III. Bischof von Napoleons Gnaden

Zum Zeitpunkt des Todes Plus' VI. am 29. August 1799 war die Arbeit der Kurie völlig desorganisiert, das Heilige Kollegium zerstreut und mehrere Kardinäle eingekerkert. Das Konklave, das bei diesen ungünstigen Bedingungen unter dem Schutz Kaiser Franz' II. am 1. Dezember in Venedig zusammengetreten war, einigte sich am 14. März 1800 auf Kardinal Chiaramonti, der 58jährig in Anhänglichkeit an seinen Vorgänger und Protektor als Pius VII. den Thron Petri bestieg.

Eine Entspannung auf religiöser Ebene hatte sich unmittelbar nach der Ausschaltung des Direktoriums durch den Staatsstreich vom 18. Brumaire (9. November 1799) angebahnt. Die Jagd auf die Unvereidigten war eingestellt worden, viele Kirchen konnten wieder geöffnet werden, der neue Kalender war nicht mehr obligatorisch; man verzichtete auf eine Fortsetzung der Politik systematischer Dechristianisierung. Am Ende dieser Entwicklung stand das Konkordat vom 15. Juli 1801 .

Auch im Elsass war diese Entspannung der Situation deutlich bemerkbar. Die Seelsorger begannen ihre Pfarrarbeit wieder aufzunehmen. Am 24. Juli. 1800 wurde der Straßburger Bürgermeister angewiesen, das seit fast drei Jahren den Katholiken entzogene Münster dem Gottesdienst einzuräumen. Die letzte Decadiefeier fand am 8. August darin statt; am 4. Oktober zogen die Katholiken zum ersten Gottesdienst feierlich ins Münster ein .

In Offenburg nahmen am 7. September 1801 die Straßburger Dompräbendare den durch die Wirren der beiden Koalitionskriege unterbrochenen Chorgottesdienst wieder auf .

Als eine Folge des Konkordates, gegen das von kirchlicher Seite heftig protestiert wurde und dem Plus VII. am 15. August 1801 dennoch von offizieller Seite zustimmte, wurden die legitimen Bischöfe aufgefordert, ihre Demission einzureichen . Als das Konkordat am 8. April 1802 endgültig in Kraft trat, musste Louis de Rohan-Guémené den französischen Teil seines Bistums aufgeben . Johannes Petrus Saurine trat nach seiner Wahl am 29. April 1802 die Iurisdiktion über das neu errichtete Bistum Straßburg, das sich über die beiden Departements Bas-Rhin und Haut-Rhin, vorübergehend auch über Mont-Terrible (Schwarzer Jura) und Mont-Tonnere (Pfalz) erstreckte, an . Dem alten Kardinal Louis René Edouard, Prince de Rohan-Guémené, blieb weniger als die Hälfte seines Bistums und lediglich ein Bruchteil seines weltlichen Besitzes. übrig war die Ortenau mit den Landkapiteln Lahr, Ottersweier und Offenburg, übrig waren die Oberämter Oberkirch und Ettenheim und übrig war ein gebrochener alter Mann.

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Letzte Änderung: 5. Dezember 2001