Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

Dreifaltigkeitssonntag - Lesejahr A-C

 

Gibt es etwas Schwierigeres, als das Sprechen von der Dreifaltigkeit? Ich wüsste niemanden, der dieses Geheimnis so erklären könnte, dass es die Menschen auch nur annähernd verstehen. Ein wirkliches Verständnis dafür, dass wir von drei Personen sprechen und doch nur ein und denselben Gott meinen, ein wirkliches Verständnis für das Sprechen von der Dreifaltigkeit ist eigentlich nicht durchsetzbar.

Liebe Schwestern und Brüder,

und doch halten Theologie und Kirche genau an diesem Geheimnis fest, und das aus gutem Grund.

Der Gott, der uns in der Bibel begegnet, ist so vielschichtig und vielfältig in seiner Offenbarung, dass er uns kaum die Möglichkeit für einfache und schon gar nicht für einfältige Erklärungen lässt.

Damit werden wir leben müssen, und wir können es seit Jahrhunderten. Unsere Theologie zeichnet sich geradezu dadurch aus, dass sie einfache Antworten als letztlich verfälschend entlarvt und sich den komplexen Herausforderungen der Erklärung von Gott und Welt stellt.

In manchen Dingen aber denkt sich Kirche diese Zusammenhänge dann wieder viel zu einfältig - und das verstehe ich nicht.

Seit Hunderten von Jahren gibt es in unserer Tradition des Kirche-Seins beispielsweise nur einen einzigen Weg der Nachfolge Christi in Form des amtlichen priesterlichen Dienstes. Es gibt bei uns allein den unverheirateten Mann. Das sei dafür der angemessene Weg, wird von den Kirchenleitungen immer wieder betont. Und das völlig zu Recht.

Kein Mensch möchte daran etwas ändern. Kein Mensch möchte, wie das immer wieder Kritikern vorgeworfen wird, den bewährten Zölibat der Kirche abschaffen.

Viele aber wollen kein einfältiges Priestertum, sondern die Vielfalt der Möglichkeiten, die menschliches Leben bereitstellt. Es soll den unverheirateten Priester natürlich weiter geben, aber warum daneben nicht auch den verheirateten? Und warum nicht die verheiratete Priesterin? Und genauso die unverheiratete?

Glauben die Verantwortlichen denn allen Ernstes, dass der dreifaltige Gott nur einen einfältigen Zugangsweg zum Amt eröffnet? Die Vielfalt, die uns Gott ermöglicht, muss doch auch in seiner Kirche sichtbar werden.

Das sei weltkirchlich nicht durchsetzbar, höre ich immer wieder. Ich bin mir absolut sicher, dass sich ein kirchliches Amt in vielfältiger Form auf der ganzen Welt sehr viel einfacher erklären und einsichtig machen ließe als auch nur der kleinste Teil des Geheimnisses der göttlichen Dreifaltigkeit.

Dieses Sprechen vom Gott in drei Personen halten wir aus gutem Grunde hoch.

Ich bete darum, dass Gott, der Dreifaltige, auch den Entscheidungsträgern in unserer Kirche jene Weisheit schenken möge, die er einem Großteil des Kirchenvolkes bereits hat zuteilwerden lassen. Möge der Dreifaltige Gott seiner Kirche die Vielfalt dort erhalten, wo sie ihr bereits geschenkt wurde. Möge er sie ihr ermöglichen, wo sie ihr noch verwehrt ist. Und möge der Dreifaltige dafür sorgen, dass er immer eine vielfältige Kirche sein eigen nennen darf, eine Kirche, deren Hirten immer im Horizont dieses dreifaltigen Gottes denken und handeln und selbst nie einfältig werden.

Amen.

(gehalten am 18./19 Juni 2011 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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