"Lobt ihn mit Pauken und Tanz, lobt ihn mit Flöten und Saitenspiel!" (Ps  150,4) - Liturgie und Musik

Von der Bedeutung der Kirchenmusik; Liturgischer Tanz; Warum manche Lieder, die doch so schön waren, heute nicht mehr gesungen werden. Und muss all das neumodische Zeug denn sein?

Liturgie und Musik - da denken die meisten wohl gleich an den Kirchenchor, an eine feierliche Orchestermesse und das ganze Repertoire der geistlichen Musik.

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Kein Platz für Mehrstimmigkeit

Doch dieses Repertoire war lange Jahrhunderte ziemlich eingeschränkt. Das, was für uns heute aus keiner feierlichen Messe und keinem großen Chorwerk mehr wegzudenken ist, hatte im Gottesdienst über lange Jahrhunderte hinweg keinen Platz und keine Chance: der mehrstimmige Chorsatz nämlich.

Einzig und allein den gregorianische Choral mit all seinen Varianten traf man in der Liturgie an. Und ein Kennzeichen der Gregorianik ist ja durchgängig ihre Einstimmigkeit.

Der Grund für diesen Ausschluss der sogenannten Polyfonie lag nicht darin, dass man diese Musik nicht schätzte oder ihr gegenüber gar ablehnend eingestellt gewesen wäre. Grund war einzig und allein die Tatsache, dass der mehrstimmige Gesang wenig verständlich ist. Und die Verständlichkeit, verstehen zu können, was jetzt vorgetragen wurde, das war das eigentlich entscheidende Kriterium.

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Auf den Text kommt es an

Das macht schon deutlich, dass wir jetzt nicht in erster Linie über die Bedeutung der Chöre und der geistlichen Musikwerke sprechen. Wenn wir unter dem Thema "Liturgie und Musik" zusammenkommen, dann geht es wie an jedem unserer Abende um Teile der Liturgie, um Texte, um Gebete, und es geht darum, dass diese Teile der Messe oder des übrigen gottesdienstlichen Feierns eben gesungen werden.

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Warum man diese Texte überhaupt singt

Aber weshalb singt man Teile der Liturgie?

Ich habe erstmals einen ganz praktischen Grund und vielleicht auch einen der ganz prosaischen ursprünglichen Gründe für das Vorsingen liturgischer Texte in einer unserer Familienchristmetten selbst erfahren.

Normalerweise singe ich die Teile der Liturgie in Kindergottesdiensten nicht. Aber haben Sie schon einmal versucht, eine Praefation zu beten und zwar gegen die langsam anschwellende und bedrohlich wirkende Lärmwand einer Schar von über 300 Klein- und Kleinstkindern, die jetzt, nach 30 Minuten Gottesdienstdauer, langsam damit beginnen, die Kirche abzubrechen?

Damals habe ich zum ersten Mal in einem Kindergottesdienst eine Praefation mehr oder minder feierlich gesungen. Und ich habe dabei sehr eindrucksvoll gespürt, welche sammelnde Wirkung Gesang haben kann und - und vielleicht war dies ja auch der eigentliche Ursprung gesungener Vorträge im Gottesdienst - dass es sehr viel einfacher ist, singender Weise einen Raum zu füllen, als im bloßen gesprochenen Vollzug.

Ich denke, man begann damit liturgische Texte, Evangelien, Praefationen und den Segen zu singen, als die Räume, die ein einzelner ohne technische Hilfsmittel allein mit seiner Stimme zu füllen hatte, immer größer wurden.

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Gemeinsame Lieder von Anfang an

Aber auch die versammelte Gemeinde hat wohl von Anfang an im Gottesdienst gesungen. Schon im Kolosserbrief könnte sich diese Praxis niedergeschlagen haben. Dort heißt es:

"Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt" (Kol 3,16)

Solch ein Singen im Gottesdienst wäre nicht überraschend, denn auch im jüdischen Gottesdienst waren Hymnen, Psalmen und vielfältige Gesänge übliche Praxis. Das Buch der Psalmen ist nichts anderes als das Gesangbuch des Jerusalemer Tempels und entspricht damit in etwa unserem "Gotteslob".

