III. Bischof am Rande der Revolutionskriege

Bereits im Juli 1791 hatten die von Paris ins Elsass gesandten Regierungskommissare beschlossen, diejenigen Geistlichen, die sich den Neuerungen verschlossen und die Bevölkerung angeblich aufwiegelten, in Straßburg in Gewahrsam zu nehmen, sofern sie nicht ihren Aufenthalt in das Innere Frankreichs - mindestens fünfzehn Stunden von der Grenze entfernt - verlegen wollten . Obschon jedoch das gemäßigte Departementsdirektorium im Unter-Elsass diese Bestimmungen nur mit Vorsicht anwandte , verschärften sich die Maßnahmen insbesondere nach Kriegsausbruch .

1. Schreckensherrschaft der neuen Religion

Nachdem am 26. August 1792 das Deportationsgesetz erlassen und im selben Monat die Ablegung eines neuen Eides angeordnet worden waren, wurde am 23. April 1793 die Deportation sämtlicher unvereidigter Welt- und Ordensgeistlichen angeordnet .

Am 5. Oktober, 11 Tage vor Marie Antoinettes gewaltsamem Tod, wurde der republikanische Kalender eingeführt, am 10., unter Druck einer drohenden Invasion, der Not- zustand und die provisorische Revolutionsregierung ausgerufen. Die Convention vom 20. desselben Monats verordnete die Verhaftung und am 11. April 1794 die Hinrichtung aller 'Verräter', die einem Priester Obdach gewährten .

Eulogius Schneider stand mit dem 'Geschworenen' Taffin zusammen an der Spitze des am 15. Oktober 1793 in Straßburg errichteten Revolutionsgerichtes, und am 25. Oktober trafen Saint-Just und Lebas im Auftrag Robespierres als Regierungskommissare in Straßburg ein, um die systematische Dechristianisierung zu organisieren . Der 'Geschworene' Scherer erklärte am 7. November, er wolle nicht mehr zur 'schwarzen Rotte der Priester' gehören, Brendel verzichtete am 19. schriftlich auf jede Amtshandlung als Priester und Bischof, während Eulogius Schneider bereits einen Tag später im Straßburger Münster bei einer Veranstaltung des Kultes der 'Vernunft' dem Priestertum öffentlich abschwor .

Nach dem 24. November wurden mehrere hundert Statuen und Statuetten des Straßburger Münsters mutwillig zerstört, dreißig Menschen ließ Schneider innerhalb von sechs Wochen hinrichten ; und noch am 22. Juli 1794, sechs Tage vor Robespierres Hinrichtung, wurde von den Vertretern der Regierung in Straßburg, Hentz und Goujon die Verhaftung aller 'Religionsdiener', auch der 'geschworenen' Priester, der Pastoren und der Rabbiner befohlen . Auch nach Ende der 'Schreckensherrschaft' wurde die 'neue Religion' weiter unterstützt . Erst das napoleonische Konkordat sollte dies ändern.

2. Worte eines Bischofs

Ein Großteil der Schreiben des letzten Straßburger Fürstbischofs, mit denen er auf die Umwälzungen in Frankreich reagierte, sind im Dekanatsarchiv Lahr erhalten geblieben. Neben den bereits erwähnten, vor allem kämpferischen Schriften und Verordnungen bezüglich außerordentlicher Ge bete anlässlich des Todes beziehungsweise der Wahl gekrönter Häupter, neben Anordnungen von Sammlungen und Gebeten um den Frieden und den glücklichen Ausgang des Krieges oder Verordnungen über liturgische Dankfeiern anlässlich bestimmter Siege und ähnlichem , nehmen die Fastenschreiben des Bischofs den größten Teil der Veröffentlichungen der bischöflichen Kurie ein.

Obschon der Kardinal diese Schreiben, ebenso wie die übrigen Schriften, mit Sicherheit nicht selbst verfasst hatte, unterstreicht die Tatsache, dass die bischöflichen Verordnungen zur Fastenzeit nach seiner Emigration in der Regel von ihm selbst herausgegeben wurden , eine Besinnung auf seine bischöflichen Pflichten, die seit den Ereignissen der Jahre 1785 und 1786 mit wachsender Dichte bemerkbar wird.

