"Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit..." - unsere Gaben - Gottes Geschenk

Zur Symbolik der Gabenbereitung. Welches Brot muss er sein und warum besonderer Messwein. Über Korporale und Velum und den Grundsatz "ohne Kollekte keine gültige Messe"; Kommunionspendung.

Es war im Frühjahr 1983, da wurde ich zu einem Praktikum für vier Wochen nach Pforzheim geschickt. Damals habe ich den alten, mittlerweile verstorbenen Pforzheimer Dekan Theo Ullrich kennengelernt. Und eines der "Highlights" in diesen vier Wochen war die Weihe des neuen Altares in der Kapelle eines Altersheimes.

Da es sich um einen kleinen Altar in einer Kapelle handelte, kam kein Bischof zur Altarweihe - Freiburg hatte den Dekan beauftragt, die Weihe durchzuführen.

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Ohne Kollekte keine gültige Messe

Es war ein feierlicher Gottesdienst und eine beeindruckende Zeremonie. Lediglich am Ende, als wir schon wieder in der kleinen Sakristei waren, stieß Dekan Ullrich einen furchtbaren Seufzer aus.

"Ach Gott, die Weihe müssen wir wiederholen. Wir haben die Kollekte vergessen - und ohne Kollekte, keine gültige Mess'."

Natürlich haben wir die Weihe nicht wiederholt. Natürlich war die Äußerung mit der Kollekte Quatsch, aber genau diesen Eindruck könnte man manchmal schon gewinnen.

Groß wird auf die Kollekten hingewiesen und den sprichwörtlichen Opfergroschen - am Silbersonntag sogar eine glänzende Münze - darf man nicht vergessen. Und manchmal kommt man aus der Kirche nicht mehr heraus, ohne dass man über Ministranten - im schlimmsten Falle Pfarrgemeinderäte - stolpert, die einem noch einmal eine Opferbüchse unter die Nase halten. Gepaart mit dem Ausspruch meines Heimatpfarrers, dass ihm die "Scheinwerfer" die liebsten seien, rundet das den Eindruck ab, als sei die Kollekte neben der Wandlung der wichtigste Teil der Messfeier überhaupt.

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Gabe und Geschenk

Unwichtig ist er nicht.

Wenn wir Gottesdienst feiern, sind wir uns dessen bewusst, dass alles, was wir im Leben erhalten haben, Gottes Geschenk an uns Menschen ist: vom Leben angefangen, über das tägliche Brot und all die Annehmlichkeiten, die uns das Leben versüßen.

Dafür danken wir Gott und bringen von diesen Gaben zum Gottesdienst. Einmal im Jahr, beim Erntedankgottesdienst, hat sich das noch ganz sinnenfällig erhalten. Aber eigentlich ist es in jeder Messe so. Wir bringen die Gaben, die wir von Gott erhalten haben, geben sie Gott zurück und bekommen sie verwandelt im Sakrament erneut als Geschenk.

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Vom Kohlkopf zur Münze

So brachten die Menschen früher tatsächlich Brot und Wein als ihre Gaben zum gemeinsamen Mahl.

Aber man brachte auch andere Dinge. Die Gemeinschaft der Gläubigen, umfasste ja auch Glieder, die krank, die in Not geraten waren, und diese Menschen, galt es zu unterstützen. In den Gottesdienst wurden nun, gemeinsam mit den Gaben von Brot und Wein all die Dinge gebracht, die dazu helfen sollten, die verschiedenen Aufgaben zu bewerkstelligen.

Dies geschah anfangs ganz selbstverständlich in Form von Naturalien: Obst und Gemüse, Lämmer und Schafe, wurden zum Gottesdienst getragen.

Natürlich ist das recht unpraktisch wenn da am Sonntagmorgen plötzlich ein Kalb - und wohlgemerkt ein vierbeiniges - am Altar steht. Von daher ist es mehr als verständlich, dass an dieser Stelle recht bald - anstatt der Naturalien - Geldspenden gemacht wurden.

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Etwas zur Kollektenpolitik

Dies hat sich bis heute durchgehalten und ist auch fester Bestandteil nicht nur des Gottesdienstablaufes sondern auch der kirchlichen Finanzpolitik.

