Predigten von Marieluise Gallinat-Schneider
Predigt am Mitarbeiter*innenfest, 11.10.2024, Kapelle St. Paulusheim, Bruchsal
Bibeltext
Lesung aus dem 1. Petrusbrief, 1 Petr, 2, 4-10 Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist! 5 Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen! 6 Denn es heißt in der Schrift: Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen kostbaren Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. 7 Euch, die ihr glaubt, gilt diese Ehre. Für jene aber, die nicht glauben, ist dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein geworden, 8 zum Stein, an den man anstößt, und zum Felsen, an dem man zu Fall kommt. Sie stoßen sich an ihm, weil sie dem Wort nicht gehorchen; doch dazu sind sie bestimmt. 9 Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.
Liebe Gemeinde, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
meine Enkelin liebt es mit Duplosteinen zu bauen. Die meisten kennen die vermutlich, Legos größere Variante für die Kleineren! Ich selbst habe nie so gerne mit Lego gespielt, habe andere Spiele dem Bauen vorgezogen. Nun muss ich einen Zoo oder sogar eine Kirche bauen. Am Anfang hat die Kleine oft versucht, die unteren Steine wegzuziehen und auszutauschen. Dann jedoch war sie erstaunt, weil das Gebäude in sich zusammenstürzte. Wenn man auch nur den kleinsten Stein rausklopft, wird das Fundament brüchig, stürzt es ein.
Wenn wir also beim Bild des Hauses bleiben, dann sind alle Steine notwendig, um es zu erhalten. Im Bibeltext aus dem Petrusbrief werden die Christen als lebendige Steine betrachtet. Das bedeutet, wenn die Steine aus dem Haus der Kirche hinausgezogen werden, wackelt das ganze Bauwerk.
Momentan erleben wir einen Exodus aus vielerlei Gründen, Missbrauch, eigene schlechte Erfahrungen, nicht mehr zeitgemäße Sprache und Riten, vieles könnte ich hier aufführen. Viele Menschen verstehen die Sprache der Gebete und Texte nicht mehr, die Rituale, die Gebote und Vorschriften und wenden sich enttäuscht ab. Da ist die Gefahr groß, dass auch hier im inneren Kern, Menschen sich zurückziehen. Heute hat die Pfarrei St. Vinzenz zum Mitarbeiterfest eingeladen. Die, die hier im Gottesdienst sitzen, sind die, die geblieben sind, sind die, die sich weiterhin für dieses Gebäude einsetzen. Im 2. Vatikanischen Konzil wurde das allgemeine Priestertum aller Getauften betont. Diese heilige Priesterschaft der Gläubigen zeigt uns, dass alle an ihrem Platz ihren Dienst tun. Dieses wird wichtiger denn je: Es gibt den Dienst der Ministrantinnen und Ministranten, Lektoren und Kommunionhelferinnen, Familienkreisen, Vinzi, Chöre, Alte und Junge als lebendige Gemeinschaft, die um den Altar zusammenkommt.Ihr/Sie sind die heilige Priesterschaft, die aus der Gemeinschaft aller Getauften besteht. Ein gewaltiges Wort, ein hoher Anspruch. Wir haben am vergangenen Wochenende in der Klausurtagung der Pfarrgemeinderäte in Speyer auch über diesen Bibeltext gesprochen, den ich da schon für den heutigen Gottesdienst herausgesucht hatte - Gedankenübertragung, oder wie ich eher sagen würde, „Wehen des Geistes, der Ruach“.
