"Als du ... aufgestanden bist, um einem Toten den letzten Dienst zu erweisen, blieb mir deine gute Tat nicht verborgen" (Tob 12,13) - Tod und Begräbnis

Vom Sterben des Christen. Wer beerdigt wen? Wenn Frauen beerdigen. Beerdigung Ausgetretener, Selbsttötung

Das war in der Vergangenheit eigentlich das schlimmste, was einem Christen überhaupt geschehen konnte - das war die Konsequenz, die man allen, die mit dem Gedanken spielten, aus der Kirche auszutreten, vor Augen stellte - und damit wurden sogenannte Selbstmörder nachträglich gleichsam bestraft: dass der Pfarrer sie nämlich nicht beerdigte.

Kaum etwas schlimmeres konnte man sich als Christ vorstellen, als eben nicht vom Pfarrer beerdigt zu werden. Das kam schon fast einer Verurteilung zur Hölle gleich.

Nicht umsonst hatten Eltern von Säuglingen schlaflose Nächte - denn was, wenn dem Kind etwas passieren würde, bevor es getauft worden war? Es bekam dann ja nicht einmal ein kirchliches Begräbnis.

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Das Begräbnis und das Amt

Kaum ein Anlass ist im Bewusstsein der Menschen so mit Glaube, Kirche und dementsprechend auch mit dem Amt des Pfarrers verbunden, wie das Sterben und die Verabschiedung von einem lieben Verstorbenen.

Kaum etwas wird originärer mit der Rolle kirchlicher Amtsträger in Verbindung gebracht, als der Dienst auf unseren Friedhöfen. Und kaum ein Umstand bereitet den Menschen derzeit größere Schwierigkeiten im Zusammenhang mit unseren Seelsorgeeinheiten und dem Zusammenlegen von Pfarrgemeinden, als die Veränderungen gerade auf diesem Gebiet.

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Einschneidende Veränderungen

Denn ausgerechnet dort, wo Menschen wohl am emotionalsten betroffen sind - beim Sterben und bei der Trauer um Angehörige -, ausgerechnet dort haben Theologen und Kirchenleitungen die wenigsten Bedenken, einschneidende Änderungen vorzunehmen.

Während die Rolle des Priesters bei der Messe immer wieder als unverzichtbar herausgestrichen wird, alles versucht wird, um bei Wortgottesfeiern am Sonntagmorgen den Unterschied deutlich hervorzuheben und ja keine Verwechslung aufkommen zu lassen - während hier immer wieder betont wird, dass es den Priester unabdingbar notwendig braucht, wird ausgerechnet beim kirchlichen Begräbnis, das die Menschen in der Vergangenheit mit am stärksten mit dem Amt des Pfarrers in eins gesetzt haben, wird ausgerechnet bei der Beerdigung seit einiger Zeit recht unverblümt gesagt und etwas verkürzt dann auf den Punkt gebracht, dass beerdigen eigentlich jeder kann.

Für die meisten stellt das so ziemlich alles auf den Kopf, was sie je als unerschütterliche Wahrheit angesehen haben.

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Werk der Barmherzigkeit und Sakrament

Und dabei ist es theologisch betrachtet tatsächlich so: Die Beerdigung ist kein Sakrament.

Sakramente sind Geschenke Gottes an uns Menschen, die uns seine heilende und helfende Gegenwart sinnenhaft erfahrbar nahe bringen wollen. Es sind Heilsgeheimnisse, die Kirche allesamt auf Jesus Christus zurückführt.

Die Beerdigung ist aber keines dieser Sakramente. Sie gab es schon eh und je und hängt nicht erst mit dem Wirken Jesu zusammen. Sie ist ein ganz tief im Menschen verwurzeltes seit Urzeiten geübtes Werk der Barmherzigkeit.

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Tobit

Am eindrücklichsten wird ihre Bedeutung und ihr Stellenwert im Büchlein Tobit beschrieben.

Der alte Tobit lebt in Ninive, in der Gefangenschaft. Viele seiner Stammesgenossen werden hingerichtet und ihre Leichname einfach über die Stadtmauer geworfen. Obschon, sie zu beerdigen, bei Todesstrafe verboten ist, werden sie alle heimlich von Tobit bestattet.