Etwa die Hälfte der Sonntagskollekten sind mit Sammlungen für die großen Hilfswerke und weitere überregionale Anliegen belegt. Sie haben komplett abgeführt zu werden und die erzbischöfliche Kollektur ist hinter diesen Geldern auch genauso her, wie der Teufel hinter der armen Seele.

Die Kollekte der übrigen Sonntage bleibt in der Gemeinde und ist dort im Haushalt fest eingeplant. Pro Gemeindemitglied ist von vorneherein ein bestimmter Betrag als Kollektenertrag aus dem Gottesdienst auf der Einnahmenseite im Haushaltsplan der Kirchengemeinde vorgesehen.

Für andere Anlässe, wie etwa Orgelrenovierungen oder Kirchenheizung werden dann häufig noch Sonderkollekten als Türkollekten gehalten. Damit wird den Gottesdienstteilnehmern, fast schon mit einem Augenzwinkern signalisiert, was ihr bei der Gabenbereitung in das Körbchen werft, das geht heute nach Freiburg, das was ihr am Kirchenausgang hineinschmeißt, bleibt bei uns.

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Wohin mit den Gaben

Seit einiger Zeit mühen wir uns, die Kollekte sehr zügig einzusammeln. Ich warte nun auch öfters, bis die Ministranten die Körbchen nach vorne gebracht haben.

Das hängt damit zusammen, dass das Einsammeln der Gaben auch wirklich während der Gabenbereitung abgeschlossen sein und sich keinesfalls ins Hochgebet hineinziehen soll.

Die Gaben werden dann vor den Altar gebracht und dort niedergelegt. Das scheint mir der geeignetste Ort dafür zu sein. Auf dem Altar haben sie nichts zu suchen, das schreibt das Messbuch ausdrücklich, aber verstecken sollten wir sie auch nicht.

Es ist schon beinahe peinlich, wenn man die Körbchen einfach ganz schnell irgendwie verschwinden lässt. So nach dem Motto: 'Haben wollen sie das Geld unbedingt, aber dann ganz schnell weg damit, damit man ja nicht sieht, dass es irgendwo auch ums Geld geht.'

Die Kollekte, ist eine Gabe der Menschen, die wir jetzt vor den Altar bringen, wo - neben den Gaben von Brot und Wein - auch über sie das Gebet zum Abschluss der Gabenbereitung gesprochen wird.

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Das Richten des Altares

In der Zwischenzeit haben die Ministranten, stellvertretend für die anwesende Gemeinde, den Altar bereitet.

Der sollte eigentlich, bis zu diesem Zeitpunkt noch leer gewesen sein. Aus praktischen Erwägungen liegt das Altartuch natürlich in aller Regel schon auf dem Altar, und der Blumenschmuck und die häufig schweren Kerzenständer, die nicht zum Tragen geeignet sind, stehen auch schon an ihrem Platz. Mehr aber sollte noch nicht vorbereitet sein.

Das Messbuch müsste jetzt erst zum Altar gebracht werden. Während des Eröffnungsteiles wurde es ja am Priestersitz benötigt. Meist liegt aber auch dieses Buch bereits auf dem Altar. Weil das Messbuch doch recht schwer ist, findet nämlich für den Eröffnungsteil der Messe meist eine kleinere und leichtere Ausgabe Verwendung.

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Das Korporale

Unsinnig ist es allerdings, wenn das Korporale bereits auf dem Altar liegt oder gar als Dauereinrichtung - langsam einstaubend - immer auf ihm liegen bleibt.

Das Korporale ist ein quadratisches Tüchlein, das auf ganz eigene Art gefaltet wird. An der unteren und oberen Kante wird das Tuch jeweils zu einem Drittel eingeschlagen, so dass eine regelrechte Tasche entsteht. Genau das gleiche geschieht noch einmal an der rechten und linken Kante. Dass es dadurch jeweils dreifach gefaltet und am Ende in 9 gleiche Teile geteilt ist, hat man als weiteres Symbol, gerne entgegengenommen. Weit wichtiger aber ist die Taschenform, die dadurch entsteht.

