Predigten im Jahreskreis - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

25. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr C (Lk 16,1-13)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen. Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein. Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich. Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin. Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib "fünfzig". Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er: Nimm deinen Schuldschein, und schreib "achtzig". Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes. Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht. Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen. Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon. (Lk 16,1-13)

Ganz ehrlich? Ich mag ihn! Ich mag diesen unehrlichen Verwalter. Irgendwie ist er mir sympathisch.

Das fängt schon mit diesem entwaffnenden Satz an: "Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht und zu betteln schäme ich mich."

Könnte glatt von mir stammen.

Und sie werden lachen, als ich einmal gefragt wurde, ob ich so etwas wie ein Leitbild aus dem Evangelium hätte, ob es da jemanden gibt, mit dem ich mich ganz spontan identifizieren könnte, da fiel mir ohne groß nachzudenken zuallererst dieser unehrliche Verwalter ein.

Liebe Schwestern und Brüder,

er ist auch eine faszinierende Person, einer, der unter einem gestrengen Herrn arbeitet, sich mit dessen Anweisungen offenbar recht schwer tut und es deshalb damit auch nicht so genau nimmt, einer, der mit diesem Herrn so hintereinandergekommen ist, dass er drauf und dran steht, vor die Türe gesetzt zu werden.

Aber er ist vor allem einer, der deutlich sieht, dass sich die Menschen im Herrschaftsbereich seines Herrn alles andere als leicht tun, dass sie ächzen und stöhnen unter den Lasten, die ihnen auferlegt wurden.

Und er macht den Menschen das Leben unter dieser Herrschaft leichter. Er erleichtert den Menschen das Leben. "Was steht auf deinem Schuldschein? 100? Vergiss es, setz dich nieder und schreib 50!"

Irgendwo ist er mir sympathisch dieser unehrliche Verwalter. Und ich glaube, Jesus ist er es auch. Denn er tadelt ihn nicht.

Der hat den Menschen Schulden erlassen, die er gar nicht nachlassen durfte. Der hat sich über Anweisungen, Verbote, Vorschriften und Prinzipien einfach hinweggesetzt. Und Jesus tadelt ihn nicht. Er lobt ihn sogar.

Und ich glaube, ich weiß auch warum. Dieser unehrliche Verwalter macht nämlich eines, was Jesus offenbar über manches hinwegsehen lässt: Er macht den Menschen das Leben leichter. Er erleichtert den Menschen das Leben unter einem gestrengen Herren und einem offenbar manchmal recht unbarmherzigen System.

Menschen aber das Leben zu erleichtern, das kommt in den Augen Jesu immer ganz gut an.

Er tadelt ihn nicht - er lobt die Klugheit des unehrlichen Verwalters.

Würde mir schon reichen. Von Jesus am Ende allem anderem zum Trotz von ihm am Ende gelobt zu werden - was will man letztlich mehr.

Ein sympathisches Gleichnis. Und für mich eine der schönsten Evangelienstellen überhaupt. Vielleicht sogar, mein ganz persönliches Evangelium.

Amen.

(gehalten am 23. September 2007 in der Pauluskirche, Bruchsal)

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