Und am Wochenfest, als das Festmahl bereitet ist und alle schon am gedeckten Tisch sitzen, kommt die Nachricht, dass wieder ein Hingerichteter im Stadtgraben liegt. Tobit geht unter Einsatz seines Lebens beerdigt den Verstorbenen, kann am Festmahl nicht mehr teilnehmen, weil er - gemäß jüdischer Vorstellung - durch den Kontakt mit Toten unrein geworden ist, muss im Freien übernachten und erblindet, weil ein Vogel seinen Kot in seine Augen fallen lässt.

Damit beginnt ein langer Leidensweg, der durch Gottes Fügung dennoch zum Guten führt. Und den Grund dafür gibt Gott am Ende selbst mit folgenden Worten an:

"als du ... aufgestanden bist, um einem Toten den letzten Dienst zu erweisen, blieb mir deine gute Tat nicht verborgen" (Tob 12,13)

Es ist ein Werk der Barmherzigkeit, Tote zu beerdigen, das vor Gott nicht verborgen bleibt.

Und dieser Dienst - da haben Theologen und Kirchenleitungen demnach völlig recht - dieser Dienst ist absolut nicht an das Amt des Pfarrers, an den Priester oder Diakon gebunden.

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Konsequent, aber nicht vermittelbar

Von daher ist es durchaus konsequent, wenn als eine der ersten Maßnahmen, um dem Priestermangel in den Gemeinden zu begegnen, wiederentdeckt wurde, dass genau dieser Dienst dann ja auch auf mehrere Schultern verteilt werden kann.

Es ist theologisch durchaus konsequent - das ist aber dann auch schon alles. Viele in unseren Gemeinden werden nämlich genau dies absolut nicht verstehen. Und das hat die unterschiedlichsten Gründe. Und die wenigsten haben etwas mit Theologie zu tun.

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Unterschiedliche Gründe

Von den gefühlsmäßigen Gründen, habe ich eingangs ja bereits gesprochen. Viele der Vorstellungen, die Menschen heute haben, sind über Jahrzehnte und Jahrhunderte gewachsen, und unseren Gemeinden auch eingetrichtert worden. Sie lassen sich nicht von heute auf Morgen wieder austreiben.

Ein Grund aber der wiegt mit am schwersten und hat am wenigsten mit Glaube, mit Gott und mit Religion zu tun. Er hat etwas mit Ansehen mit Bedeutung und mit Ehre zu tun. Genau das aber sind die Bereiche, denen man mit rationalen Argumenten am wenigsten beikommen kann.

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Pfarrer - Kaplan - Diakon

Ich habe das erstmals in Oberkirch erlebt, wo ich ein Jahr als Diakon tätig war.

Während bei Hochzeiten vor allem der Kaplan gefragt war, weil er als jung und dynamisch galt, brauchte es bei der Beerdigung natürlich den Pfarrer, denn der war ja der Ranghöhere; und 'für unseren Vater, unsere Mutter, wollen wir' - vor allem bei der Beerdigung - 'nur das Teuerste und Beste'. Der Kaplan war da schon ein Abstieg und der Diakon nur Notbehelf und in den seltensten Fällen akzeptabel.

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Bessere und schlechtere Beerdigungen

In vielen Gemeinden, in denen es nur einen Pfarrer gegeben hat, stellten sich die damit verbundenen Fragen eigentlich nie, denn es war klar, dass ja der Pfarrer beerdigt, und zwar alle und unterschiedslos.

Jetzt kommt die Problematik, die ich in Oberkirch erlebt habe, in noch verschärfterer Form ganz neu auf viele Gemeinden zu. Im Bewusstsein der Menschen gibt es jetzt nämlich verschiedene Klassen von Beerdigungen. Es gibt welche, die werden vom Pfarrer beerdigt, und andere eben nicht.

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Kein Ansehen der Person

Es heißt zwar so schön, dass bei der Gestaltung des Begräbnisses kein Ansehen der Person eine Rolle spielen darf, aber wie soll man das machen?

