V. Zurück in die Ortschaften

Den Winter über sollte die Legion, um der Bevölkerung die Anwesenheit derselben nicht länger zuzumuten, verlegt werden. Man sprach davon, dass die Truppe nach Philippsburg oder Frankenthal verlegt werde . Als Condé den Kardinal jedoch bat, die Bewaffneten im Oberamt weiter zu beherbergen, glaubte Rohan diesem seinen Wunsch nicht abschlagen zu können . Die zwanzig Schilderhäuser, die in Ettenheim errichtet wurden, waren beredtes Zeugnis dafür, dass die Legion in Ettenheim und Umgebung überwintern würde .

1. Kälte und Nässe

Um sich gegen die üble Witterung zu schützen, hatten sich Offiziere der Legion im September 1791 eine Hütte errichtet, die auf Geheiß des Vicomte de Mirabeau niedergebrannt wurde. Niemand im Lager sollte solche Vorteile genießen; die Offiziere mussten wieder in die Zelte zurückkehren .

Schlechtes Wetter und Mangel an vielen notwendigen Dingen erschwerten die Lage der Soldaten. Es fehlte an Fleisch und Brot, was sich auf die Disziplin der Truppe niederschlug . Am 9. Oktober reichten alle 'Capitains' der Mirabeau'schen Legion geschlossen ihre Demission ein, da die 'Lieutenants' ihnen jegliche Subordination im Dienst verweigerten. Rohan selbst musste versuchen, den Streit beizulegen .

Allgemeiner Wunsch der Soldaten war es, das Lager aufzulösen und Quartier in den Ortschaften zu nehmen , was immer noch daran scheiterte, dass lediglich die Bewohner Ettenheims sich bereiterklärten, einen Teil derselben zu beherbergen. Die Dörfer des Oberamtes weigerten sich vehement, noch einmal Einquartierungen zu dulden . So beschloss die fürstbischöfliche Verwaltung, die Legion in Hütten aus Holz und Erde, die an der Landstrasse bei Ringsheim am Hang errichtet werden sollten, unterzubringen , wogegen die Soldaten wiederum protestierten . Mirabeau ließ daraufhin eine Umfrage in den Ortschaften durchführen, um zu erfahren, wer freiwillig zwei Mann über den Winter bei sich wohnen lasse , konnte allerdings kein für ihn positives Ergebnis verzeichnen .

Die 'Volontaires de Bourgogne', die burgundischen Emigranten, die man in einer eigenen Kompanie vereinigt hatte, wurden schließlich nach Renchen , die Kavallerie auf einige Tage nach Ringsheim, Grafenhausen und Kappel und einige hundert Soldaten gegen den heftigen Widerstand des Ettenheimmünsterer Konvents in das dortige Bad verlegt . Die Einquartierungen bei der Bevölkerung und auf Klostergebiet sollten nur etwa 10 Tage andauern, da man bis zu diesem Zeitpunkt Baracken als Winterquartiere fertiggestellt haben wollte . Am 29. Oktober marschierten noch einmal 90 bis 100 Mann Infanterie und 60 Kavalleristen am frühen Morgen mit Trommeln, türkischer Musik und blanken Säbeln durch Kippenheim in Richtung Renchen . Zehn Jäger begleiteten zu Fuß die Bagagewaren, die der Kompanie folgten .

Das Lager bei Ringsheim wurde aufgelöst, lediglich die 'Enfans perdus' dürften weiter bei Grafenhausen und Kappel gezeltet haben, wie auch die Besatzung des Forts bei Kappel, das vermutlich dort verblieb .

In der Zwischenzeit hatte man im Oberamt Ettenheim damit begonnen, die Baracken zu errichten, die zur Unterbringung der noch in der Oberen Herrschaft verbliebenen Truppen dienen sollten. Vier Hütten wurden in großer Eile an einem windgeschützten Ort zwischen Altdorf und Ettenheim, der letztendlich für diesen Zweck ausgewählt worden war, errichtet, damit die in Ettenheimmünster liegenden Soldaten möglichst bald umziehen könnten. Sogar am Sonntag wurde die Arbeit nicht unterbrochen, und am 20. Oktober legte der Fürstbischof selbst Hand an, um mit gutem Beispiel voranzugehen . Am 31. war die erste Baracke fertiggestellt .