Die Inhalte der einzelnen Fastenschreiben selbst ähneln sich stark. Nach einem Einleitungsteil, der gegen Ende des Lebens Rohans immer allgemeiner wurde, folgten in den Jahren nach Ausbruch der Revolution - wie in Fastenordnungen dieser Zeit üblich - äußerst milde Einzelbestimmungen , die den schweren Zeiten und den damit verbundenen hohen Belastungen der Bevölkerung Rechnung trugen . Gerade in den Jahren 1791 und 1792 hatte Rohan die Gelegenheit der Fastenbriefe benutzt, um auf die Zustände in Frankreich einzugehen und den Gläubigen Hinweise auf ein angemessenes Verhalten in diesen 'Tagen der Verwirrung' und 'Tagen des Jammers' zu geben. In Karlsruhe intervenierte man denn auch gegen das Fastenpatent des Jahres 1791 und verhinderte die Publikation desselben durch badische Pfarrer, da 'Vorgänge im Elsaß darin eingeflochten' waren .

Für das Jahr 1792 gab es hingegen zwei Ausgaben des Fastenbriefes: eine deutschsprachige für das rechtsrheinische Gebiet und eine zweisprachige für das Elsass, die in einigen Punkten von der deutschen Ausgabe abwich .

3. Von Protestanten und Juden

Insbesondere als 'Grand aumônier' soll sich Louis de Rohan um ein gutes Einvernehmen mit den französischen Protestanten bemüht haben ‚ und die Einstellung der Kontroverspredigten im Straßburger Münster während der beginnen den Auseinandersetzung zwischen französischem Staat und christlichen Konfessionen geschah mit Sicherheit nicht gegen den Willen des Straßburger Bischofs .

Dass dies jedoch keine Verwischung der nun einmal bestehen den Unterschiede bedeutete - aus Rohans Gespräch mit Magister Laukhard könnte man einen solchen Eindruck gewinnen - zeigt nicht zuletzt die Reaktion des Kardinals bei der auch von Protestanten vorgenommenen Wahl des Straßburger Gegenbischofs im März 1791 .

Weniger ausgewogen war Rohans Verhältnis zu den Juden. Zwar waren sie immer dann, wenn es darum ging, unter Umgehung bürokratischer Schwierigkeiten Lieferungen oder ähnliches zu tätigen , gerne gesehen, doch brachte man ihnen ansonsten allgemein Verachtung und Hass entgegen . Nachdem der Kardinal im September 1792 bei den 13 jüdischen Familien Ettenheims um 12.000 Gulden nachgefragt und sich diese mit der Unmöglichkeit eines solchen Darlehns entschuldigt hatten, drohte der Kardinal - vom Vorhandensein dieser Summe bei den Ettenheimer Juden überzeugt - dieselben aus der Stadt, bestenfalls in die Vorstadt, auszuweisen, sofern sie sich weigern sollten, das Geld aufzubringen. Obschon man vor diesem letzten Schritt zurückscheute, bedrängten einige Kaufleute den Landesherren, seine Drohung wahr zu machen. Sie selbst wollten die 12.000 Gulden aufbringen, wenn sie damit die Juden aus der Stadt vertreiben könnten .

Das Reichskammergericht, an das sich die Juden in dieser Sache wandten, verhinderte dieses Unterfangen jedoch und teilte dem Kardinal mit, bis auf weiteres mit der Entfernung der Juden innezuhalten .

4. Seelsorge im Ausnahmezustand

Obschon über die Seelsorge dieser Jahre kaum etwas bekannt ist, lässt sich aus einigen Hinweisen die Schwierigkeit pastoralen Wirkens in jener Zeit ablesen. Das 'Heilige Öl', das vor der Revolution in Zabern geweiht und dort geholt zu werden pflegte ‚ wurde im Jahre 1791 durch Weihbischof Lanz in Ettenheim geweiht . In den darauffolgenden Jahren bis zum Jahr 1796 nahm Lanz die Weihe des Öles in Schuttern vor .

Im Jahre 1795 resignierte Stadtpfarrer Franz Xaver Mast und am 3. Oktober 1795 wurde Pfarrer Magister Philipp Karl Guntz, zuvor Kanonikatspriester in Straßburg, in Ettenheim installiert . Bis zu diesem Zeitpunkt scheint demnach

Das religiöse Leben in Ettenheim und dem rechtsrheinischen Teil des Bistums trotz aller Schwierigkeiten seinen gewohnten Lauf genommen zu haben .

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Letzte Änderung: 10. Mai 2003