Impuls zum 3. Abend des Projekts "... auf der Spur Jesu"
am 20. Februar 2013 in der Antoniuskirche

Und?
Wie halten Sie es mit dem Rand?

Bernd Gärtner
  • heben Sie ihn auf bis zum Schluss?
  • oder schneiden Sie ihn sogar weg?
  • gehört der Rand dazu oder ist er einfach nur störend?
  • oder gehören Sie sogar zu denen, welche die Qualität einer Pizza mit dem Rand in Verbindung bringen?
  • Wie halten Sie es mit dem Rand?

    Mit der Rand der Gesellschaft
    oder, besser gesagt,
    mit denen, die am Rande leben?

    Kennen Sie eigentlich die Ränder der Gesellschaft,
    die sogenannten Randgruppen?

    Nehmen Sie / ich / wir /
    die Menschen am Rande überhaupt noch wahr?
    Wir, die in der Mitte leben?

    Wer ist denn heute Abend hier-
    doch nur wir, von der Mitte – oder?

    Kennen wir überhaupt
    die Ängste,
    die Bedürfnisse, Wünsche Sehnsüchte der Menschen am Rande?

    Oder haben wir nicht vielmehr Angst, diesen Menschen zu begegnen -
    weil sie uns zeigen wie schnell es gehen kann - von der gesicherten Mitte hin zum Rand!

    „Wie hält es die Mitte mit ihren Rändern?“

    „Es sei weise und klug so zu fragen“: sagt der schweizer Schriftsteller Adolf Muschg und er meint:
    „Denn die Ränder, bestimmen insgesamt die Form der Gesellschaft ihre Lebensform. Wie gut oder schlecht wir Menschen miteinander umgehen zeigt sich nicht in der abgesicherten Mitte, sondern zeigt sich
    gerade an den Rändern“

    Wer sind diese Menschen an den Rändern?

    In meiner Tätigkeit als Caritasmitarbeiter begegnen mir immer wieder Menschen am Rande.
    Hier gibt es einige, die haben sich doch tatsächlich „am Rande eingerichtet“. Sie finden sich hier zurecht.

    Dann leben hier Menschen, die bereits in den Rand geboren wurden.

    Es gibt aber immer mehr Menschen wie sie und ich,
    Menschen die in der Mitte geboren wurden,
    aber durch das wahnsinnige Tempo in der Mitte an den Rand geschleudert wurden.

    Es sind Menschen wie Sie und ich
    deren Lebenswege plötzlich durch:
    brüchige Beziehungen,
    Trennung,
    Arbeitslosigkeit,
    Entwurzelung,
    Erkrankung,
    Armut,
    Wohnungslosigkeit oder durch Resignation
    durchkreuzt wurden.

    Viele von denen die am Rande leben
    werden eine Randfigur bleiben,

    Sie werden trotz eigener oder fremder Hilfe
    keinen Arbeitsplatz mehr bekommen, oder weiterhin süchtig sein.

    Sie werden – trotz allem – eine Randfigur bleiben

    Diese Menschen brauchen neben der materiellen Grundsicherung und einer solidarischen und gerechten Politik

    vor allem auch
    jemand der einen anderen Maßstab anlegt.

    Jemand der weiß,
    dass der Mensch auch ohne Wohlstand,
    ohne Reichtum, ein Abbild ein Ebenbild Gottes ist.

    Sie brauchen
    ganz einfach jemanden
    der ihnen mit Würde und Respekt begegnet.

    Sie brauchen
    ganz einfach
    Menschen


    Bernd Gärtner