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Gesang der Spezialisten

Leider setzte nach ein paar Jahrhunderten eine wenig erfreuliche Entwicklung ein. Als die Gottesdienstsprache nicht mehr Muttersprache war und die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde die Sprache des Gottesdienstes immer weniger verstand, konnte sie die Gesänge natürlich auch immer weniger mittragen. Anstelle der Gemeinde sang nun eine Schola, an die Stelle des gemeinsamen Gesanges trat der Gesang von Spezialisten.

Hand in Hand mit dieser Entwicklung ging auch die immer kunstreichere Ausgestaltung der Antiphone und akklamatorischen Gesänge, so dass die Bevölkerung schon gar nicht mehr in der Lage war, diese Teile selbst beizusteuern.

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Stellvertretender Charakter des Chorgesanges

Als dann vor allem in der Barockzeit die Scheu vor dem mehrstimmigen Gesang auch im Gottesdienst schwand, als die großen Orchestermessen und Chorwerke in die Liturgie Einzug hielten, übernahmen regelrechte Chöre den Part der Choralscholen und trugen nun die entsprechenden Teile des Gottesdienstes vor.

Dass es sich eigentlich um Gebete und Lieder des Volkes handelte, wurde nur noch dadurch verdeutlicht, dass der Priester zum Beispiel Gloria und Credo intonierte, was meist im Vergleich zum dann folgenden Orchester- und Chorpart recht quäkend ausfiel.

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Wer soll denn singen?

Hier rühre ich allerdings an ein ganz heißes Eisen und hoffe, keinem Kollegen zu nahe zu treten. Denn singen und vorsingen tun viele von uns ungeheuer gern, selbst wenn sie es nicht können. Jeder soll aber auch im Gottesdienst das tun, was er besonders kann. Nicht umsonst kommt in allen liturgischen Texten dem Kantor solch große Bedeutung zu.

Gerade bei großen Gottesdiensten, scheint es mir demnach nicht nur sinnvoll sondern auch geboten zu sein, entsprechend feierliche Gesänge jemandem zu übertragen, der sie auch gut vortragen kann.

Beim Exsultet, dem feierlichen Osterlob, ist dies glücklicherweise auch schon vorgesehen. Ich denke - das aber ist meine private Meinung - dass es unseren Herrn Jesus Christus am allerwenigsten stört, wenn auch an anderen Tagen und bei anderen Teilen der Messe der Text von jemanden vorgetragen wird, der auch dazu in der Lage ist. So meine ich, dass beispielsweise auch ein feierlich gesungenes Weihnachtsevangelium weit mehr zur Erbauung der Gemeinde beitragen könnte, wenn es ein Kantor entsprechend vorträgt, als wenn es ein Priester - allen Vorschriften entsprechend - obschon er es eigentlich nicht kann, meint dennoch singen zu müssen.

Es ist ein immer noch weiter verbreiteter Irrglaube, dass Priester mit der Weihe von der Kompetenz für den Gasanschluss im Kindergarten bis hin zum Stimmumfang eines kleinen Heldentenors alle erdenklichen Fähigkeiten der Welt erlangen.

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Kultur des Gemeindegesanges

Nichtsdestoweniger sollte sich auch der Pfarrer darum mühen, in der Fähigkeit zu singen vowärtszukommen, so wie sich auch die Gemeinde auf den Weg machen sollte, eine Gesangskultur zu entwickeln. Nahezu alle unserer Pfarrgemeinden zeichnen sich nämlich durch einen sehr schleppenden, oftmals sogar trägen Gesang aus.

Schlimm, wenn sie durch die Organisten aus diesem Jammertal nicht herausgeführt sondern auch noch durch entsprechend zähes Orgelspiel darin bestätigt werden.

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Bedeutung des Gemeindegesanges

Damit nehmen wir dem Gottesdienst einen großen Teil seiner Ausdruckskraft, denn Gesang gehört zu unseren Feiern dazu.

"Den Liebenden drängt es zum Singen" (Augustinus Sermo 336,1: PL 38,1472)

zitiert die Allgemeine Einleitung des Messbuchs den Kirchenvater Augustinus und fügt das Sprichwort an, dass

"Doppelt betet, wer gut singt." (Allgemeine Einleitung ins Messbuch, 19)

Letzteres befremdet mich etwas, weil eben nicht jeder gut singen kann und Gott das ehrliche Gebet eines jeden Menschen sicherlich gleich achtet - ob gesungen oder nicht. Dennoch kann die Bedeutung des Gesangs für die tätige Mitfeier des Gottesdienstes nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und gerade im Deutschen Südwesten hat man die Renaissance des Gemeindegesangs zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Einführung der sogenannten Bet-Sing-Messe entscheidend mitgeprägt.

