I. Charakter im Spiegel der Zeit

"C'est un beau prélat, fort peu dévot, fort adonné aux femmes; plein d'esprit et d'amabilité, mais d'une faiblesse, d'une crédulité qu'il a expiiées bien cher, et qui a coûté bien des larmes a notre pauvre reine dans la misérable histoire du Collier."

Die Urteile von Zeitgenossen liefern ein nahezu übereinstimmendes Bild des Kirchenfürsten Louis de Rohan, in das sich die Schuldforderungen des Jakob Hubert von Zabern 'im Namen des mit Anna Rodes erziehlten Kindes' nahtlos einfügen . Bis zum Jahre 1786 scheint der Kardinal unter dem Einfluss seines astronomischen Einkommens und barocken Lebensgefühls in keinster Weise dem Bischofsamt gerecht geworden zu sein. Nach Ende der Halsbandaffäre und endgültig nachdem die Truppen aus Ettenheim abgezogen waren, machen die Quellen einen Wandel sichtbar. Als Laukhard im Jahre 1795 nach Ettenheim kam, war es nicht der Barockfürst, den der Magister vorfand:

"Ich dachte da einen alten abgemergelten Wollüstling zu sehen, der die Spuren seiner Ausschweifungen auf dem Gesichte trüge, denn ich hatte von dem Herrn Kardinal viel Skandalöses gehört und gelesen. Allein ich fand ein wirklich ehrwürdiges Gesicht eines schon in den Jahren stehenden hohen Prälaten der römischen Kirche. Sein anständiges Wesen und seine schon modulierte Stimme wurden mir Ehrfurcht eingeflößt haben, wenn ich nicht gewußt hätte, daß er schon durch die fatale Begebenheit mit dem Halsband und durch große Verletzung des Völkerrechts an der traurigen Revolution auch stark schuld gewesen ist."

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Letzte Änderung: 8. Mai 2003