Predigten im Jahreskreis - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

7. Sonntag im Jahreskreis (Fasnacht) - Lesejahr C (Lk 6,27-38)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd. Gib jedem, der dich bittet; und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang es nicht zurück. Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen. Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden. Und wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Dank erwartet ihr dafür? Das tun auch die Sünder. Und wenn ihr nur denen etwas leiht, von denen ihr es zurückzubekommen hofft, welchen Dank erwartet ihr dafür? Auch die Sünder leihen Sündern in der Hoffnung, alles zurückzubekommen. Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt. Dann wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist! Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden. Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden. (Lk 6,27-38)

626 Seiten, gruselige Spannung, 'zig Morde, eine Kriminalstory par excellence und das auch noch aus dem Mittelalter; und alles - die ganze Handlung, all die literarische Verwicklungen - einzig und allein um die Frage, ob Jesus gelacht hat oder nicht.

Daraus wird am Ende Platz 1 in den Bestsellerlisten und ein Buch, von dem jeder und jede zumindest schon einmal gehört hat: "Der Name der Rose" nämlich.

Liebe Schwestern und Brüder,

eine erfundene Geschichte. Diese klösterliche Kriminalstory hat nie stattgefunden. Und dennoch sind die Diskussion, die Fragestellung und die damit verbundene Auseinandersetzung durchaus echt. Darüber haben sich die Theologen wirklich den Kopf zerbrochen. Ob Jesus jetzt gelacht hat oder nicht. Das wurde tatsächlich ganz kontrovers diskutiert.

In der Bibel steht nämlich kein Wort davon. Jesus hat sich geärgert, er war traurig, hat geweint - nirgendwo aber steht auch nur ein einziges Mal, dass er gelacht habe.

Für den heiligen Chrysostomus, die meisten späteren Heiligen und fast allen Kirchenväter stand deshalb auch ganz klar fest: Jesus hat nie gelacht!

Hat er doch? 'Ist gar nicht so leicht zu entscheiden. Nachprüfen kann man es schließlich nicht.

Steht nichts davon in der Bibel, weil es so selbstverständlich ist, dass man gar nichts darüber schreiben muss? Oder ist deshalb nichts darüber überliefert, weil er eben tatsächlich nie gelacht hat?

Dargestellt wird er immer ernst, liebevoll lächelnd vielleicht. Aber stellen Sie sich einmal ein Bild von Jesus vor, auf dem er schallend lacht.

Ich habe letzthin solch eine Darstellung gesehen, und - ehrlich - sieht schon ganz komisch und ungewohnt aus.

Und fragen Sie sich selbst. Wie stellen Sie es sich vor? Könnten Sie sich Jesus auf einer Fasnachtsveranstaltung denken? Oder im Gottesdienst mit den Schlabbedengla? Oder vielleicht selbst als Guggenmusiker bei der Straßenfasnacht?

Jesus war doch ein frommer Jude und Frömmigkeit wird bei uns immer schnell mit Ernsthaftigkeit zusammengebracht.

Darf man albern sein, wenn man fromm sein möchte? Gehört ausgelassene Fröhlichkeit zum Christsein dazu - oder beißt sich das nicht etwa?

Wenn ich mir unsere Praxis anschaue, dann erweckt es wirklich den Anschein, als habe Frömmigkeit wenig mit Fröhlichkeit zu tun. Viele unsere Gottesdienste passen sehr viel besser zu einer Beerdigung als zum ausgelassenen Fasnachtstreiben.

Aber wir haben doch eine Frohe Botschaft zu verkünden und wir feiern ein Fest, wir feiern unseren Glauben und unsere Hoffnung. Da gehört doch die Freude dazu. Und diese fröhliche Zuversicht, die gebe ich doch am besten auch wirklich fröhlich an die Menschen weiter.

Wenn Sie mich fragen - ich bin mir ganz sicher. Ich denke, dass Jesus ganz ausgiebig gelacht hat. Nicht umsonst haben ihn seine Kritiker als Fresser und Säufer, als Freund der Zöllner und Dirnen beschimpft.

Ich glaube nicht, dass er ins Bild des weltfremden frömmelnden Sonderlings passt. Da ist das Bild von der ausgelassenen Hochzeit zu Kana für mich sehr viel treffender.

Ich glaube, dass Jesus kein Kind von Traurigkeit war und dass er Fröhlichkeit verbreitete. Denn wer die Menschen wirklich liebt, der kann eigentlich gar kein Trauerklos sein.

Im heutigen Evangelium stellt Jesus den Menschen so sehr in den Mittelpunkt, dass seine ganze Liebe zu uns Menschen deutlich wird. Und den Schlusssatz, den möchte ich heute, am Fasnachtssonntag am liebsten so weiterformulieren:

Verbreitet die Freude des Glaubens, die Fröhlichkeit der Hoffnung. Verbreitet unsere Frohe Botschaft. Gebt die Freude weiter - sie wird euch ganz sicher zurückgegeben. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließenden Maß werdet ihr mit der Fröhlichkeit, die ihr anderen schenkt, am Ende selbst wieder beschenkt werden.

Amen.

(gehalten am 21./22. Februar 2004 in der Peters- und Pauluskirche, Bruchsal)

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