Predigten im Jahreskreis - Lesejahr C

(Dr. Jörg Sieger)

      

2. Sonntag im Jahreskreis - Lesejahr C (Joh 2,1-11)

In jener Zeit fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt, und die Mutter Jesu war dabei. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut! Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasst ungefähr hundert Liter. Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand. Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt, und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm. Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wusste nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es. Da ließ er den Bräutigam rufen und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh 2,1-11)

Nein, das erlebt man wahrlich nicht sehr häufig, dass aus Wasser edler Wein wird. Wenn Wein wenigstens noch zu Wasser würde, damit könnte man vermutlich ja noch ganz gut leben. In aller Regel wird aber - Gott seis geklagt - viel zu schnell aus dem teuren Rebensaft Essig und meistens nicht einmal besonders guter.

Liebe Schwestern und Brüder,

viel zu schön ist das Bild von dieser Verwandlung aus dem heutigen Evangelium, als dass man einfach nur beim Bericht von der Hochzeit zu Kanaan bleiben könnte. Diese Bilder schreien ja schon förmlich danach auch im übertragenen Sinne betrachtet zu werden. Dafür gibt dieses Bild vom Wasser, das zu Wein wird, viel zu viel her.

Und dann auch noch im Zusammenhang mit einer Hochzeit! Denn wo schon wird im Zusammenhang mit Heiraten aus Wasser guter Wein.  Wann einmal entwickelt sich eine Hochzeit, eine Beziehung, so, dass am Anfang nur Wasser und am Ende der Wein steht

 Meist erleben es Menschen doch genau umgekehrt: Die Zeit des Kennenlernens wie süßer, verführerischer Wein, der sich im Lauf der Zeit ganz schnell zu Wasser verwandelt, wenn die Beziehung letztlich am Ende nicht sogar ganz Essig ist.

Oder im Berufsleben: Da wird so oft aus dem Prädikatswein, dem angestrebten Traumberuf, über kurz oder lang ein bitteres Gesöff, das einem richtiggehend auf den Magen schlägt, schlimmer noch als Essig, mit dem Ergebnis, dass man sich am Ende gar mit Magengeschwüren herumschlägt.

Und wenn's mit der Arbeitsstelle dann ganz Essig ist, wenn man sie erst einmal verloren hat, dann sehnt man sich sogar nach dem Wasser zurück, kann vom Wein dann schon nicht einmal mehr träumen.

Und dann ist da einer, der Wasser in Wein verwandelt.

Das ist eine Wahnsinns-Botschaft! Eine Botschaft für alle, die den Geschmack des edlen Weines in ihrem Leben nicht mehr kennen, die ihn verloren haben, eigentlich immer schon nur davon träumen konnten oder sich schon gar nicht mehr vorstellen können, wie so etwas schmeckt.

Eine gute Nachricht für alle, bei denen das Fest des Lebens schon längst verwässert ist. Es gibt einen, der schreibt selbst auf krummen Zeilen gerade. Der bringt es fertig, dass einfachstes Wasser am Ende zu einem Wein wird, wie man ihn sich nicht besser hätte träumen können.

Und das nicht erst am Ende der Tage. Der macht das sogar mitten im Fest, so dass alles, was gerade noch den Bach herunter zu gehen drohte, doch noch gerettet werden kann.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber gerade deshalb möchte ich mich daran klammern, gerade deshalb möchte ich mich daran festhalten. Es wird nämlich nicht von irgendjemandem berichtet. Man sagt es über den, der Gott selber ist, der mir versprochen hat, dass er für mich da sein will, wann, wo und wie es auch sei.

Und ich möchte sogar noch eins oben drauf setzen. Ich will dem sogar zutrauen, dass er es nicht nur mit Wasser schafft. Der macht nicht nur aus Wasser Wein; der schafft das sogar aus Essig.

Amen.

(gehalten am 19./20. Januar 2013 in den Kirchen der Pfarrei St. Peter, Bruchsal)

Dr. Jörg Sieger, Mannheimer Straße 54, D-76131 Karlsruhe,
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