Anfang November wurden zwei Kompanien von etwa 60 Mann von Ettenheimmünster nach Ettenheim verlegt; auch die gesamte Kavallerie wurde dort zusammengezogen, da die Desertion Überhand nahm und dadurch immer mehr Pferde verloren gingen. Die Kappier Besatzung wurde ins Bad nach St. Landelin verlegt, so dass, während in Kappel nun keine Soldaten, in Ettenheimmünster immer noch 400 Mann einquartiert waren. Als man diese beim Hüttenbau in Altdorf einsetzte, verlangsamte sich der Fortgang der Bauarbeiten ‚ woraufhin zwölf bis vierzehn Lohnarbeiter eingesetzt wurden . Bevor die Hütten jedoch vollendet waren, drängte das Kloster darauf, dass die Soldaten das Bad bei St. Landelin verließen . In den unfertigen Hütten konnten die Truppen entgegen vorläufigen Plänen nicht untergebracht werden; Ringsheim drohte die Einquartierung von 240 Mann, 60 Husaren sollten nach Kappel und Grafenhausen kommen, und auch einige der gerade nach Renchen verlegten Truppen würden ins Oberamt Ettenheim zurückkehren . Doch auch das Kloster konnte auf die Dauer weitere Einquartierungen nicht verhindern. Während des ganzen Winters befanden sich Soldaten im Bad.

2. Immer neue Truppen

Rohans Plänen, zu seinem persönlichen Schutz ein eigenes Regiment zu errichten , stand die Anwesenheit der Hessen-Darmstädtischen Soldaten entgegen, die seit Dezember 1790 als Schutztruppe des Kardinals in Ettenheim waren . Der Landgraf von Hessen hatte angeordnet, dass sie, wie abgemacht, volle drei Jahre beim Straßburger Fürstbischof bleiben sollten . Es gelang dem Kardinal erst, sich der fremden Soldaten zu entledigen, als am 29. November 1791 einer der Darmstädter die Äußerung tat, dass der Fürstbischof sie gar nicht fortschicken könne. Rohan bezeichnete diese Worte als Frechheit, ließ die Wache am Hof ablösen und durch Mirabeau'sche Soldaten ersetzen, beschwerte sich beim Landgraf von Hessen und weigerte sich, weiteren Lohn für die Hessen-Darmstädtischen zu bezahlen . Am 7. Dezember 1791 marschierten die Soldaten, die Ettenheim nur ungern verließen, ab .

Nach Abzug der Darmstädter lagen in der Unteren Herrschaft des Straßburger Fürstbischofs 300 Mann der Mirabeau'schen Legion, die sowohl uniformiert als auch armiert waren, in Oberkirch um 220 Mann des desertierten Regiments Berwick und in Oppenau 110 bis 120 Mann eines weiteren Korps .

Mitte November wurde bekannt, dass das in Oppenau liegende Korps von Rohan selbst angeworben worden war. In Kürze sollte es in die Obere Herrschaft verlegt werden .

"Denjenigen, so sich unter das Regiment des Herrn Car=
dinals werden anwerben lassen, wird außer einer
4. jährigen Capitulation noch dieses zugesichert,
daß ein jeder nach 16. jähriger Dienstzeit eine kleine
Wohnung auch etwas Feld in den Bischöfflichen Lan=
den erhalten solle, wozu denn der Herr Cardinal
die Caduc=Güther widmen wollen"

Am 30. November 1791 befanden sich die ersten 150 Mann des Regiments 'Royal Rohan' auf dem Weg nach Ringsheim . Daneben wurde ein zweites Rohan'sches Regiment in Ettenheim erstellt . Jeder, ohne Unterschied der Gestalt wurde angenommen. Die Bauern bemängelten vor allem, dass viele ihrer Knechte den Militärdienst der Feldarbeit vorzogen. Zwei Pfund Brot, ein halbes Pfund Rindfleisch und ein Batzen täglich wurden jedem versprochen .