Das Tuch liegt zu Beginn der Gabenbereitung noch auf dem Kelch, wird nun ausgebreitet, die Eucharistie wird auf ihm gefeiert, und am Ende, nach der Kommunion, wenn die Gefäße über dem Korporale gereinigt worden sind, wird es genauso, wie es entfaltet wurde auch wieder zusammengelegt, so dass alle Krümel, die möglicherweise bei der Brechung des Brotes oder bei der Reinigung der Gefäße daneben gefallen sind, in dieser Tasche bleiben und nichts verloren geht. Von diesen Brosamen des Leibes Christi - des "Corpus Christi" - hat das Korporale letztlich auch seinen Namen.

Natürlich verliert dieses Tüchlein absolut seine Bedeutung, wenn die Hostienschalen über den ganzen Altar ausgebreitet stehen. Dementsprechend sollte man auch darauf achten, dass man die Gefäße mit den Hostien, wirklich auf das Korporale stellt. Erst recht sinnlos ist es natürlich geworden, wenn der Priester das Tuch einfach auf dem Altar liegen lässt und der Mesner es am Ende gar noch ausschüttelt, um dadurch die Brosamen zu entfernen und es für den nächsten Gottesdienst wieder schön glatt hinlegen zu können. Dann kann man das Korporale eigentlich auch ganz weglassen.

Bleibt mir nur noch am Rande darauf hinzuweisen, dass es früher nicht unwichtig war, dass die Eucharistie auf dem Korporale, der eigentlichen Altardecke und der Altarunterdecke - also insgesamt auf drei Tüchern - gefeiert wurde, die natürlich alle aus Leinen waren und damit an das Grabtuch Jesu erinnern sollten.

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Das Velum

Schon dadurch wird deutlich, dass wir hier an einer äußerst symbolträchtigen Stelle des Gottesdienstes stehen.

Dies zeigt auch ein weiteres Tuch, das ebenfalls quadratisch geschnitten und meist - passend zum Messgewand - in den Farben der Liturgie gehalten ist: das sogenannte Kelchvelum.

Eigentlich ist es ein Relikt aus früherer Zeit. Im heutigen Messbuch wird es gar nicht mehr erwähnt. Es ist deshalb auch alles andere als notwendig. Die Bezeichnung kommt vom lateinischen Wort für "Segeltuch". Eigentlicher Sinn ist aber die Verhüllung. Der Kelch, wird durch dieses Tuch verdeckt und den Blicken entzogen. Erst kurz vor dem Hochgebet wird das wertvolle Gerät, in dem sich Wein zu Blut Christi wandelt, den Augen enthüllt, um unmittelbar nach dem heiligen Geschehen, wieder den Blicken der Welt entzogen zu werden.

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Die liturgischen Geräte

Von der Bedeutung des Geschehens her versteht sich, dass all die Gefäße, die hier Verwendung finden, in der Vergangenheit sehr aufwendig und kostbar gestaltet wurden.

Die Liturgiereform hat daran erinnert, dass es auch hier Grenzen gibt. Das gottesdienstliche Geschehen soll sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht durch übertriebenen Prunk vom Eigentlichen ablenken. Schlicht sollen sie sein, die liturgischen Geräte, also der Kelch und die Hostienschale.

Was nichts daran ändert, dass sie kostbar und aus Gold sein sollen. Gott selbst, gegenwärtig im Sakrament, soll auch mit entsprechend würdigen Geräten geehrt werden.

Dementsprechend sind auch nach den gegenwärtigen liturgischen Richtlinien, liturgische Geräte, die beispielsweise leicht zerbrechen können, nicht gestattet. Unabhängig davon können die recht beliebten Tongefäße da und dort von einer ungeheuer dichten Zeichenhaftigkeit sein.

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Klare Vorschriften für das Brot

Klare Vorschriften gibt es auch für die eucharistischen Gaben.

"Das Brot zur Feier der Eucharistie muss aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch und nach dem Brauch der lateinischen Kirche ungesäuert sein." (Allgemeine Einleitung ins Messbuch, 282)

Dieser Brauch ist nicht unsinnig. Jesus hat im Abendmahlssaal mit seinen Jüngern ein Pessachmahl gefeiert, für das Brot nach genau diesen Grundsätzen zubereitet wurde und wird.

