Das Papsttum auf dem Höhepunkt seiner Macht

Wenn diese Zeit als so etwas wie ein Höhepunkt der Theologie als Wissenschaft bezeichnet werden kann, so ist sie gleichzeitig - um die Ambivalenz jenes Zeitalters wieder einmal deutlich zu machen - auch die Zeit, in der das Papsttum auf den Höhepunkt seiner Macht kam.

Die Entwicklung, die mit Gregor VII. begonnen hatte, führte das Papsttum nämlich unter Innozenz III. auf den Gipfel seiner Weltgeltung. In Innozenz, der von 1198 bis 1216 regierte

"kulminierte das Papsttum auf einer schwindelerregenden und unhaltbaren Höhe."

Der Gipfel dieses Machtstrebens war dann der Versuch Bonifaz VIII. (1204-1303), diese Macht auch tatsächlich festzuschreiben. Bonifaz VIII. berief sich nun auf die sogenannte "Zweischwerterlehre", die besagte, dass Christus nicht nur die geistliche Macht, sondern auch die weltliche Macht allein der Kirche anvertraut habe. Dies las man aus den zwei Schwertern der Apostel, die in Lk 22,38 erwähnt werden.

Aufgrund dieser Überzeugung erließ Bonifaz VIII. im Jahre 1302 die Bulle "Unam sanctam". Sie besagte, dass es für jeden Menschen absolut und in jedem Falle heilsnotwendig sei, dem römischen Papst gehorsam zu sein.

Bonifaz selbst erlebte bereits ein Jahr danach, wie leer diese Formulierung im Grunde schon war. Der machtpolitische Stern des Papsttums hatte schon lange zu sinken begonnen. Aufgrund einer Auseinandersetzung mit dem französischen König, ließ Philipp der Schöne von Frankreich den Papst nämlich im September 1303 in Anagni, wo sich Bonifaz aufhielt, gefangen nehmen. Dies machte aller Welt deutlich, dass zu der Zeit, als das Papsttum seinen höchsten Machtanspruch formulierte, dasselbe in Wirklichkeit politisch bereits zur völligen Bedeutungs- und Machtlosigkeit verkommen war.

Bonifaz VIII. starb denn auch wenige Wochen nach einer erfolgreichen Flucht aus dem französischen Gefängnis als gebrochener Mann in Rom.

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Letzte Änderung: 20. Juli 2000