Impuls

Ein Text im Rahmen des Gesprächsangebotes
"Abba, Vater - Was es bedeutet, Gott Vater nennen zu dürfen"

 

"Vater unser im Himmel"

Hmmh – männliche Sprache und feministische Theologie!!

"Vater" – wir Alle sprechen sehr selbstverständlich von einem Mann, von einem Gott! Wir denken und wir sprechen von Gott männlich! Wenn es nun aber anders wäre? Wenn der Vater eine Mutter wäre?

Aber ist ja fast egal – der Himmel ist weit weg und überhaupt ein ziemlich nebulöser Begriff! Was hat die damalige Propaganda den ersten Kosmonauten Juri Gagarin nach seinem Weltraumflug im April 1961 und seiner Rückkehr auf unsere Erde sagen lassen? "Ich habe gesucht und gesucht; aber Gott habe ich dort nicht gefunden". Klar – wertlose Propaganda! Aber mal im Ernst: können wir ernsthaft von einem Gott im Himmel sprechen und gar an ihn glauben?

"Geheiligt werde Dein Name".

Gut dass das mal gesagt wird! Dein Name, Dein Name!! Bei den Fürsten unserer Kirchen heute und in vergangenen Zeiten ohnehin weiß man oft nicht mehr, um wenn es jetzt gerade und eigentlich geht! Um IHN oder um seine Statthalter auf Erden?

"Dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden!

Na ja – mit den Reichen dieser Welt haben wir so unsere Erfahrungen gemacht. Dein Reich komme – und was ist mit meinem "Reich", mit meinen Vorstellungen, mit meinen Wünschen, mit meinen Erwartungen, mit meinen Bedürfnissen? Spielen die überhaupt eine Rolle, wenn es nur um Deinen Willen geht? Dein Wille geschehe – hört sich ziemlich nach Unterordnung und despotisch an! Haben wir nicht spätestens seit der Aufklärung kapiert dass wir einen eigenen Willen haben dürfen und sollen? Dass wir eigene Individuen sind und nicht nur die Erfüllungsgehilfen eines fernen Gottes?

Wie im Himmel so auf Erden! Komisch lieber Gott! Wenn wir schon darum bitten sollen dass Dein Wille im Himmel geschieht wie soll er dann überhaupt auf der Erde zum Zug kommen? Hört sich fast absurd an...

"Unser täglich Brot gib uns heute".

Na, diese Bitte ist aber wirklich rührend naiv.

Mal ein paar Zahlen und Fakten dazu…..aber sie wissen es ja selbst: alleine in Deutschland werden jährlich ca.20 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll geworfen; jede/r Deutsche wirft ca. 82 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg. 868 Millionen Menschen hungern – so der Welthungerbericht der UN; das Milleniumsziel der Vereinten Nationen, zwischen 1990 und 2015 die Anzahl hungernder Menschen weltweit zu halbieren gilt mittlerweile als nicht mehr erreichbar. Sollten wir diese Bitte nicht eher an Nahrungsmittelkonzerne wie Nestle oder Gentechnikkonzerne wie Monsanto richten? In Zeiten in denen mit Grundnahrungsmittel und fruchtbarem Ackerland weltweit spekuliert wird, brauchen wir doch wirklich keinen Gott mehr für "unser täglich Brot"?

"und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern"

Schuld, Schuld, Schuld – man kann es fast nicht mehr hören – diesen vorgestrigen Begriff! Leben nicht alle Religionen davon, uns unaufhörlich Schuldgefühle und Komplexe einzureden so dass wir zwangsläufig auf einen gnädigen und vergebenden Gott angewiesen sind, der uns dann umgehend und teuer verkauft wird?

Und außerdem – ich soll meinen Schuldnern vergeben? Na, so weit kommt’s noch! Das wäre ja noch schöner! Kommt überhaupt nicht in Frage! Aber im Ernst, liebe Mitchristinnen und Mitchristen: schon sehr viel von uns verlangt, oder ? "wie auch wir vergeben unseren Schuldigern" – jede Biographie kennt Situationen und Ereignisse, in denen es sehr schwer, manchmal unmöglich ist zu vergeben. Auch Menschen können uns in einer Weise verletzen dass wir ihnen nicht vergeben können. Einfach Menschlich finde ich das – nicht immer alles und jedem vergeben zu können! Und das wird dann mir angerechnet wenn ich der Vergebung bedarf? Das hält mir Gott entgegen ? Hart...

"und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen".

Wieso müssen wir eigentlich diese Bitte formulieren und aussprechen?

Eigentlich ganz schön gemein, dass wir Menschen in unserer Unvollkommenheit und Schwachheit überhaupt in Versuchung zu allem Möglichen geführt werden! Könnte unser Gott doch sein lassen...

Und ist es nicht das "Kerngeschäft" dieses Gottes, dem Bösen keinen Raum zu geben? Ist es nicht seine ureigenste Aufgabe in seiner Allmacht, das Böse in Schach zu halten bzw. überhaupt gar nicht erst entstehen und in die Welt kommen zu lassen?

Dorothee Sölle - eine evangelische, feministische Theologin und Pazifistin - formulierte mit Blick auf das Böse: " Wie ich nach Auschwitz an einen gnädigen Gott glauben kann weiß ich nicht". Was denken sie über diese Aussage? Dürfen wir nicht in diese Richtung denken oder ist das schon Gotteslästerung?

"Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit ..."-

in Ewigkeit! Amen!

Manfred Köstel