III. Der König auf der Flucht

Am 20. Juni 1791 verließ Ludwig XVI. gegen Mitternacht als Kammerdiener verkleidet mit der königlichen Familie die Stadt Paris, in der er seit dem 6. Oktober 1789 festgehalten wurde. Doch am Abend des 21. Juni war der Traum von der Freiheit für den französischen Monarchen in Varennes bereits zu Ende nicht aber die Gerüchte um die Flucht des Königs:

"den 24 Juni alß am sanct ioannes dag kae ein
staffeten nacher hoff, alß wann der könig von
franckreich, auß paris were mit hilff und
vorteil xxxx herauß komen, nacher prißel
ßambtder königin komen ßambt 2 prizen und
einer prinzessin, welches ein große freid war."

Auch in Kehl hörte man allgemein, der König und die Königin mit dem Dauphin seien entflohen. Doch Genaues war nicht zu erfahren. Einige behaupteten in Straßburg, man habe den König unterwegs wieder festgenommen, andere waren der Meinung, er sei in Metz oder Luxemburg angelangt. Sicher war nur, dass der Straßburger Rheinübergang am 23. und 24. Juni 1791 gesperrt worden war .

Für die Aristokraten war die Nachricht von der Flucht des Königs allerdings zu erwünscht, als dass man an deren geglücktem Ende hätte zweifeln mögen . Man hoffte, dass sich der König an die Spitze der Emigranten stellen würde, um gegen die Revolutionäre in Frankreich vorzugehen. Der in Offenburg weilende Prinz Hohenlohe kam umgehend nach Ettenheim , wo die geglückte Flucht ausgiebig gefeiert wurde .

Noch am 24. Juni gegen 23 Uhr erreichte ein weiterer Bote Ettenheim. Er wollte wissen, dass die königliche Familie vor Metz erkannt und angehalten worden sei . Erst am anderen Morgen scheint sich die Niedergeschlagenheit des Regenten langsam auf die ganze Legion übertragen zu haben . Niemand durfte allerdings der Meinung Ausdruck verleihen, der König sei nicht in Freiheit . Obschon außer den Aristokraten keiner mehr an die Ankunft des Königs in Metz glaubte ‚ wurde noch am 27. Juni am Rheinufer bei Kappel von 4 Uhr an bis spät in die Nacht eine 'Lustbarkeit' gehalten. Den ganzen Tag über wurde getrommelt und geschossen 'und anderes ohnetiges mehren'. Später ging man dazu über, die Franzosen mit 'Vive-le-Roi'-Rufen zu provozieren und schließlich scharf ins Elsass zu schießen; die Elsässer schossen zurück .

Noch am 30. versuchte man in Ettenheim die Meinung aufrechtzuerhalten, die Königin und der Dauphin seien in Brüssel, Ludwig XVI. jedoch in Metz, und in spätestens 14 Tagen würde man gen Paris aufbrechen . In Straßburg - und damit auch in Kehl - wusste man dagegen schon am 26. sicher, dass der König erkannt, mit seiner Familie verhaftet und nach Paris zurückgebracht worden war . Erst langsam setzte sich diese Gewissheit bei den Emigranten durch .

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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Letzte Änderung: 29. April 2003