Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

17. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr A (Röm 8,28-30)

Brüder! Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht. (Röm 8,28-30)

"Alles wird gut!"

Sie kennen den Satz. Nina Ruge hat ihn jeweils am Ende ihrer vielen Sendungen im Fernsehen immer wieder aufs Neue gesagt: "Alles wird gut!"

Und ich habe mir sagen lassen, dass sie das nicht einfach nur so daher sagt, dass das für sie nicht nur eine leere Floskel ist. Sie meint das wirklich so.

Liebe Schwestern und Brüder,

woher sie diese Überzeugung nimmt und warum sie das so sicher sagen kann, das weiß ich nicht. Worauf sie da vertraut, kann ich nicht sagen.

Aber eines kann ich bestätigen: Sie hat recht! Alles wird gut! Es stimmt. Davon bin auch ich überzeugt und das mit gutem Grund.

Genau das ist nämlich unsere Glaubensüberzeugung - so, wie sie sich in der Heiligen Schrift niedergeschlagen hat; genauso, wie Sie alle es heute wieder hören konnten.

Paulus sagt nämlich nichts anderes. In jenem Abschnitt aus dem Römerbrief, der heute als Lesung zu hören war, bringt er es ganz einfach auf den Punkt:

"Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt."

Genau das sagt Paulus im Brief an die Römer. Das mag jetzt nicht so kurz, so prägnant und nicht ganz so pfiffig formuliert sein, wie das Nina Ruge sagen würde, aber letztlich sagt Paulus nichts anderes: "Wir wissen, dass Gott bei uns alles zum Guten führt."

"Alles wird gut!"

Das ist heilige Schrift! Darauf dürfen wir bauen!

Das heißt nicht, dass schon alles gut ist oder das alles vorherbestimmt sei, wie man es ja immer wieder hören kann. Dass für manche eben Not und Unglück, manchen aber ein Leben in Sorglosigkeit bestimmt sei, das ist Quatsch. Das wäre ja grausam.

Nein, alles ist offen. Wie sich die Dinge entwickeln, das kann niemand von uns sagen. Und was uns alles noch widerfahren wird, das ist absolut nicht ausgemacht. Und es kann durchaus sein, dass uns Menschen aus Unkenntnis oder aus Bosheit das Leben gleichsam zur Hölle machen. Das kann alles noch passieren, und da und dort passiert es ja auch schon. Das stellt ja gar niemand in Abrede.

Dass aber Gott das, was andere zum Bösen denken, für alle, die ihn lieben - für uns alle -, am Ende zum Guten denken wird, das ist für die Verkünder der biblischen Botschaft ausgemachte Sache.

Mit dieser Verheißung entlässt uns die heutige Liturgie in die gerade begonnene Woche und viele von Ihnen damit in die Ferienzeit. Und das ist eine tolle Verheißung.

"Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt."

Ob ich darauf vertrauen kann, wenn Nina Ruge uns am Ende ihrer Sendung ihre Lebensweisheit mit einem freundlichen Lächeln auf den Weg gibt, das weiß ich nicht. Dem Paulus aber, dem vertraue ich schon. Und der sagt heute: "Alles wird gut." Und das ist keine Floskel, das ist Wort des lebendigen Gottes.

Amen.

(gehalten am 26./27. Juli 2008 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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