Schon vom Bekanntheitsgrad, von der Zahl der Teilnehmer und Mittrauernden gibt es ja Unterschiede. Und wenn es nicht so sein soll, dass der Pfarrer eben die Kirchgänger beerdigt und die Nichtkirchgänger von der Gemeindereferentin bestattet werden, welche Regelungen findet man dann? Beerdigt die Gemeindereferentin Montags und Dienstags, und der Pfarrer dann Donnerstags bis Freitags? Und was wenn die Beisetzung des Oberbürgermeisters dann am Montag sein soll? Wird er dann von der Gemeindereferentin beerdigt?

Hier scheinen mir die eigentlichen Fragen und die eigentlichen Probleme zu liegen. Und sie haben, wie bereits angedeutet, kaum etwas mit Theologie und Glaube zu tun. Hier geht es letztlich um den Umstand, dass alle Menschen eben völlig gleich an Würde und Wert sind, einige aber halt doch ein wenig gleicher - ein Problem, für das ich keinerlei Lösung weiß.

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Wenn Farbige und Frauen beerdigen

Zumal hier noch eine Reihe von Dingen mitspielen, die verschärfend hinzukommen und erst recht nichts mit Kirche und Glaube zu tun haben. Es geht dann nicht einmal mehr um die Frage ob derjenige, der beerdigt, zum Priester geweiht ist oder nicht.

Als ich im August einmal nicht da gewesen bin, und Patrick Assomugha, unsere Vertretung aus Nigeria, die Beisetzung übernehmen sollte, bekam ich im Vorfeld zu hören:

"Was? von einem Schwarzen lasse ich meine Mutter nicht beerdigen!"

Da war dann völlig egal, dass dieser "Schwarze" geweihter Priester gewesen ist.

Und ich bin mir ganz sicher, dass Pastoral- und Gemeindereferenten - dass Männer in diesem Dienst -, weit weniger Schwierigkeiten bekommen - weil sie doch eigentlich wie "e kleins Kaplänle aussehe" -, weit weniger Schwierigkeiten als eine Gemeindereferentin - Nicht, weil diese nicht geweiht wäre, sondern ganz einfach weil sie Frau ist.

Auch hier spielt unsere gesellschaftliche Wirklichkeit eine ganz große Rolle: dass wir nämlich alle, von der gleichen Würde und der Gleichberechtigung reden, aber dass es in der Praxis immer noch ganz anders aussieht.

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Tabuisierung des Todes

Im Zusammenhang mit der Beerdigung wird es schwer sein, Menschen neu für Veränderungen und all diese Zusammenhänge zu sensibilisieren - denn das hieße ja, dass man sich mit dieser Thematik beschäftigen müsste. Kaum ein anderes Thema ist aber so ausgegrenzt und hat so wenig Platz in unserer Gesellschaft wie gerade der Tod und das Sterben. Wer möchte denn auch schon an die eigene Sterblichkeit erinnert werden?

Hier gilt es deshalb gerade in unseren Gemeinden auch gegen alle Widerstände diese Themen immer wieder anzugehen.

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Selbsttötung

Auch um mit anderen, immer noch transportierten Missverständnissen aufzuräumen.

Bis heute geistert es schließlich durch die öffentliche Meinung, dass Menschen, die ihrem Leben selbst ein Ende gemacht haben, kein kirchliches Begräbnis erhalten. Und bis heute soll es - was um so schlimmer ist - da und dort auch tatsächlich so sein.

Dafür habe ich keinerlei Verständnis. Wer sind wir denn, dass wir dem Urteil Gottes vorgreifen? Wer sind wir denn, dass wir uns zum Richter über Menschen und deren Schicksal aufspielen?

Selbst der römische Katechismus, der alles andere ist als liberal, urteilt hier sehr viel differenzierter. Es heißt dort

"Schwere psychische Störungen, Angst oder schwere Furcht vor einem Schicksalsschlag, vor Qual oder Folterung können die Verantwortlichkeit des Selbstmörders vermindern. (Weltkatechismus Nr. 2282)"

Und weiter:

"Man darf die Hoffnung auf das ewige Heil der Menschen, die sich das Leben genommen haben, nicht aufgeben. Auf Wegen, die Gott allein kennt, kann er ihnen Gelegenheit zu heilsamer Reue geben. (Weltkatechismus Nr. 2283)"

Wer sich pauschal weigert, sogenannte Selbstmörder kirchlich zu beerdigen, ist demnach offenbar päpstlicher als der Papst.