Wir haben am Wochenende gespürt, diese Zeilen sind nicht ganz einfach. Hier, in einem Gottesdienst für die, die sich das ganze Jahr einsetzen, darf ich daran erinnern, dass Petrus uns alle, die wir getaufte Christen sind, als eine königliche Priesterschaft bezeichnet. Das klingt ganz schön exklusiv, ist aber eher im Gegenteil so gemeint, das es alle umfasst. Paulus redet oft von den Heiligen und meint damit uns alle. Wir werden in der Taufe mit Chrisam gesalbt, wir sind Teil des allgemeinen Priestertums. Und zwar wir alle, egal ob Haupt- oder Ehrenamtlich, Mann oder Frau, Pfarrer oder Laiin. Und jeder Stein ist wichtig, ist wichtig an seinem Platz, in seinem Einsatzfeld, diejenigen, die das Essen vorbereiten, die Tische decken und damit eine liebevolle Atmosphäre herstellen ebenso wie die, die die Impulse geben oder eine Leitungsfunktion inne haben.Die Kirchenentwicklung 2030 setzt darauf, dass möglichst viele Menschen gewonnen werden können, die sich als lebendige Steine in dieser Kirche einsetzen. Wir haben überall auf den Tischen Karten zum Ehrenamt verteilt. Sie stammen von der Ehrenamtskoordination in Freiburg. Auf ihnen wird mit dem Begriff der „Ehre“ gespielt, ja, es ist eine Ehre, sich ehrenamtlich zu betätigen, aber oft fühlt es sich eher an wie eine Last. Es können leere Worte sein, wenn die Menschen, die sich in ihrer Freizeit über alle Maßen engagieren nicht spüren, meine Arbeit wird geschätzt. Auf den Karten stehen Sätze wie „Du machst Kirche EHRlebbar“ – Mit deinem Ehrenamt mitgestalten und Glauben teilen.
Das Ehrenamt soll es richten, wo Hauptamtliche und Pfarrer fehlen. Viele jedoch sagen zu mir, auch wir werden immer weniger und können es nicht mehr stemmen. Auch hier sind es oft Ältere, die sich schon viele Jahre für die Menschen in ihrer Gemeinde einsetzen und deren Kraft schwindet.
Außerdem war es oft so, dass Engagement gefordert wurde und gern gesehen, aber der Dank und die Anerkennung fehlen. Es wird viel zu selten gesagt, wie wichtig der unermüdliche Einsatz ist. Inzwischen machen bürokratische Hürden vieles sogar noch komplizierter.Am 05. Dezember ist der Internationale Tag des Ehrenamts Eine gute Gelegenheit, den rund 300.000 Menschen, die sich ehrenamtlich in verschiedenen pastoralen und caritativen Handlungsfeldern der Erzdiözese Freiburg engagieren, DANKE zu sagen. Der diesjährige Slogan „Wertschätzung – was brauchst Du?“ will einladen, zum Thema Wertschätzung ins Gespräch zu kommen. Der heutige Abend soll ein Abend der Wertschätzung und des Danks sein, ein Abend der Fröhlichkeit, der Gemeinschaft.
Im Antwortgesang haben wir das Lied, das zum Bibeltext aus dem Petrusbrief gedichtet wurde, gesungen: "Lasst uns lebendige Steine sein, die deine Kirche bauen, füge in deinen Leib uns ein, lass deiner Macht uns trauen. Du bist der Eckstein, du bist die Kraft, die unser Leben bindet. Gib deinen Geist, der neu uns schafft, der unser Herz entzündet." Wie können wir die Begeisterung für Jesus, für den Glauben, für die Gemeinschaft aller Christen wieder entfachen? Wie unser Herz für den Glauben neu entzünden?Wir haben uns bei der Klausurtagung auch Gedanken über unsere Gottesdienstformen gemacht. Wenn Gebete eine verständliche Sprache haben, Bibeltexte aus verschiedenen Übersetzungen ausgewählt werden, die Lieder eine gute Mischung aus Altbewährtem und modernerem Gesang sind, die Menschen mit ihren Bedürfnissen vorkommen, dann können wir sie mit dem, was wir tun, erreichen.
