II. Die Revolution und der Papst

Auch der Kirchenstaat wurde von der nun Italien überspülenden revolutionären Welle nicht verschont. Der Zentralverwaltung der Kirche setzte diese so zu, dass für manche das Ende des Papsttums als Institution gekommen schien, besonders als Pius VI. gefangengenommen und am 14. Juli 1799 nach Valence gebracht wurde .

1. 'Ein lettichter Schlam hat die blühenden Fluren überschwemmt'

Die Ereignisse in Ettenheim unterschieden sich mittlerweile kaum noch von denen in den umliegenden Ortschaften. Kaum ein Tag verging, ohne dass Soldaten, gleich aus welchem Regiment, in der Stadt lagerten . Die Wirren der Revolutionskriege verwischten einstige kulturelle und politische Grenzen. Kaum jemand interessierte sich noch für den alternden Straßburger Bischof, dessen Bischofsstuhl es in der gewohnten Form de facto längst nicht mehr gab.

Nachdem der Kardinal bei einem erneuten Vorstoß der Franzosen im April 1797 Ettenheim wiederum vorübergehend verlassen musste , verlief das Jahr 1798 verhältnismäßig ruhig . Das darauffolgende Jahr brachte neben dem Tod des Weihbischofs Lanz am 6. Januar 1799 im März weitere militärische Aktionen der Franzosen unter General Jourdan. Die französischen Truppen überschritten bei Kehl und Basel den Rhein und zwangen Rohan noch einmal, seine Residenz am 12. Februar 1799: zu verlassen . Mit einigen wenigen Vertrauten begab sich Rohan nach Regensburg , wo er am 20. Juni 1799 mittels eines Hirtenschreibens die Gläubigen seiner Diözese um ihr Gebet für den in Gefangenschaft geratenen Papst Pius VI. bat . Ein weiteres Schreiben folgte auf die Nachricht von dem am 29. August 1799 erfolgten Tod des Papstes .

In der Zwischenzeit gingen die kriegerischen Auseinandersetzungen weiter, wenn auch die Ortenau im Jahre 1800 nur noch vorübergehend von den Kriegsoperationen berührt wurde .

2. Absente e dioecesi Seren. et Emin. Cardinale Principe Episcopo nostro

François Regis Weinborn kümmerte sich während der Abwesenheit des Kardinals um die Aufrechterhaltung des religiösen Lebens in der Straßburger Diözese rechts des Rheins. Das Heilige Öl wurde in den Jahren 1799 und 1800 durch den Speyrer Weihbischof in Bruchsal geweiht und der Fastenbrief des Jahres 1800 von Weinborn selbst herausgegeben .

Nach Ende des ersten Koalitionskrieges scheint man die rückkehrenden Seminaristen in den Mauern der Stadt gesammelt zu haben . Im Oktober 1800 war der Ettenheimer Pfarrer bereits seit 20 Monaten für den Unterhalt eines Professors aufgekommen, während der Professor der Moraltheologie von einer Stiftung lebte. Am .12. Oktober wandte sich Weinborn an Erzpriester Anton Sartori, da für die zwanzig Seminaristen dringend ein Lehrer für die Fächer des Kirchenrechtes, der Kirchengeschichte und der Exegese benötigt wurde. Weinborn bat das Lahrer Kapitel um seine Unterstützung .

Der Kardinal befand sich währenddessen immer noch auf der Flucht. Zu Beginn des Jahres 1801 - wann er Regensburg verließ bleibt unklar - weilte er in St. Pölten in Niederösterreich, wo er am 26. Januar den Fastenbrief herausgab . Erst nachdem am 9. Februar 1801 der 2. Koalitionskrieg durch den Frieden von Lunéville beendet worden war, konnte der mittlerweile 67jährige Fürstbischof nach Ettenheim zurückkehren. Am 20. Mai hatten die letzten Franzosen Ettenheim verlassen und drei Tage später traf Rohan gegen 1 Uhr...

"... in höchsterwähnstem Wohlbefinden unter Läutung aller Glocken, Abfeuerung der Böller und allen Segenswünschen in dahiesiger Stadt..."

ein. Am 7. Juli wandte er sich von Ettenheim aus an die Äbte, Erzpriester, Pfarrer und Vikare, Welt- und Klostergeistlichen diesseits des Rheins und traf Anordnungen für die liturgischen Dankfeiern anlässlich des Friedens . Einen guten Monat später, am 25. August, konnte der Namenstag des Kardinals wieder unter Anwesenheit Rohans gefeiert werden .

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Letzte Änderung: 11. Mai 2003