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Beerdigung Ausgetretener

Ein wenig anders ist es, wenn Menschen aus der Kirche ausgetreten sind. Wer durch diesem Schritt dokumentieren wollte, dass er mit dieser Kirche nichts mehr zu tun haben will, den darf man natürlich nicht - auch nicht auf Wunsch der Angehörigen -, im Nachhinein vergewaltigen, so nach dem Motto:

"Ätsch, jetzt, wo du dich nicht mehr wehren kannst, jetzt wirst du von uns doch noch beerdigt."

Aber das heißt für mich selbstverständlich nicht, dass man jemanden, der zwar mit der konkreten Erscheinungsform von Kirche - aus vielleicht durchaus nachvollziehbaren Gründen - gebrochen hat, dies aber nie als wirklichen Bruch mit Gott und mit der Kirche, so wie Gott sie gedacht und gewollt hat, betrachtete, dass man ihm diesen Dienst der Barmherzigkeit verweigern sollte. Auch hier geht es, wie das Wort schon sagt, um Barmherzigkeit und nicht um kleinliches Aufrechnen.

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Feuerbestattung

Was die Form der Bestattung angeht, gilt es ebenfalls ein Missverständnis endlich aus der Welt zu schaffen. Bis heute entschuldigen sich Menschen nämlich, wenn sie sich dazu entschlossen haben, einen verstorbenen Angehörigen verbrennen zu lassen.

Die Zeiten, in denen Feuerbestattungen kirchlicherseits nicht erlaubt waren, sind aber mittlerweile längst vorbei. Die Feuerbestattung ist - auch wenn Kirche der Erdbestattung immer noch den Vorrang einräumt - schon lange vollgültige Form des Begräbnisses.

Die lange Zeit ablehnende Haltung rührt vor allem aus jener Epoche in der Menschen durch die Feuerbestattung dokumentiert haben, dass man mit Kirche nichts am Hut habe und sich von ihr distanzieren wollte.

Dass man kirchlicherseits allein die Erdbestattung akzeptierte hängt anderseits mit einer bildhaften Deutung des 12. Kapitels des Johannesevangeliums zusammen. Das Hineinlegen des Leichnams in die Erde erinnert schließlich an die Stelle:

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht." (Joh 12,24)

Aber auch diese größere Zeichenhaftigkeit, die man in der Erdbestattung sehen kann, ändert nichts daran, dass die Feuerbestattung als mittlerweile völlig übliche und gebräuchliche Bestattungsform daneben getreten ist.

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Schlichte Gestaltung der Trauerfeier

Über die konkrete Gestaltung einer Beerdigungsfeier brauche ich hier nicht lange zu handeln. Sie ist eigentlich überall anders.

Bei uns hat sich herausgebildet, dass wir normalerweise in der Friedhofshalle die Trauerfeier halten, die meist recht schlicht gestaltet ist. Während andernorts auch bei dieser Feier gesungen wird, gibt es bei uns in der Regel lediglich zwei Musikstücke.

Dies scheint mir auch nicht unsinnig zu sein. Erstens ist den Angehörigen und der meist auch nicht sehr zahlreichen Trauergesellschaft häufig nach allem anderen nur nicht nach Singen zumute, und zweitens gehört es mittlerweile bei vielen Trauergesellschaften schon in den Bereich der Barmherzigkeit, nicht zuviel aktive Teilnahme zu erwarten, weil die Zahl derer, die sich einigermaßen sicher in der Liturgie bewegen immer kleiner wird.

Das heißt natürlich nicht, dass es im Einzelfall sinnvoll sein kann, auch bei der Trauerfeier gemeinsam gesungene Lieder vorzusehen, oder bestimmte Texte, die den Angehörigen wichtig sind oder dem Verstorbenen wichtig waren, mit einzubauen.

