brotes, sind die Brennpunkte der Messfeier.

Elemente und Zeichen, die im Laufe der Zeit hinzugewachsen sind, dürfen den ursprünglichen Charakter dieser Feiern nicht überdecken und erst recht nicht verdunkeln. Auch dann nicht, wenn sie noch so tief in der Volksfrömmigkeit verwurzelt wären.

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Dritte These

Den Charakter der Messfeier als gemeinsames Mahl hat das Konzil wieder ganz deutlich unterstrichen.

Dabei liegt die Betonung nicht zuletzt auf dem Wort "gemeinsam". Es geht weder um ein Opfer, das von einem Priester dargebracht wird, noch um eine Vorführung vor Publikum. Es geht um eine gemeinsame Feier. Dies muss in der Gestaltung auch deutlich werden.

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Vierte These

Vor allem anderen kommt es zum Ausdruck durch den gemeinsamen Mitvollzug der Feier.

Dabei sind gemeinsamer Gesang, gemeinsames Gebet und die Verteilung der einzelnen Dienste auf viele verschiedene Mitfeiernde wichtige Zeichen. Die Messfeier kann nicht die private Feier eines Priesters sein, der einige eben - wie eher zufällig - als Zuschauer beiwohnen.

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Fünfte These

Um wirklich gemeinsam zu feiern braucht es aber auch eine Klarheit im Aufbau.

Dazu gehört schon die Kleinigkeit, dass man darum weiß, was noch kommt, und wann die Feier zu Ende ist. Viele Anhängsel die vor allem auf dem Hintergrund der Volksfrömmigkeit vielerorts nach dem Heinz Erhard'schen Prinzip "und noch'n Gebet..." einfach ohne inneren Zusammenhang angehängt wurden und werden, verunklären die gesamte Feier. Weniger ist da manchmal mehr. Nicht umsonst hat das Konzil sich darum bemüht, die Messe vom Staub der Jahrhunderte zu reinigen. Es hatte erkannt, dass die in den Fesseln einer übertriebenen Rubrizistik, die mit minutiösen Vorschriften, alles bis ins kleinste regeln wollte, eingeengte Messe wie sie noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Gang und Gäbe war, sich weit vom Ursprung entfernt hatte.

Das war ein Gottesdienst, zu dem Paulus sagen würde, "Was ihr bei euren Zusammenkünften tut, ist keine Feier des Herrenmahles mehr... " (1 Kor 11,20) Diese Feier des Herrenmahles gilt es daher immer wieder neu als Maßstab zu nehmen. Dann kann in unserem gottesdienstlichen Feiern erst richtig deutlich und vor allem erfahrbar werden, was uns Jesus im Evangelium verheißen hat:

"Wo (nämlich) zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18,20).

(Dr. Jörg Sieger)

Weiterführende Informationen: Zeittafel zur Geschichte Liturgie bzw. der Messe (unter besonderer Berücksichtigung Deutschland betreffender Ereignisse)

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letzte Änderung: 20. November 2001