Die Mirabeau'sche Legion erhielt am 17. November eine eigene Fahne. Zur Hälfte schwarz, zur anderen weiß, befanden sich auf einer Seite die Buchstaben 'I. . S', auf der anderen die Inschrift

"GLorIa In eXCeLsIs Deo et In terra
paX hoMlnlbVs bonae VoLVntatls."

Am 11. Dezember wurde sie neben einer anderen in Ettenheimmünster in der Landelinskirche feierlich von Abt Landelin Flum geweiht. Franz St. Quentin, Vizeregens des Straßburger Seminars, hielt dabei eine kurze Ansprache. Alle Soldaten aus dem Oberamt mussten mit wenigen Ausnahmen bei der Zeremonie anwesend sein .

Noch schärfte der Kaiser allen Reichsangehörigen ein, dass trotz aller Vorfälle in Frankreich immer noch Frieden herrsche und die geschlossenen Verträge in Geltung seien, nicht allerdings ohne zu betonen, dass die in Reichsangelegenheiten eingreifenden Maßnahmen Frankreichs nicht weiter geduldet werden könnten . Mehrere Regimenter wurden in die Rheinstaaten verlegt .

Die Emigranten wurden durch solche Maßnahmen in ihren Plänen nur bestärkt, bauten ihre Truppen weiter aus und sorgten für die nötigen Vorräte und Ausrüstungsgegenstände . Sowohl die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs, als auch die Furcht vor einem bevorstehenden Krieg wuchs .

3. Condé

Ende des Jahres 1791 wurden die Verhältnisse im Bischöflich-Straßburgischen immer undurchsichtiger. Immer wieder wurden Truppen zwischen Oberkirch und Ettenheim hin- und hergeschoben, und über die Zahl der Soldaten gibt es kaum noch verlässliche Nachrichten. Anlässlich eines Truppenaufstandes in Ettenheimmünster sind dort am 31. Dezember eine Jägerkompanie von 93 Mann und 432 im Badhaus einquartierte Soldaten belegt . Im Januar 1792 wurde ein Teil derselben nach Oberkirch verlegt , während zwei Kompanien, da in Renchen die für sie bestimmten Häuser unglücklicherweise abbrannten, in Ettenheimmünster verblieben . Im Oberamt Ettenheim hatte man Platz geschafft, und während in der Unteren Herrschaft das Regiment Berwick endgültig ausgerüstet wurde , er fuhr man, dass der Prince de Condé und seine Armee - man schätzte bis zu 2000 Mann - nach Ettenheim unterwegs seien . Worms hatte ihm zu erkennen gegeben, dass sein längerer Aufenthalt dort unerwünscht sei .

Am 6. Januar wurden zunächst nicht viel mehr als 100 französische Offiziere, die Kippenheim zwischen halb eins und drei Uhr passiert hatten und dem Wagen des Prinzen vorauszogen, empfangen. Das in Ettenheim stationierte Regiment 'Royal Rohan' und das elsässische Freiwilligenregiment standen Spalier, während die Husaren den Prinzen am Zollhaus vor Ringsheim erwarteten . Einige hundert Mann sollten folgen .

In Grafenhausen und Kappel waren in jedem Haus fünf oder sechs Soldaten untergebracht ‚ und nahezu alle Pferdestallungen waren belegt . Neuankömmlinge in Ettenheim waren gezwungen, in Kutschen zu übernachten, da alle Quartiere überfüllt waren. Einige der immer noch ankommenden Flüchtlinge kehrten beim Anblick der Menge von Leuten und der minimalen Unterbringungsmöglichkeiten umgehend wieder um . Der Kardinal bemühte sich erneut um die Möglichkeit, das Ettenheimmünster'sche Bad belegen zu können .

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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Letzte Änderung: 4. Dezember 2001