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Beerdigung, Trauerfeier, Urnenbeisetzung

Handelt es sich um eine Erdbestattung, dann folgt auf die Trauerfeier gleich die Beisetzung.

Dies ist auch der Fall, wenn bei einer Feuerbestattung die Trauerfeier erst dann erfolgt, wenn die Urne bereits wieder vor Ort ist und ihm Zusammenhang mit der Trauerfeier beigesetzt werden soll.

Andernfalls wird die Urne zu einem späteren Zeitpunkt im kleinsten Kreis der Angehörigen und in aller Regel auch ohne liturgische Begleitung beigesetzt.

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Anonyme Beerdigung

All diese Formen sind sinnvoll und werden auch so praktiziert. Und jede ist besser als die sogenannte "anonyme Beerdigung", die langsam auch bei uns Einzug hält.

In Heidelberg soll schon jede dritte Beerdigung eine solche anonyme Feier sein, bei der niemand dabei ist und die Angehörigen auch nur darüber informiert werden, dass ihr Verstorbener an einem bestimmten Tag beigesetzt wurde.

Diese Form entspricht ganz dem Bedürfnis, den Tod möglichst völlig aus dem Leben zu verdrängen. Für mich hat eine solche anonyme Beerdigung allerdings weit mehr mit der Entsorgung eines Leichnams zu tun, als mit Abschiednehmen von einem lieben Menschen.

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Beerdigung und Heilige Messe

Noch ein Wort zur Verbindung von Begräbnis und Eucharistiefeier:

Traditioneller Weise feiern wir ja im Zusammenhang mit der Bestattung eine oder mehrere Messen, in denen wir ganz besonders für den Verstorbenen beten. Klassischerweise war diese Eucharistiefeier früher unmittelbar mit der Beerdigung verbunden. Entwender ging sie der Beerdigung voraus oder folgte direkt im Anschluss. Dies ist heute die ganz große Ausnahme geworden und auch bei uns nicht mehr praktikabel.

Und auch wenn ich weiß, dass viele Angehörige wieder nach Hause fahren wollen und auch müssen, kann ich nur um Verständnis dafür bitten, dass es einfach nicht mehr möglich ist, die Messe direkt mit der Beerdigung zu verbinden.

Wir beten in der Regel in einer der nächsten Abendmessen für den oder die Verstorbene.

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Seelenamt und erstes Opfer

Und dies sollten wir auch weiterhin tun. Es hat nämlich einen tiefen Grund.

Ich sehe ihn allerdings nicht in der immer noch durch die Köpfe geisternden Vorstellung, dass je mehr Messen für einen Verstorbenen "gelesen" werden, desto schneller derselbe in den Himmel kommt. Was für eine komische Vorstellung von Gott müssen Menschen, die so etwas glauben, haben. Was für eine komische Vorstellung von Gott müssen Theologen gehabt haben, die das Bild vom Gnadenschatz entwickelten, den die Kirche verwaltet und aus dem sie, wie aus einem großen Fass bei jeder Messe die für eine Person gefeiert wurde, gleichsam eine Portion der betreffenden zukommen ließ.

Die antiquierten Begriffe Seelenamt und erstes Opfer unterstützen - meines Erachtens - diese überkommenen und falschen Vorstellungen. Ich vermeide diese Begriffe deshalb tunlichst.

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Messen für Verstorbene

Ich spreche davon, dass wir in einer Messe ganz besonders für jemanden beten und an ihn denken. Denn das scheint mir auch das entscheidende und das wirklich hilfreiche zu sein - hilfreich vor allem für die Angehörigen.

Nicht umsonst hat sich bei uns in der Vergangenheit ganz instinktiv die Praxis herausgebildet, dass im Zusammenhang mit dem Begräbnis, dann wieder etwa sechs Wochen später und noch einmal am Jahrestag die versammelte Gemeinde mit den Angehörigen an diesen von uns gegangenen Menschen denkt.

