I. Invasio Gallorum

Furcht und Schrecken verbreitete das Erscheinen der französischen Truppen in der Ortenau. Viele flohen, brachten ihre Habseligkeiten in Sicherheit. Nahezu alle Pfarrer des Landkapitels Lahr verließen ihre Pfarreien; Gottesdienst und Seelsorge lagen darnieder. Die Franzosen sollen Tabernakel erbrochen, das Allerheiligste entehrt, sakrale Gegenstände und Gewänder geraubt haben. Reiche und Arme wurden geplündert, geschlagen und mit dem Tod bedroht, beleidigt und beschimpft. Was nicht fortgeschleppt werden konnte, wurde zerstört. Etliche Wochen dauerte dieser Zustand .

Die meisten Religiosen des Klosters Ettenheimmünster hatten das Kloster verlassen, vor den Franzosen ihr Heil in der Flucht gesucht, sich ähnlich wie die Pfarrherren in den Wäldern oder in entfernteren Gegenden, bis hin nach Schwaben, Bayern und auch in der Schweiz verborgen. Chorgesang und feierlicher Gottesdienst waren verstummt . In Allerheiligen und Ettenheimmünster verließen die Seminaristen ihre bisherigen Unterkünfte und zogen vor allem ins Schwäbische .

Rohan und sein ganzes Konsistorium hatten Ettenheim verlassen . Weihbischof Lanz, der sich bereits einige Jahre in Schuttern aufgehalten hatte, wo er im Kloster wohnte, wich über den Schwarzwald ins Schwäbische aus, und Ettenheimer Fuhrleute waren am 28. Juni 1796 damit beschäftigt, die wichtigsten Unterlagen der Stadt Ettenheim vorerst nach Waldshut auszulagern . Der Kardinal selbst hatte in Baden in der Schweiz Zuflucht gesucht, von wo er am 20. August 1796 an Erzpriester Anton Sartori, Pfarrer in Ottenheim, der als einer der wenigen trotz kriegsbedingter Wirren für Ruhe und Ordnung sorgte, schrieb.

"De tuis capacitate, discretione, vitae ac morum
probitate et in rebus gerendis experientia in domino
confidentés..."

übertrug der Kardinal dem Erzpriester die notwendigen Kompetenzen im Bereich des Lahrer Kapitels für die Zeit seiner Abwesenheit .

Über den Verlauf dieser Zeit ist kaum etwas bekannt ; sicher ist lediglich, dass Rohan im Dezember 1796 wieder in Ettenheim war, da er am 30. in seiner Residenzstadt einen Brief herausgab, in dem er die Gläubigen um Gebete in diesen Kriegszeiten bat .

Zu dieser Zeit befand sich die Ortenau zwar wieder in der Hand der Kaiserlichen , doch war die Lage noch lange nicht entspannt. Bis zum 10. Januar 1797 fanden heftige Gefechte um Breisach statt, und am 22./23. April traten die Franzosen, nachdem sie bei Diersheim erneut den Rhein überschritten hatten, nochmals den Vormarsch an. Erst der Friede von Campoformio, der im Oktober 1797 diesen ersten Koalitionskrieg beendete, brachte eine Beruhigung, ohne die Kampfhandlungen ganz zu beendigen .

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Letzte Änderung: 11. Mai 2003