Nichtsdestoweniger wäre die Zeichenhaftigkeit um ein Vielfaches größer, wenn das im Gottesdienst verwendete Brot mehr an Brot, als an Backoblaten erinnern würde. Und im Einzelfall kann es - meines Erachtens - durchaus auch angezeigt sein, um der größeren Zeichenhaftigkeit willen, die Messe mit richtigem Weißbrot zu feiern.

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Was ist Messwein?

Weit weniger streng sind heute die Vorschriften in Bezug auf den Wein. Der Wein soll lediglich naturrein sein, was für unseren Raum bedeutet, dass jeder Wein, der das Prädikat "Qualitätswein" aufweist, für die Feier der Messe geeignet ist.

Dass dabei nur Weißwein verwendet wird, hat vor allem praktische Gründe. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat Jesus im Abendmahlssaal Rotwein verwendet. In der Studentengemeinde haben wir deshalb auch einmal eine Zeit lang versucht, Messe mit Rotwein zu feiern. Aber versuchen Sie danach die Kelchtücher noch ein zweites Mal zu verwenden - von der Reinigung dieser Tücher ganz zu schweigen.

Im Mittelalter scheint es bei der Verwendung von Rotwein auf dem Hintergrund der mittelalterlichen Wundersucht auch zu manchem falschen "Blutwunder" in der Messe gekommen zu sein, woraufhin die Verwendung von Rotwein sogar untersagt worden ist.

Dass vielerorts recht süßer Likörwein in den Sakristeien zum Einsatz kommt, ist auch zuerst praktisch bedingt. Meist steht eine geöffnete Flasche mehrere Wochen in der Sakristei, bis sie aufgebraucht ist. Bei normalem Wein wäre - gerade im Sommer - die Gefahr sehr groß, dass der Wein umkippt, verdirbt und zu Essig wird. Durch die Verwendung von Likörwein versucht man dieser Gefahr zu wehren.

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Raum der Stille

Brot und Wein bringen die Ministranten nun zum Altar. Dies wird in der Regel durch einen mehr oder minder passenden Gesang begleitet.

Das Messbuch erinnert aber ausdrücklich daran, dass an dieser Stelle auch Raum für Stille oder ein längeres Orgelspiel ist. Auch können die Begleitgebete zur Gabenbereitung laut gesprochen werden, so dass die Mitfeiernden stärker ins Geschehen einbezogen werden.

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Das Begleitgebet zur Bereitung des Brotes

Der Zelebrant nimmt die Gaben entgegen und spricht jeweils eines dieser Begleitgebete, die hier nahezu wörtlich der jüdischen Pessachliturgie entnommen sind.

Beim Brot lautet das entsprechende Gebet:

"Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde."

Wird es vernehmlich gesprochen, antwortet die Gemeinde mit den Worten:

"Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott."

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Was soll die Mischung von Wasser und Wein

Bevor das Gebet über den Kelch gesprochen wird, wird etwas Wasser in den Kelch gegeben. Dies rührt mit Sicherheit von der Praxis her, dass in Israel der schwere Wein nur mit Wasser verdünnt getrunken wurde. Durch das begleitende Gebet erhält diese Vermischung nun aber eine symbolische Bedeutung.

Der Begleittext lautet:

"Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet, zum heiligen Zeichen so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat."

Jesus selbst nimmt uns Menschen mit hinein in die göttliche Dimension des Lebens.

Im Zeichen des Wassertropfens, der für uns Menschen steht und der sich mit dem Wein verbindet, wird dies sinnenfällig zum Ausdruck gebracht.

Das Begleitgebet zur Bereitung des Kelches

Ganz ähnlich, wie bei der Bereitung des Brotes, spricht der Priester nun:

"Gepriesen bist du, Herr unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit es uns der Kelch des Heiles werde."

Auch hier antwortet die Gemeinde gegebenenfalls:

"Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott."

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Die Händewaschung

Danach wäscht sich der Priester die Hände.

Das kommt natürlich ganz einfach daher, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht. In der Liturgie hat dieser Vorgang aber symbolische Bedeutung erhalten. Die Begleittexte machen das deutlich.

Während sich der Priester zum Altar hin verneigt, spricht er stellvertretend für alle, die jetzt hier sind:

"Herr, wir kommen zu dir mit reumütigem Herzen und mit demütigem Sinn. Nimm uns an und gibt, dass unser Opfer dir gefalle."