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Gemeinde und Kirchenchor

Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies gefördert und unterstützt. Es ging sogar so weit, die großen Chorwerke etwas in ihre Schranken zu verwiesen. Im Sinne des Konzils ist es nämlich sinnvoller, dass die großen Teile der Messe - wie Gloria, Credo und Sanctus - von der versammelten Gemeinde gesungen werden und nicht durch den Kirchenchor.

Das Konzil versucht deshalb an allen möglichen Stellen den Wechselgesang zwischen Kantor, Schola und Chor auf der einen und Gemeinde auf der anderen Seite neu zu initiieren. Darin haben sich die Konzilsväter allerdings als höchst optimistisch und auch ein wenig realitätsfern erwiesen. Durchgesetzt hat sich der wechselweise Psalmengesang etwa in kaum einer Pfarrgemeinde.

Und dem Kirchenchor sowie den großen Chorwerken und Messen gehört selbstverständlich auch weiterhin ein wichtiger Platz in unseren Gottesdiensten.

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Wesentliche Bestandteile der Messe

Bedeutend ist aber nach all diesen Überlegungen, dass es kein schmückendes Beiwerk ist, wenn die Gemeinde im Gottesdienst miteinander singt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie und des gemeinsamen Feierns.

Von daher sind viele Lieder in unseren Gottesdiensten nichts anderes, als gesungene Teile der Messe. Es handelt sich dabei schließlich neben den Begleitgesängen zum Ein- und Auszug der Zelebranten und Ministranten um das Kyrie, das Gloria, das Credo, das Sanctus sowie das Agnus-Dei, das von der Gemeinde in diesem Fall eben nicht gebetet, sondern gesungen wird.

Nicht immer sind diese Teile allerdings in den Liedern, die dann tatsächlich gesungen werden, wiederzuerkennen.

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Geeignete und ungeeignete Lieder

Emminghaus bemängelt, dass das deutsche Messbuch als einziges an der Stelle des Glorias auch ein entsprechendes Gemeindelied zu singen zulässt, es aber im ganzen "Gotteslob" kein Gemeindelied gäbe, das dem Gloria wirklich entsprechen würde. Und der Kampf mancher Liturgen mit ihren Gemeinden, dass auf Teufel komm raus im Sanctuslied das Wort "heilig" halt dreimal vorzukommen hat, ist auch weithin bekannt.

Hier sind wir an dem neuralgischen Punkt, welche Lieder an welchen Stellen geeignet sind. Und wenn wir den Bogen noch weiter schlagen wollen: Welche Lieder in den Gottesdienst passen und welche nicht.

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Als die "schönen" Lieder gestrichen wurden

Bei der Einführung des "Gotteslobes" als Gesangbuch für den deutschen Sprachraum haben viele von Ihnen hier ganz schmerzvolle Erfahrungen gemacht. Manches Lied das Gemeinden voller Inbrunst und Begeisterung gesungen haben -, "weil's doch so scheh war!" - war nicht mehr zu finden, nachdem es den strengen Blicken der Theologen nicht mehr genügte.

Der holde Knabe im lockigen Haar ist zwar gerade noch einmal durchgerutscht, aber das "Fest soll mein Taufbund" fand sich nicht mehr im neuen Gesangbuch.

Lieder, die wir im Gottesdienst verwenden, prägen die Menschen, und sie sollten deshalb keine groben Schnitzer enthalten. Und dass die Kirche mich immer gläubig sehen soll und folgsam ihren Lehren, das hätten manche Ordinariate sicherlich gern, verkennt dann aber doch, dass es nicht Lehren der Kirche sind, denen wir folgen, sondern Gott.

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Vom Spagat zwischen Liturgie und Gefühl

Natürlich, den meisten Gemeinden erscheint dies als Spitzfindigkeit und die Entscheidung, das Lied ins Gesangbuch nicht mehr aufzunehmen wurde weithin nicht verstanden. Aber ich denke es ging dabei nicht um den Text, sondern um die liebgewordene Melodie. Und man hat deshalb - meines Erachtens - gut daran getan, einfach ein Beiheft herauszugeben, die Strophe ein wenig zu verändern, so dass sie jetzt: "Ich will den Weg des Glaubens gehen, und folgen Gottes Lehren" heißt - und alle Welt ist zufrieden.