Beim Propheten Jesaja, der die heutige Lesung vom Eckstein verkündet, die Petrus wiederum zitiert, ist der Glaube das Fundament, das gelegt wird. Der Glaube kann ein Fundament sein, eine Basis, um darauf aufzubauen, ein Fundament, das zum Leben hilft, ein Glaube, der hilft als lebendiger Stein an dieser Kirche mitzubauen, wenn es andere Menschen gibt, die begleiten, die nicht ausgrenzen, die mithelfen, dass sich alle angenommen fühlen, ihren Platz in diesem Haus finden dürfen und dabei auch Raum finden, um sich selbst auszuprobieren und mit ihren Fragen und ihrer Kritik angenommen sind. Wenn Gottes Geist wie im Lied von den lebendigen Steinen wehen darf und dieses nicht verhindert wird, wenn lebendige Steine und nicht Felsen unser Bild von Kirche prägen, dann kann dieses Thema tatsächlich ein Motto für unsere Gemeinde sein.Ein Bild, das es in sich hat, denn es ist ungewiss, ob es diese Kirche, in Zukunft so noch gibt, ob diese Kirche, aus lebendigen Gemeinden, in den immer größer werdenden Einheiten nicht verschwindet, ob diese bunte Vielfalt aus lebendigen Steinen nicht aufhört zu existieren, weil keiner sie begleitet. Unsere neue Patronin der großen Kirchengemeinde Bruchsal ist die jüdisch-christliche Philosophin und Ordensfrau Edith Stein. Ihr wird ein Gebet in den Mund gelegt:
„Ohne Vorbehalt und ohne Sorge nehm’ ich das Jahr aus deiner Hand. Sei mein Heute, sei mein gläubig Morgen, sei mein Gestern, das ich überwand. Frag mich nicht nach meinen Sehnsuchtswegen, bin in deinem Mosaik ein Stein. Wirst mich an die rechte Stelle legen, deinen Händen bette ich mich ein.“
Egal, ob es wirklich von ihr verfasst wurde oder nicht, das Bild der Mosaiksteine, die an die richtige Stelle gelegt werden, ist ein passendes Bild. Auch hier ein Bild von Steinen, Mosaiksteine, die nur zusammen ein Bild ergeben, lebendige Steine, die gemeinsam das Gebäude zusammenhalten, in beiden Fällen kommt es auf jeden und jede einzelne an. Wir sind wichtig, Sie sind wichtig, ihr seid wichtig für unsere Pfarrei und für die Glaubensweitergabe. Daher Danke dafür.
Amen.
Fürbitten:
- P: Guter Gott! Wir dürfen mit unseren Klagen und unserem Dank zu Dir kommen. Daher bringen wir unsere Bitten vor Dich:
Lass sie diese Zusage alle Tage spüren, in den Menschen die sie begleiten.
- 1. Wir bitten Dich um deinen Heiligen Geist für die Erneuerung der Kirche: In Rom tagt zur Zeit die Weltsynode, um über die Zukunft und Themen der Kirche nachzudenken.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 2. Wir bitten Dich für unsere Pfarrei St. Vinzenz um Ideen und Kreativität, damit wir als lebendige Steine diese Gemeinde gestalten.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 3. Wir bitten Dich für alle Engagierten, für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass sie im Geiste Jesu wieder Kraft schöpfen aus dem Evangelium.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 4. Für uns alle, dass wir am heutigen Abend Gemeinschaft erfahren dürfen, die uns mit Freude erfüllt.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 5. Wir bitten Dich für alle, die entmutigt und erschöpft sind, für die, die sich abgewendet haben, gib ihnen neue Quellen für ihren Glauben.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 6. In den letzten Jahren haben die Kriege und Krisen der Welt uns schwer erschüttert. Du hast Deinen Sohn in die Welt geschickt, um Frieden zu bringen. Sei Du bei Menschen, die im Krieg leben müssen und begleite sie.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - 7. Wir bitten Dich für die Trauernden, für die, die in schwierigen Situationen stecken, stelle ihnen Menschen an die Seite, die sie begleiten und stärken.
Wir rufen zu dir:
Wir bitten dich..... - Du Gott des Lebens, bleibe bei uns und geleite uns durch diesen Abend und die kommenden Tage. Amen.
(Marieluise Gallinat-Schneider)