Predigten aus der Praxis

Ansprachen für Sonn- und Festtage


23. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr C (Weish 9,13-19)

Welcher Mensch kann Gottes Plan erkennen, oder wer begreift, was der Herr will? Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken; denn der vergängliche Leib beschwert die Seele, und das irdische Zelt belastet den um vieles besorgten Geist. Wir erraten kaum, was auf der Erde vorgeht, und finden nur mit Mühe, was doch auf der Hand liegt; wer kann dann ergründen, was im Himmel ist? Wer hat je deinen Plan erkannt, wenn du ihm nicht Weisheit gegeben und deinen heiligen Geist aus der Höhe gesandt hast? So wurden die Pfade der Erdenbewohner gerade gemacht, und die Menschen lernten, was dir gefällt; durch die Weisheit wurden sie gerettet. (Weish 9,13-19)

Letzte Woche konnten Sie es wieder einmal live erleben. Kaum war das Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl zu Ende, gab es auch schon die ersten repräsentativen Umfragen. Wer von den beiden hat denn jetzt wohl den besseren Eindruck gemacht? Wer hat das Duell denn jetzt für sich entschieden?

Und ganz klar, nach Abzug aller Toleranzen und natürlich repräsentativ lag bei dem einem Sender völlig unstrittig Kandidat A vorne und beim anderen Kandidatin B - und das natürlich mit der gleichen mathematischen Sicherheit.

Liebe Schwestern und Brüder,

da konnten Sie wieder einmal live erleben, was man auf solche Berechnungen letztlich geben kann. Je mehr unsere Gesellschaft auf solche Umfrageergebnisse und Hochrechnungen, auf Befragungen und Statistiken setzt, desto unsicherer scheinen mir die Ergebnisse am Ende zu sein. Und das eigentlich in allen Bereichen. Letztlich kann man doch keiner Statistik und keiner noch so wissenschaftlich daherkommenden Berechnung am Ende noch trauen.

Wie hat man etwa vor etwas mehr als fünf Jahrzehnten nach allen Regeln der Kunst berechnet? Ein Super-Gau in einem Atomkraftwerk der könnte mit aller Sicherheit der Wahrscheinlichkeitsrechnung höchstens einmal in 10.000 Jahren stattfinden.

Allein ich - und mit mir die meisten von Ihnen - habe in meinem Leben jetzt schon drei dieser ach so unwahrscheinlichen Ereignisse erlebt. Einmal in 10.000 Jahren! Eigentlich müssten also schon weit über 20.000 Jahre vergangen sein.

Jetzt könnte ich zwei Schlüsse daraus ziehen. Der eine wäre, ich weiß jetzt endlich, warum ich mich letztlich schon so alt fühle ...

Der andere - und der scheint mir doch der weitaus sinnvollere zu sein - das ist der, dass auf solche Berechnungen letztlich nichts, aber auch gar nichts zu geben ist. Je felsenfester die entsprechenden Ergebnisse behauptet werden, desto unsicherer scheinen sie am Ende zu sein.

Darauf hätten wir eigentlich schon viel früher kommen können. Darum wissen wir eigentlich schon seit je her. Seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus können wir es ja sogar in unseren heiligen Schriften nachlesen. Und den entsprechenden Abschnitt, den haben wir ja gerade eben gehört:

"Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken."

Wir können uns anstrengen so viel wir wollen, wir können rechnen bis wir schwarz werden, die Zukunft lässt sich mit keiner mathematischen Formel und keiner statistischen Berechnung vorhersagen. Wir können uns absichern wie wir möchten, alle möglichen und denkbaren Fehler einplanen und noch so viele Sicherheitssysteme erfinden, die Natur wird sich von uns nicht beherrschen lassen.

"Unsicher sind die Berechnungen der Sterblichen und hinfällig unsere Gedanken."

Das ist eine ganz wichtige Botschaft des heutigen Sonntages. Und sie ist diesmal sehr konkret. Sie sagt nämlich zum Beispiel in aller Deutlichkeit: Das Ergebnis der Wahl zum Deutschen Bundestag lässt sich nicht vorausberechnen. Die Wahl wird erst am 22. September entschieden. Und die Natur wird trotz aller Möglichkeiten der Technik nie beherrschbar sein. Daran wird sich auch in Zukunft kaum etwas ändern.

Das soll uns jetzt keine Angst machen. Es soll uns nur klar machen, wie die Dinge nun einmal sind. Wir können die Welt nicht beherrschen. Wir können die Natur nicht wirklich lenken. Und wir haben unsere Zukunft nicht in der Hand.

Deshalb sollten wir uns letztlich wirklich an den halten, der allein etwas ausrichten kann. Unsere Zukunft und unser Geschick - beides nämlich ruht in Gottes Hand.

Und während unsere Berechnungen, unser Planen und Sichern letztlich immer Stückwerk und voller Fehler sein werden, während wir unseren Berechnungen einfach nie wirklich trauen können - Gottes Hand, ihm, der sich unserer Zukunft annimmt, ihm können wir trauen. Und auf ihn können wir sogar bauen.

Amen.

Download-ButtonDownload-ButtonDownload-Button(gehalten am 7./8. September 2013 in den Kirchen der Seelsorgeeinheit St. Peter, Bruchsal)