Den Spagat zwischen dem Gefühl, das beim Gesang und der Liedauswahl eine nicht zu verachtende Rolle spielt, und der Theologie bzw. Liturgie, den gilt es in unseren Gottesdiensten eben jedes Mal aufs Neue auszuhalten. Und deshalb kann ich nur eine Lanze dafür brechen, diese Gratwanderung immer wieder neu zu üben und deshalb auch lieber ein entsprechendes Loblied, das aus vollen Kehlen gesungen wird, den Ruhm Gottes verkünden zu lassen, als ein liturgisch korrektes Glorialied, das ob seiner uneingängigen Melodie in der zweiten Zeile schon erstirbt.

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Wenn die Jugend wieder einmal alles anders macht

Diese pastorale Klugheit sollte meines Erachtens auch die Oberhand gewinnen, wenn die Jugend wieder einmal alles anders machen möchte.

Wenn die Allgemeine Einleitung ins Messbuch davon spricht, dass die Eigenart verschiedener Völker und der jeweiligen Gemeinschaften beim Gesang zu berücksichtigen ist (Allgemeine Einleitung ins Messbuch, 19), dann heißt das für mich auch, dass die Eigenart der verschiedenen Generationen - die manchmal wie unterschiedliche Welten aufeinanderprallen - Berücksichtigung finden muss. Wenn jede Generation und jede Schicht in unseren Gottesdiensten ihren Raum haben soll, dann muss auch ihr Lebensgefühl, das sich in Rhythmus, Sprache und Musik Ausdruck verschafft, zum Zug kommen.

Bei Kindermessen räumen die liturgischen Vorschriften nicht umsonst eine Vielzahl von Freiheiten ein, bis hin zur Bemerkung, dass

"(...) mit der gebührenden besonderen Umsicht ... gemäß den Weisungen der Bischofskonferenzen auch technisch reproduzierte Musik verwendet werden (darf)." (Direktorium, für Kindermessen, 32) -

etwas, was bei den "großen Kindern", insbesondere bei Trauungen mittlerweile immer größere Bedeutung gewinnt, und - meines Erachtens - nicht zu unseligen Auseinandersetzungen um einer vermeintlichen liturgischen Wahrheit willen führen sollte, die letztlich nichts bringen.

Vieles, was uns eben gewohnt und selbstverständlich ist, ist für andere alles andere als normal. Und was sie lieben und woran ihr Herz hängt, ist für mich manchmal nicht nachzuvollziehen. Dies sollte aber höchstens Anlass für gegenseitiges Verstehen lernen, nicht für reglementierendes Ausschließen sein.

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Liturgischer Tanz

Das gilt auch für ungewohnte Formen, die auf den ersten Blick nicht so recht in unseren kühlen, nordisch rationalen Kulturkreis zu passen scheinen.

Liturgischer Tanz ist hier ein Stichwort, das immer wieder zu Unverständnis und Spannungen führt, wenn eine Gruppe dergleichen in konkreten Gottesdiensten einbringen möchte geschweige denn, wenn sie dazu animiert, selbst mitzutun.

Hier ist wieder einmal der Weltkatechismus recht instruktiv, wenn er sagt:

"Die Katechese soll nicht nur der sakramentalen Liturgie und den Sakramentalien Beachtung schenken, sondern auch den Frömmigkeitsformen der Gläubigen und der Volksreligiosität. Der religiöse Sinn des christlichen Volkes hat von jeher in mannigfaltigen Frömmigkeitsformen Ausdruck gefunden, die das liturgische Leben der Kirche umgeben. (Weltkatechismus, 1674)"

Und dann nennt der Katechismus in einer Aufzählung unter anderem ausdrücklich die religiösen Tänze.

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Der ganze Mensch

Der ganze Mensch mit all seinen Ausdrucksformen hat eben seinen Platz, wenn es um das Lob Gottes geht. Und Musik, Tanz und Gesang gehören zum Menschen dazu. Seit jeher waren sie ureigenste Instrumente des Gotteslobes.

