Predigten im Jahreskreis - Lesejahr A

(Dr. Jörg Sieger)

      

Dreifaltigkeitssonntag - Lesejahr A-C

 

Nichts gibt es in der ganzen christlichen Theologie, was so kompliziert, so schwierig auszudrücken und so voller Missverständnissen ist, wie das Geheimnis der Dreifaltigkeit.

Liebe Schwestern und Brüder,

die größten Denker der alten Kirche haben allein 300 Jahre gebraucht, um Formulierungen zu finden, die das Unsagbare einigermaßen sagen lassen, die in etwa in Worte bringen, wer dieser Gott, dem wir glauben, ist. Wie können wir von Geist, von Sohn und von Vater sprechen und dennoch daran festhalten, dass auch wir Christen ohne Abstriche allein und einzig an einen Gott glauben.

Die Schrift, das Neue Testament, Jesus, Paulus und all die übrigen Apostel waren für die Lösung der Fragen ja nicht besonders hilfreich - ganz im Gegenteil, sie hatten die Verwirrung ja erst angestoßen. Da wird gesagt, es gäbe nur einen Gott, Jesus sei Gottes Sohn, der Vater sei größer als er, aber der Vater und der Sohn seien eins! Wie soll das ein Mensch in seinem Kopf zusammen bekommen.

Natürlich konnte man jetzt sagen: Ist ja auch gar nicht so wichtig. Zunächst einmal geht es ja darum Christus nachzufolgen. Wie das mit Gott genau ist, darüber braucht man sich ja nicht den Kopf zu zerbrechen.

Aber so einfach ist das nicht. Was, wenn plötzlich Streitereien entstehen? Was, wenn plötzlich einige sagen: Es gibt nur einen Gott und Jesus ist halt nur ein Mensch? Was, wenn andere sagen: Auch Jesus ist Gott und es gibt halt mehrere Götter.

Die Fragen, die auftauchten, verlangten nach einer Lösung. Und sie tun es heute nicht minder.

Denn wie das sein kann, dass wir von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist sprechen und doch nur von dem einen Gott, muss auch heute einleuchtend und überzeugend dargelegt werden. Vor allem, weil sowohl Juden als auch Muslime uns sonst den Vorwurf machen, wir hätten den Glauben an den einen Gott, den Glauben an den Gott der Bibel, verraten und würden nun drei Götter anbeten.

Das aber ist nicht wahr.

Gott ist der Eine und es gibt neben ihm keinen anderen. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

Gerade was das Sprechen von der Dreifaltigkeit angeht, gilt es deshalb sehr vorsichtig und sehr präzise zu sein. Und vor allem nicht alles einfach ungeprüft zu übernehmen, was man da so hören kann.

So ist mir letzthin begegnet, wie unter "guten Christen" die Dreifaltigkeit so erklärt wurde: Am Anfang sei Gott halt einer gewesen, aber am ersten Weihnachtsfest habe er dann den Sohn bekommen und an Pfingsten sei dann eben noch der Geist dazu gekommen. Das ist nicht nur falsch, das ist grober Unsinn.

Gott ist der eine und er ist nie etwas anderes gewesen. Aber er ist genauso von Anfang an, vor aller Zeit, schon vor der Schöpfung der Dreifaltige, der Vater, der Sohn und der Geist. Und das sind keine drei, das ist der eine Gott.

Und ganz übel ist jene Geschichte, die mir auch vor einigen Wochen begegnet ist. Sie kennen sie vielleicht. Es heißt da: Frage einen Muslim, ob sein Gott einen Sohn habe, und wenn er nein sagt, dann glauben wir auch nicht an denselben Gott.

Diese Geschichte tut mir weh, weil sie einmal pharisäisch ist - so wie die Pharisäer zu Jesus kommen und ihm Fragen stellen, mit denen sie ihn bewusst aufs Glatteis führen möchten.

Und sie tut mir noch mehr weh, weil sie rundweg falsch ist. Auch als Christ muss ich theologisch sauber die Frage, ob der dreifaltige Gott einen Sohn hat, verneinen. Der eine Gott hat nicht einen Sohn. Gott ist Vater, Sohn und Geist. Der eine Gott, den Juden, Christen und Muslime anbeten und verehren, dieser Gott ist Vater, Sohn und Geist. Der Unterschied zwischen Christen, Juden und Muslimen ist der, dass wir Christen glauben, eine Dimension Gottes, die Dreifaltigkeit nämlich, erkannt zu haben, die Juden und Muslimen verborgen ist. Aber es ist trotz allem ein und derselbe Gott.

Wer anderes sagt, spricht nicht nur Muslimen ab, an denselben Gott wie wir zu glauben, er spricht es auch den Juden ab. Und das hieße aus 2000 Jahren Antisemitismus letztlich immer noch nichts gelernt zu haben.

In unserem alltäglichen Sprechen sind wir oft sehr nachlässig. Wir sprechen von Gott und seinem Sohn Jesus und wir tun es ganz unbefangen. So unbefangen, wie es weithin auch das Evangelium tut. Aber das Neue Testament lässt keinen Zweifel daran, dass es an all diesen Stellen mit Gott immer den Vater meint, und mit Jesus den Sohn, dass Gott selbst aber immer der eine und nie zwei und erst recht keine drei sind; und dass der Gott, den wir als Vater, Sohn und Geist erkennen, ein und derselbe ist, den die Schrift Gott Abrahams, Gott Jakobs und Gott Isaaks nennt. Es gibt nur diesen einen und überall auf der Welt, wo Menschen Wahres über Gott erkennen und bekennen, sprechen sie einzig und allein von ihm.

Wenn wir auch im alltäglichen Umgang großzügig bis unbefangen von den göttlichen Personen handeln und die Begriffe Gott und Vater, Jesus und Sohn manchmal durcheinander werfen, so, dass sich dem Theologen schon die Nackenhaare stellen - im Dialog mit Andersgläubigen sollten wir sehr umsichtig sein, sehr sauber argumentieren und theologisch verantwortet sprechen. Ansonsten offenbaren wir nicht nur unsere Unwissenheit, wir diskreditieren letztlich damit unseren Glauben.

Das allerdings wäre schlimm!

Nie sollte jemand von uns deshalb, im Blick auf Muslime und Juden, sagen, der dreifaltige Gott habe einen Sohn, und der Gott der Muslime und der Juden nicht. Der dreifaltige Gott hat nicht einen Sohn, unser Gott ist Vater, Sohn und Geist. Der Vater zeugt den Sohn, aber Gott ist der eine. Das ist unser Glaube, so und nie anders haben wir es immer geglaubt. Und so wollen wir ihn bezeugen, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, den einen Gott, der Vater, Sohn und Geist ist, der uns in der Menschwerdung Jesu Christi unendlich nahe gekommen und uns in seiner Auferstehung den Weg zum Leben gebahnt hat.

Amen.

(gehalten am 22. Mai 2005 in der Peters- und Antoniuskirche, Bruchsal)

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