Zur Händewaschung selbst, sagt er dann:

"Herr, wasche ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein."

Es geht also, nachdem jetzt alles vorbereitet ist, auch darum, sich noch einmal innerlich auf das Geschehen einzulassen und sein Inneres dementsprechend zu bereiten.

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Verschiedene Einleitungen

Dann mündet die Gabenbereitung hinein in das Gabengebet, dass mit der Formel "Lasset uns beten." eingeleitet wird.

Beim Gabengebet sieht das Messbuch übrigens zwei weitere Möglichkeiten der Eröffnung vor. Die erste ist lediglich eine Erweiterung dieser einfachen Gebetseinleitung:

"Lasset uns beten, zu Gott, dem allmächtigen Vater, dass er die Gaben der Kirche annehme zu seinem Lob und zum Heil der ganzen Welt."

Die zweite Möglichkeit, die angeboten wird, stellt jenes Wechselgebet dar, das auch schon vor der Liturgiereform an dieser Stelle stand. Im 9. Jahrhundert ist es erstmals bezeugt.

Bis zum Aufkommen der liturgischen Bewegung wurde es leise von den Messdienern oder eventuell dem levitierenden Priester beantwortet, dann aber erfreute es sich, als eines der wenigen Akklamationsgebete großer Beliebtheit. Auch in unserem Messbuch ist es als Möglichkeit vorgesehen. Der Priester leitet dabei mit den Worten ein:

"Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer, Gott dem allmächtigen Vater gefalle."

Darauf antwortet die Gemeinde:

"Der Herr nehme das Opfer an, aus deinen Händen, zum Lob und Ruhm seines Namens, zum Segen für uns und seine ganze heilige Kirche."

Johannes Emminghaus hält diese Akklamation eigentlich für eine Verdoppelung des darauffolgenden Gebetes und rät eher zu den beiden anderen Gebetseinladungen oder auch weiteren Varianten. Er meint wörtlich:

"Wenn sie gut formuliert und nicht schwatzhaft sind, können sie gute Hilfen für die Gemeinde sein. Der Vorsteher der Meßfeier hätte hier eventuell gute Möglichkeiten, seine Aufgabe als Leiter des Gebets der Gemeinde zu erkennen." (Johannes H. Emminghaus, Die Messe, (3. Auflage 1983, Klosterneuburg / Stuttgart) 237)

Für mich ist diese ausführliche Einleitung zum Gabengebet noch aus einem anderen Grund problematisch. Sie ist noch so sehr dem alten Gedanken der Opferung verhaftet, dass sie eigentlich einer Erklärung bedarf, um sie nicht misszuverstehen. Sehr leicht könnte man aus den Formulierungen ansonsten schließen, dass hier ein Opfer dargebracht wird. Es gibt aber keine neuen Opfer. In der Messe vergegenwärtigen wir lediglich, was Jesus ein für alle Mal für uns getan hat.

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Erste These

Damit kommen wir zu zwei abschließenden Thesen. Immer noch scheint es mir wichtig, den Charakter der Bereitung des Altares für das nun stattfinde Mahl zu betonen. Wir bereiten die Gaben und opfern nichts.

Der Begriff Gabenbereitung umschreibt das Geschehen am treffendsten und die alte, immer noch in Gebrauch befindliche Bezeichnung "Opferung" gilt es wirklich zu vermeiden

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Zweite These

Und auch wenn die Kollekte wichtig ist, so darf sie doch nicht im Vordergrund stehen.

Mit ganz wenigen Ausnahmen halte ich es nicht für sinnvoll, in der Gottesdienstordnung, im Schaukasten und auch noch einmal durch ausdrückliche Verkündigung vor Beginn der Gabenbereitung darauf hinzuweisen, für was heute gesammelt wird.

Wer sollte da nicht zur Überzeugung gelangen, dass es Kirche nur ums Geld geht. Entscheidend aber ist doch etwas ganz anderes. Wir feiern das Mahl, zu dem uns Jesus Christus lädt, und darauf gilt es sich vorzubereiten - sich selbst und die Gaben zu bereiten -, auf dass aus dieser Feier wirklich beides erwächst:

Lob Gottes und das Heil der ganzen Welt.

(Dr. Jörg Sieger)

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letzte Änderung: 28. April 2004