Nicht zuletzt die Psychologie zeigt uns heute, dass genau diese Punkte entscheidende Phasen in der Trauerarbeit darstellen. Und was kann hilfreicher sein, als dass Menschen trauernden Angehörigen in Form einer solchen Feier ganz deutlich zum Ausdruck bringen: Du bist mit deiner Trauer nicht allein. Wir tragen - so wie es uns möglich ist - mit dir, wir vergessen dich nicht und wir denken mit dir an jenen Menschen, der auch für uns wichtig war.

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These 1

Das mündet für mich unmittelbar in die erste These.

Es kann bei all unserer Praxis um Beerdigung und Begräbnis nie nur um Riten gehen. Gerade hier geht es um ganz konkrete Hilfe insbesondere den trauernden Angehörigen gegenüber. Sie kommt in unserem Alltag des Pfarrmanagements in aller Regel zu kurz.

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These 2

Wir brauchen deshalb Hilfestellungen für Menschen, die sterbende Angehörige begleiten und meist recht hilflos sind, wenn der Tod dann wirklich eintritt.

Die Praxis der Sterbegebete war früher ein hilfreiches Korsett, an dem sich Menschen in dieser Situation aufrichten konnten.

Hier gilt es erfinderisch neue und wieder tragfähige Formen zu suchen, die das geben, was in dieser Situation vielleicht das wichtigste ist: Halt nämlich.

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These 3

Sterbegeleitung und Begleitung Angehöriger ist eine der größten Aufgaben, die es gibt.

Hier leistet unser Hospizdienst Unverzichtbares und Großartiges. Im öffentlichen Bewusstsein ist dieser Dienst noch nicht gegenwärtig genug und erfährt auch nicht die Unterstützung, die ihm gebührt.

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These 4

Und was geschieht, wenn der Alltag dann wieder eingesetzt hat? Wenn die ersten Wochen nach der Beerdigung vorbei sind, bleiben Menschen mit ihrer Trauer meist wieder allein.

Auch hier gilt es Wege und Formen zu suchen und zu finden, wie wir der dann oft drohenden Vereinsamung entgegenwirken können.

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These 5

Vieles muss sich auch bei der Praxis unserer Messen für Verstorbene ändern. Vor allem dem Bewusstsein, dass man eine Messe gleichsam kauft, gilt es entgegenzuwirken.

Dass es vor allem um das Gebet für den Verstorbenen geht, ist mir in diesem Zusammenhang ein ganz wichtiger Gedanke. Wir wollen in dieser Messe ganz besonders für diesen Verstorbenen beten, uns der Nähe Gottes auch Angesichts des Todes versichern - das heißt für mich, eine Messe für einen Verstorbenen zu feiern.

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These 6

Da graut es mir dann schon ein wenig bei der Praxis, Messen für einen Verstorbenen "zu bestellen", aber mit dem Hinweis, dass nicht veröffentlicht werden darf, für wen es genau sein soll. Das heißt im Klartext so viel wie: Ich bitte euch, für jemanden zu beten, ich sage euch aber nicht für wen!

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These 7

Hinzu kommt, dass die Messe für einen Verstorbenen nicht in erster Linie Sache der Angehörigen.

Messe feiert die Gemeinde die im Gebet zum Ausdruck bringt, dass sie mit dem Verstorbenen und den trauernden Angehörigen verbunden ist, und diese in ihrem Trauerprozess nicht allein gelassen sind.

Die Messe für einen Verstorbenen ist demnach zunächst eine Gemeindemesse und kein Privatgottesdienst einer Trauerfamilie, der jetzt unmittelbar nach der Trauerfeier zu halten wäre.

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These 8

Und vielleicht braucht es noch den Hinweis, dass das "Bestellen von Messen" allein kaum das Wichtigste sein kann.

Die Solidarität mit den Angehörigen und ihre Begleitung in der Trauer, ist meist weit bedeutender, als die Notwendigkeit, einen Menschen mit möglichst vielen Messen in den Himmel zu hieven. Vor allem die Lebenden brauchen unser Augenmerk.

Unsere Verstorbenen - und diesen Glauben sollten wir ernst nehmen - unsere Verstorbenen sind in Gottes Hand. Und was könnte jemandem noch fehlen, den wir in Gottes Hand geborgen wissen.

(Dr. Jörg Sieger)

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letzte Änderung: 10. März 2003