Der einzelne Mensch auf der einen und das gemeinsame Lob Gottes auf der anderen Seite stellen immer die Brennpunkte unseres gottesdienstlichen Feierns dar.

Der Mensch mit seinen Fähigkeiten, seinem ganzen Gefühl und seiner ganzen Ausdruckskraft soll hier angesprochen werden und zum Zuge kommen. Aber es geht immer um das Gotteslob, es geht darum sich durch all diese Fähigkeiten und Methoden, mit all den Möglichkeiten, die uns nicht zuletzt die Musik bietet, der Gegenwart Gottes wieder aufs Neue zu versichern und ihn zu preisen.

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These 1

Unsere Musik darf - und damit sind wir bei der ersten abschließenden These - deshalb auch nie zum Selbstzweck werden. Es geht hier nicht in erster Linie um die Pflege irgendwelchen Brauchtums oder eines kulturellen Erbes. Gottesdienst, so wie wir ihn feiern, kann nie den Charakter einer Aufführung haben. Dafür gibt es Konzertsäle und Theater. Kirchen sind etwas anderes.

Der Satz, den ich einmal am Telefon hören musste: "Findet in Ihrer Kirche am Sonntag noch eine Aufführung statt" spricht da Bände. Wir führen hier nichts auf. Wir feiern.

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These 2

Damit auch ein feierlicher Gottesdienst mit Kirchenchor und Orchester den Charakter einer Feier haben kann, müssen die mitfeiernden Menschen - ihre Bedürfnisse und ihre Anliegen - auch im Blick sein.

Wenn solch ein Gottesdienst für eine Mutter mit kleineren Kindern aber zum Albtraum wird, weil sie über anderthalb Stunden hinweg nicht weiß, wie sie die Racker so ruhig halten soll, dass sie nicht dauernd ins Pianissimo brabbeln, dann hat der Gottesdienst wenig mit Feier, sondern nur noch mit Stress zu tun.

Nicht umsonst feiern unsere Kinder bei solchen Gottesdiensten parallel zu dieser Messe in der Kinderkirche. Das ist kein Abschieben, das ist Rücksichtnahme auf unterschiedliche Bedürfnisse.

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These 3

Genauso wichtig ist für mich, dass trotz aller Feierlichkeit Gottesdienst lebendig bleibt. Deshalb muss manchmal manches, was kirchenmusikalisch vielleicht angezeigt und sinnvoll wäre, um der Feier willen zurückstehen.

Wenn kirchenmusikalische Gesichtspunkte am Ende sogar noch größere Zwänge bedeuten würden, als die ja bekanntermaßen schon alles andere als großzügigen Regeln der Liturgie, dann würde lebendige Feier in Strukturen hineingepresst, die am Ende das Feiern ersticken.

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These 4

Nicht anders ist es mit dem Gemeindegesang, der sicherlich in den seltensten Fällen mit den Ansprüchen einer feierlichen Orchestermesse mithalten kann. Trotz allem muss die Gemeinde im Gottesdienst auch bei einer noch so großartigen Orchestermesse zum Zuge kommen.

Wenn wir von gemeinsamer Feier sprechen, dann dürfen die Mitfeiernden nicht in die Rolle der reinen Zuhörer gedrängt werden.

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These 5

Vor allem bei entsprechenden Feiertagen wie etwa an Weihnachten gilt es dies, bei der Gestaltung zu berücksichtigen.

Gesang hat mit Gefühl zu tun, dies wird gerade an solchen Tagen ganz besonders deutlich. Man mag den "holden Knaben im lockigen Haar" mögen oder nicht, ich denke, an Weihnachten gehört er einfach dazu. Da braucht es das ganz besondere Fingerspitzengefühl eines Chorleiters, die Gemeinde in ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen. Gerade an solchen Tagen sind Weihnachtslieder - vielleicht auch im Wechsel zwischen Chor und Gemeinde, wahrscheinlich sehr viel sinnvoller, als die großartigste Orchestermesse der Welt.

Gottesdienst darf nicht zu einem bloßen Rahmen für eine musikalische Darbietung werden. Wichtig ist, dass all unser Musizieren immer dem gemeinsamen Feiern dient.

(Dr. Jörg Sieger)

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letzte Änderung: 30. April 2003